Lichtenfels
Bauausschuss

Punktsystem für neue Anlagen

Die Stadt Lichtenfels befürwortet die Photovoltaik zwar generell, will künftige Genehmigungen aber von einem Kriterienkatalog abhängig machen.
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2013 wurde die Freiflächenanlage in Seehof eingeweiht, ein Projekt, das nach dem neuen Bewertungssystem laut Stadtbaumeister Gerhard Pülz die volle Punktzahl bekäme.Andreas Welz
2013 wurde die Freiflächenanlage in Seehof eingeweiht, ein Projekt, das nach dem neuen Bewertungssystem laut Stadtbaumeister Gerhard Pülz die volle Punktzahl bekäme.Andreas Welz

Der Bauausschuss der Stadt Lichtenfels beschloss bei seiner Sitzung am Dienstag einheitliche Richtlinien für den Bau von Photovoltaikanlagen (PV-Anlagen). Danach wird ein Punktesystem eingeführt nach dem ein Bauantrag genehmigt oder abgelehnt wird. Stadtbaumeister Gerhard Pülz verwies auf mehrere Bauanträge, die nach diesem neuen System beurteilt werden. Dem Wunsch, energieautark zu werden, wolle man erfüllen, allerdings sollten Nachteile, die eine PV-Anlage mit sich bringe, nicht außer Acht gelassen werden.

Pülz nannte die Nutzung einer wertvollen landwirtschaftliche Fläche, die Beeinträchtigung des Landschaftsbildes, insbesondere der Naherholungsräume im Gottesgarten am Obermain. Berücksichtigt werden müsse auch die eventuelle Erweiterung von Wohnbauflächen. Volle Punktzahl würde demnach zum Beispiel der bestehende Freiflächen-Solarpark im Lichtenfelser Stadtteil Seehof erreichen.

An Bahnstrecken oder Autobahnen

Das 2,3 Hektar große Gelände an der Bahnlinie Lichtenfels-Coburg sei für eine Freiflächenanlage ideal geeignet, hatte Projektentwickler Oliver Partheymüller von IBC-Solar anlässlich der Einweihung der Anlage vor fünf Jahren gesagt. Die Fläche falle nach Südosten hin leicht ab und liege außerhalb wichtiger Blickachsen, so dass die optischen Auswirkungen auf das Landschaftsbild gering seien. Für den Stadtbaumeister sind heute daher geplante Anlagen an Bahnstrecken oder Autobahnen sinnvolle Standorte.

Johannes Oppel von der Wählervereinigung Leuchsental-Jura (WLJ) hatte Bedenken hinsichtlich von großen Freiflächenanlagen, wenn sie bestehende Jagdreviere betreffen: "Schon jetzt liegt die Größe bei manchen Revieren knapp an der Grenze", sagte er. Man müsse diese Jagden erhalten und nicht für Solarparks opfern. Bürgermeister Andreas Hügerich (SPD) hielt an einem Beschluss fest, sicherte aber zu, die Bitte Oppels in den Bewertungskatalog für Solarparks mit einzufügen. Frank Rubner (CSU) votierte für eine möglichst objektive Beurteilung. Der Bürgermeister wies darauf hin, dass die Entscheidung über die Genehmigung eines Bauantrags letztlich immer beim Bauausschuss und dem Stadtrat liege.

Eine rege Diskussion entstand durch den Bauantrag der R&G-Beteilgungsgesellschaft, die an ihrem Korbstadtcafé "Moritz", Markt 9, eine Pergola anbauen und Sonnschirme aufstellen möchte. Bürgermeister Hügerich befürwortete den Antrag mit den Worten: "Die Belebung der Innenstadt ist gut". Allerdings dürfe der öffentliche Raum für Passanten nicht behindert werden.

Hohe Investitionen

Die Informationen am Ende der öffentlichen Sitzung hatten es in sich. Mehrere kostenintensive Investitionen stünden kurzfristig an, gab Stadtbaumeister Pülz bekannt. Dazu gehörten Baumpflegearbeiten im Bergschlosspark und Baupflanzungen am neuen Radweg zwischen Isling und Burkheim. Nachdem die Gemeinde Michelau eine Beleuchtung des Fuß- und Radwegs zwischen Michelau und Schney bis zur Ortsgrenze beschlossen hatte, wolle die Stadt die Beleuchtung bis Schney weiterführen, so der Stadtbaumeister. Elke Werner (SPD) wies darauf hin, dass der Weg stark frequentiert werde.

Rund 500 000 Euro werde die Erneuerung des Blockheizkraftwerkes in der Kläranlage kosten, kündigte Pülz an. Die Anlage sei in die Jahre gekommen und müsse ausgetauscht werden. Bis zu 1,9 Millionen Euro koste die Erneuerung der Schlammtrocknung. Auch hier bestehe Handlungsbedarf, erläuterte der Stadtbaumeister. Er hatte zwei Proben des Klärschlamms mitgebracht, an denen die Bauausschussmitglieder vorsichtig schnupperten.

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