Lichtenfels
Architektenwettbewerb

Preisgericht wählt beste Idee für Kirchgasse aus

In Lichtenfels soll an der Ecke Kirchgasse/Mauergasse ein modernes Haus zum Wohnen im Alter entstehen.
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Besucherinnen beim Studieren des Siegerentwurfs für die neue Bebauung der Kirchgasse. Fotos: Popp
Besucherinnen beim Studieren des Siegerentwurfs für die neue Bebauung der Kirchgasse. Fotos: Popp
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An der Ecke Kirch-/Mauergasse ist nach Abriss mehrerer maroder Häuser eine Neubebauung mit Seniorenwohnungen vorgesehen. Hierzu hatte die Stadt mit Unterstützung aus dem Städtebauförderungsprogramm einen Wettbewerb ausgelobt. Das Preisgericht befasste sich intensiv mit den 14 Entwürfen und brauchte elf Stunden für seine Entscheidung. Der Entwurf des Erstplatzierten soll umgesetzt werden.

Einen langfristigen Mieter hat der Investor schon, denn auf dieser Zusammenarbeit baute das Projekt auf. Fabian Franke, Geschäftsführer und Inhaber der ProCura Vita GmbH, die unter dem früheren Namen Cura als ambulanter Pflegedienst in Lichtenfels vielen ein Begriff ist, wusste aus seiner Arbeit und nicht zuletzt aus einer Standortanalyse, dass der Bedarf für seniorengerechte Wohnungen in Lichtenfels hoch ist. Er und Hans-Georg Rießner hatten sich über gemeinsame Bekannte kennengelernt, "ein glücklicher Zufall", wie Rießner es nannte. Als das Areal Kirchgasse/Mauergasse zur Disposition stand - fünf seit Jahren ungenutzte, marode Häuser sollen dort abgerissen werden - keimte die Idee auf, an dieser Stelle etwas Neues und Nötiges zu schaffen. Die Dr.-Rießner-GmbH & Co. KG wird also investieren. Dass zuvor ein Architektenwettbewerb stattfinden sollte, gefiel dem Unternehmer anfangs nicht so sehr. "Ich hatte Vorbehalte", räumt er ein, "aber jetzt bin ich froh darüber."


Einfügen in die Altstadt

Denn in dem zehn Personen zählenden Preisgericht wurde intensiv um die beste Idee für das Quartier Kirchgasse gerungen. Der Leiter dieses Gremiums, Professor Hubert Kress, Stadtplaner und Architekt aus Erlangen, gab am Donnerstagabend einen lebhaften Einblick in die Entscheidungsfindung. "Es waren 14 unterschiedliche Ideen von Architekten, die sich Gedanken über den selben Ort machten." Der Entwurf von Matthias Massari des Nürnberger Büros "Raum 3" konnte sich schließlich durchsetzen. "Ein Gebäude, das sich einfügen will, ohne sich anzubiedern", wie es Kress beschrieb. Massari war bei der Bekanntgabe der Preisträger im Festsaal des Stadtschlosses persönlich anwesend und räumte ein, dass dies sein erster Besuch in Lichtenfels war. Ihm gelängen bessere Arbeiten ohne zu viele Einflüsse durch eine Begehung vor Ort, erklärte er. Das Ergebnis im Wettbewerb bestätigt in diesem Fall seine Überzeugung. Entstehen werden 20 Einzel- und vier Doppelappartments für Betreutes Wohnen sowie eine Wohngruppe für zehn Menschen mit Demenz, für die ein geschützter Innenhofgarten angelegt wird. "Sie können sich dort aufhalten und gehen nicht verloren", beschrieb es der Vorsitzende des Preisgerichts. Das Leben mitten in der Stadt beobachten zu können, Raum für Rückzug aber auch Austausch zu haben - diese weiteren Aspekte der Planung wurden hervorgehoben. Die zugehörige Sozialstation wird an der zum Bürgermeister-Dr.-Hauptmann-Ring gerichteten Seite platziert. In einem kleineren, separat stehenden Gebäude sind Arztpraxen und Büros vorgesehen. Der Clou daran: Es wird im Obergeschoss mit einer Brücke mit dem Seniorenwohnheim verbunden sein, die Menschen in der Mauergasse können aber dazwischen hindurch laufen. Das Stück historische Stadtmauer dort wird in die Fassade eingefügt.
Sabine Rießner vertrat bei der Ausstellungseröffnung den erkrankten Bürgermeister und konnte als Gattin des Investors daher nicht im Hintergrund bleiben. Wichtig war es ihr, herauszustellen, was in Lichtenfels in Bewegung gekommen ist: Es wird gebaut, und es gibt immer mehr private Investoren. Die Stadt sei auf dieses Engagement der Bürger angewiesen.
Sportlich ist der Zeitplan: Im ersten Halbjahr 2020 soll der Komplex bezugsfertig sein. So der Wunsch, den Hans-Georg Rießner formulierte, wohl wissend, dass dies von den Kapazitäten im Handwerk und auch den aus Denkmalschutzgründen zuvor erforderlichen Grabungsarbeiten abhängig sein wird. Zu den Kosten könne er sich bislang nur mit einer groben Schätzung äußern, sagte der Investor auf Nachfrage. Er rechnet demnach mit zwei bis drei Millionen Euro.


Die Preisträger

1. Preis (12 000 €) für das Büro "Raum 3 Architekten", Frese und Massari, Nürnberg

2. Preis (9000 €): Architekten Neuburger, Bohnert und Müller, Ingolstadt;

3. Preis (5000 €) Rösner/Waldmann, Erlangen

Anerkennung (je 2000 €) für die Büros KKLF Berlin/Nürnberg sowie Fritsch, Knoth, Klug und Partner, Nürnberg.


Ausstellung

Interessierte können sich die Pläne im Lichtenfelser Stadtschloss anschauen, am Samstag, 19.5., von 14 bis 16 Uhr, am 22. und 23. Mai von 16 bis 18 Uhr sowie am 24. von 18 bis 20 Uhr.

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