Hochstadt
Umwelt

Pumpe hilft gegen Fischsterben

In Hochstadt läuft an einem Baggersee ein Projekt, dessen erste Ergebnisse sehr vielversprechend wirken.
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Sie haben das Umwälzverfahren am Baggersee Hochstadt entwickelt und installiert (von links): Jugendleiter Frank Kellner, Vorsitzender Dieter Geyer, Kassierer Lothar Kuschel, Gewässerwart Michael Geyer. Fotos: Andreas Welz
Sie haben das Umwälzverfahren am Baggersee Hochstadt entwickelt und installiert (von links): Jugendleiter Frank Kellner, Vorsitzender Dieter Geyer, Kassierer Lothar Kuschel, Gewässerwart Michael Geyer. Fotos: Andreas Welz
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Seen und Flüsse, Feuchtwiesen und Wälder prägen das Landschaftsbild am Obermain. Die Natur ist noch intakt, Artenreichtum in Fauna und Flora bescheren den Menschen eine hohe Lebensqualität. Die Idylle ist aber in Gefahr: Die vielen Baggerseen in der Region altern und drohen zu verlanden,
wenn sie nicht in Verbindung mit dem Main oder anderen Fließgewässern in Verbindung stehen.. Eine Katastrophe kündigte sich bereits in den vergangenen Jahren mit dem Fischsterben in einigen Baggerseen an. Besonders massiv war das Fischsterben im Westsee bei Bad Staffelstein, ein alter Baggersee. Das ist kein Einzelfall.
Baggerseen stellen einen Sonderfall dar. Sie sind oft zumindest in den ersten Jahren ihrer Existenz nur gering bis mäßig mit Nährstoffen belastet, Ursache hierfür ist die fast ausschließliche Speisung mit sauerstoffarmem Grundwasser, welches vor Eintritt in den See die Bodenschichten durchfließt und dort keinen Luftsauerstoff aufnimmt. Diese geringen Sauerstoffmengen werden im Baggersee dann auch schon durch schwache Sauerstoffzehrung sowie chemische Reaktionen ganz verbraucht. Die Folge: Den Fischen fehlt der Sauerstoff und können nicht überleben.
Die Sportfischer am Hochstadter Baggersee haben den Kampf gegen das Fischsterben aufgenommen. Sie wehren sich gegen den naturbedingten tödlichen Kreislauf. Sie haben sich eine Umwälzpumpe angeschafft, die seit April 2017 im Dauereinsatz am Baggersee ist. Durch das Umwälzen des Wassers von sauerstoffarmen unteren Schichten am Seegrund zur sauerstoffreichen Oberfläche kann ein "Umkippen" des Baggersee vermieden werden, hoffen die Petrijünger.
Am vergangenen Wochenende führten sie die Anlage den Verantwortlichen des Landkreisamtes, des Wasserwirtschaftsamtes und der Gemeinde Ebensfeld vor. "Wir konnten einen weiteren Feuerwehreinsatz wie 2016 verhindern was auch
der Gemeinden große Kosten erspart", sagte der Vorsitzende des Vereins der Sportfischer Hochstadt-Marktzeuln, Dieter Geyer. Er erinnerte an die Großeinsätze von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk im vergangenen Jahr, die versuchten hätten die Seen mit Sauerstoff zu versorgen. In Ebensfeld sei dies gelungen, am Westsee sei die Rettung zu spät gekommen.
Ein weiterer positiver Nebeneffekt sei ein schon fast explosionsartiges Aufkommen an Jungfischen wie Hecht, Barsch, Zander und Weißfischen. Durch
das Bewegen des Wassers finde ein Austausch mit der Luft statt und es werde wieder mit Sauerstoff angereichert, so Geyer. Das lässt sich der der Verein allerhand kosten. "Allein die 11-kW-Pumpe verbraucht für knapp 400 Euro Strom im Monat", sagte Kassierer Lothar Kuschel. Rohrleitungen und Saugkorb, Temperaturfühler, ein eigens angelegter Ponton und eine mobile Schutzhütte seien angeschafft worden.
Gewässerwart Michael Geyer erläuterte ausführlich das System und lieferte genaue Messdaten über Wassertemperatur und Sauerstoffgehalt, die er seit März fast täglich notierte. Er hatte beobachtet, dass erstmalig seit langem im Sommerhalbjahr die Sichttiefe einen Meter betrug, oft waren es nur 30 bis 50 Zentimeter. "Durch den ständigen Nährstoffnachschub von unten ging den Algen das Futter nie aus. Die Nahrungskette wurde immer er in Gang gehalten", stellte er fest. Es hätte früher Phasen gegeben, wo man bis auf
den Grund schauen konnte. "Wir vermuten, dass in diesen Jahren viel Fischbrut durch das klare Wasser verhungert ist", sagte der Gewässerwart. Der Schlamm sei am Saugkorb bei Inbetriebnahme der Pumpe schwarz und stinkend gewesen, wurde aber dann immer heller und relativ geruchsneutral.


Noch einige Frage offen

Respekt zollte die Biologin des Wasserwirtschaftsamtes Kronach, Gabriele Trommer: "Hintergrund des Fischsterbens ist, dass durch die starke Vermehrung und das Absterben von Algen den Gewässern der Sauerstoff entzogen wird, den die Fische zum Leben brauchen". Auf viele Fragen des Gewässerwarts
musste sie passen. Zum Beispiel, ob über Jahre eine Verbesserung des Gewässergrundes eintrete, zum Beispiel durch Schlammabbau durch Mineralisierung. Die Ergebnisse der Wasserumwälzung müssten abgewartet werden, so die Biologin. Als Ursache des Fischsterbens gehe das Wasserwirtschaftsamt Kronach von
Sauerstoffmangel, verursacht durch die starke Algenblüte in den vergangenen Wochen aus. "Wegen der sommerlichen Temperaturen hatten sich die Algen
stark ausgebreitet, doch durch den Wetterumschwung am Wochenende begannen die Wasserpflanzen die Sauerstoffproduktion einzustellen und teilweise abzusterben, was den See umkippen ließ", erklärte Abteilungsleiter Matthias Trau.
Eine neue Idee der Sportfischer am Hochstadter Baggersee ist, einen Tiefenwasserabzug am Auslauf des Sees in den Main unterhalb des Wehrs zu installieren.
Dabei wird zwischen dem tiefsten Punkt am Grund des Sees und der Stelle des oberflächlichen Abflusses eine Röhre verlegt. Der natürliche Abfluss wird geschlossen, so dass nur das nährstoffreiche Tiefenwasser durch die Röhre abfließen kann. Das müsste allerdings vom Landratsamt genehmigt werden, warf Rainer Zimmer vom Umweltamt ein. B
ernd Lindner vom Amt für Sicherheit und Ordnung gab auch Fischereirechte zu bedenken. Da auch der Main mit einem hohen Nährstoffgehalt "belastet" sei, könnte sich das auf die Fischpopulation auswirken.
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