Michelau
Umwelt

Ratten in Michelau? Was steckt dahinter?

Das Rattenproblem in Michelau ist gelöst. Dennoch gibt es bei den Straßeneinlaufschächten Weiteres zu beachten.
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Straßeneinlauf an der Neuenseer Straße in Michelau. Hier darf man nicht einfach Schmutzwasser oder Essensreste entsorgen. Foto: Ramona Popp
Straßeneinlauf an der Neuenseer Straße in Michelau. Hier darf man nicht einfach Schmutzwasser oder Essensreste entsorgen. Foto: Ramona Popp

Und hat es gewirkt? Ja, meint Norbert Eiser aus der Verwaltung der Gemeinde Michelau. Sie sind weg.

Sie, das sind die Ratten. Am Freitag, 12. Juli, überraschte die Gemeinde die Zeitung mit einer ungewöhnlichen Meldung: "Aus aktuellem Anlass bittet die Gemeinde Michelau i. Ofr., keine Essensabfälle in die Straßeneinlaufschächte im Gemeindegebiet zu entsorgen, da ansonsten Wildtiere wie Ratten angelockt werden."

Kurz nachdem die Information ins Rathaus gelangte, gab die Gemeinde auch die kurze Nachricht heraus, die nicht zuletzt in den sozialen Medien wie Facebook für einige Unterhaltung sorgte - und auch den einen oder anderen bissigen Kommentar. Ob sich derjenige nicht auskenne, wie man sich zu verhalten habe, etwa.

So etwas vermutete man auch in der Gemeinde, aber mit versöhnlichem Unterton. "Wir gehen davon aus, dass sich derjenige wohl wirklich nichts dabei gedacht hat und wollten deshalb die Leute über die Zeitung nur informieren. Vielleicht hat er es ja in der Zeitung gelesen", meint Eiser.

Die Nachricht erreichte das Rathaus in Michelau über aufmerksame Beobachter. Eine Art Rattenpolizei gibt es nicht - also ein Team, das schaut, ob es in den unterirdischen Verbindungen der Ortschaft mit rechten Dingen zugeht. "Wir reagieren da auf Benachrichtigungen", sagt Eiser. Zumindest technisch ist man gerüstet, im Kanal an vielen Stellen nach dem Rechten zu schauen. Es gibt eine Kamera, mit der man etwa 200 Meter weit schauen kann. Damit gelingt es einem, in akuten Notfällen wie einer Verstopfung oder einem Kanaleinbruch das Problem zu lokalisieren. "Es gibt ja nur wenige Firmen, die so etwas anbieten. Im Ernstfall sind wir damit auch schnell einsatzbereit." Vorgeschrieben sind nur die routinemäßigen Kanalbefahrungen alle zehn Jahre, in Wasserschutzgebieten alle fünf Jahre.

Im Fall der Ratten und dem Einlaufschacht war das Problem natürlich schnell geklärt: Das Essen blieb am Kanalrand liegen und die Tiere bediente sich an dem kostenlosen Buffet. Nachdem es nichts mehr zu holen gab, verschwanden sie. Jagd auf die Ratten darf von der Gemeinde aus auch nicht jeder machen: "Wir haben da jemanden, der speziell ausgebildet wurde", sagt Eiser. Ungewöhnlich sei der Fall schon gewesen, meint Eiser, deshalb sei man auch schnell an die Öffentlichkeit gegangen. Auch Essensreste über die Toilettenspülung zu entsorgen, sei ähnlich problematisch: "Diese Reste lagern sich dann am Rand des Kanals ab." Was auch noch ein Irrtum sein könnte, dem mancher Bürger aufsitzt: Was man in die Straßeneinlaufschächte kippt, landet nicht automatisch in der Kläranlage und wird somit auch nicht gereinigt. Es ist immer wieder zu beobachten, dass nach dem Hausputz der Eimer mit dem Wischwasser draußen in diesen Schacht gekippt wird. Das ist allerdings ein Irrtum und belastet die Umwelt.

Ein Trennsystem

In Michelau zum Beispiel besteht in der Kanalisation ein Trennsystem. Das heißt, die Schmutzwasserkanäle und Regenwasserkanäle sind getrennt. Oberflächen- und Regenwasser fließen nicht in die Kläranlage, sondern gelangen ohne eine Reinigung zu durchlaufen direkt in einen sogenannten Vorfluter, in Michelau ist es der Mühlbach, und von dort in den Main. Gereinigt wird in der Kläranlage nur das Wasser, das aus einem Hausanschluss (Toilette, Abwasserkanal) kommt. Warum hat man diese Trennung vorgenommen? Regenwasser muss nicht gereinigt werden, somit entlastet man die Kläranlage.

Man sollte sich also informieren, ob vor Ort ein Mischwassersystem vorliegt - wo auch Regenwasser in die Kläranlage gelangt - oder ein Trennsystem. Sonst verschmutzt man mit Wischwasser oder ähnlichem direkt den Fluss.

Um das Thema abzurunden noch ein letzter Tipp aus dem Michelauer Rathaus: Der Komposthaufen hinter dem Haus ist ebenfalls kein Ort, um Essensreste zu entsorgen, denn auch hier lockt man Ratten an. Konsequent in den Restmüll geben. Wer Ratten bei der Arbeit sieht, darf sich gerne telefonisch melden.

Die Telefonnummer der Michelauer Gemeindeverwaltung lautet 09571/97070.

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