Das Gericht hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht.


Auch zweiter Täter verurteilt

Sieben Jahre und drei Monate muss ein 24 Jahre alter Syrer, der als Asylbewerber in Redwitz lebte, in Haft. Sein 23-jähriger Landsmann, der zum Tatzeitpunkt in Lichtenfels wohnte, wurde zu zwei Jahren und zehn Monaten verurteilt. Eine ebenfalls angeklagte 53-Jährige aus Roth wurde freigesprochen. Sie wurde nach Ansicht ihres Rechtsanwalts Freiherr von Imhoff ein "Opfer ihrer desaströsen, selbstlosen und unkritischen Hilfsbereitschaft".
"Wir glauben, von beiden nicht voll mit der Wahrheit gefüttert worden zu sein", stellte Richter Christoph Gillot in seiner Urteilsbegründung fest. Zunächst ging es um den Tatbeitrag des 23-Jährigen und seine Rolle bei dem Überfall auf dem Fliesenhändler Dietmar Müller. Für die Urteilsfindung ging es im Wesentlichen um die Frage: Täter oder Teilnehmer, Mittäter oder Gehilfe? Der 23-Jährige sei vom Haupttäter aufgefordert worden, mit dem Taxi nach Redwitz zu fahren. Was für einen Hartz-IV-Empfänger mit nicht unerheblichen Kosten verbunden ist. Dann wurde er telefonisch gefragt, ob Autos vor der Tür des Anwesens in Redwitz stehen. Zwar habe der 23-Jährige im Verlauf der Verhandlung eingeräumt, dass mit Reizgas und einem Elektroschocker gespielt wurde, aber der Beteuerung des 24-Jährigen geglaubt, dass beide Dinge nur der Selbstverteidigung dienen sollten. Die Aussage, er habe den gefesselten Fliesenhändler nur bewacht, konnte das Gericht nicht widerlegen. Ähnliches gelte auch für die Frage ob er beim Öffnen des Tresors mitgeholfen habe. Auch war seine "Beute" mit 150 Euro und einem Ring eher gering zu nennen. Die eigentliche Handlung des Überfalls auf den Fliesenhändler habe der 23-Jährige nicht ausgeübt. "Er glaubte, einem Terroristen zu helfen", so Richter Christoph Gillot in seiner Urteilsbegründung.


Mehr Beute erhofft

Wegen besonders schweren Raubs in Tateinheit mit schwerer Körperverletzung muss der Haupttäter mit sieben Jahren und drei Monaten deutlich länger ins Gefängnis. Dass der 24 Jahre alte Syrer die Beute zunächst nicht mitnehmen wollte (er hatte sich deutlich mehr erhofft), glaubte ihm das Gericht nicht. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er in das Schlafzimmer des Fliesenhändlers eingedrungen war, sich dort von 18 bis 22 Uhr versteckt hielt und sein damals 67-jähriges Opfer überwältigte. Anschließend hatte er mit dessen Schlüssel den Tresor ausgeräumt.
"Der Angeklagte konnte vom Glück reden, das er ein Opfer fand, das relativ hart im Nehmen ist", machte Gillot deutlich. Andere Opfer litten ein Leben lang unter der Tat. Für den Angeklagten spreche, dass er nicht vorbestraft sei, er Aufklärungshilfe geleistet habe und Tatreue gezeigt habe. Gegen ihn spreche die kriminelle Energie, die zum Tatzeitpunkt zum Ausdruck gekommen sei.
Mit seinem Urteil blieb das Gericht zum Teil deutlich unter dem von Staatsanwalt Daniel Heppt geforderten Strafmaß. Für das brutale Vorgehen des 24-jährigen Haupttäters forderte Heppt eine Freiheitsstrafe von acht Jahren und neun Monaten. Für seinen 23-jährigen Mittäter ein Freiheitsstrafe von sieben Jahre und sechs Monate. Unklar blieb auch die Rolle der beiden Syrer zum Thema Terrorismus. Ein Gericht in München wird sich damit noch beschäftigen.