Lichtenfels
Walnuss

"Nussprügel": Die lange Tradition eines kleinen Dorfes in Oberfranken

Das 530 Seelendorf Uetzing ist größtenteils für ihre Tradition der Walnussbäume bekannt. Das ernten von Walnüssen ist jedoch eine anstrengende Aufgabe, die nicht für jedermann geeignet ist.
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Die Walnüsse werden auf Darren getrocknet. Bei schönem Wetter geschieht das im Freien. Foto: Josef Schröder
Die Walnüsse werden auf Darren getrocknet. Bei schönem Wetter geschieht das im Freien. Foto: Josef Schröder

Das Dorf Uetzing hat den bekanntesten Spitznamen im Landkreis Lichtenfels. Jeder weiß, dass die Bürger des Ortes an der Döberten bei Stadt Bad Staffelstein in Oberfranken, die "Nussprügel" genannt werden. Die Bezeichnung hat aber nichts mit dem Begriff prügeln zu tun, wie man vermuten könnte, da hier früher gern mal "zugelangt" wurde. Ein Nussprügel ist eine sehr lange Holzstange, mit der die Nüsse vom Baum geschlagen werden.

Land der Nüsse

Das Umfeld von Uetzing wird auch das Land der Nüsse genannt. Hier hat der Anbau von Walnussbäumen eine lange Tradition und wurde schon von den Mönchen von Klosterlangheim gefördert. Die Talhänge, mit den warmen und durchlässigen Böden so wie die milde Lage, brachte es mit sich, dass in der Flur von Uetzing besonders viele Nussbäume vorhanden. Im Lande der Nüsse war früher der Verkauf von Walnüssen eine wichtige Einnahmequelle für die Landwirte. Es hatte sich gelohnt, da die Preise bis zum Ende der 60er Jahre noch angemessen waren. Es gab Händler, die die Nüsse gern abnahmen, weiß ein Landwirt aus Uetzing zu berichten. "Mein Vater hat noch im Durchschnitt 50 Zentner Nüsse in jedem Jahr verkauft. Schade war, dass die meisten Bäume im Krieg gefällt werden mussten. Das Holz wurde für Gewehrkolben verarbeitet. Es kam eine Kommission, die genaue Angaben machte, wie viel Bäume von jedem Anwesen gefällt werden mussten. Auch die Wurzelstöcke wurden mit ausgegraben. Sie sind besonders wertvoll, da sie eine sehr schön Maserung haben und deshalb als Furnierholz heiß begehrt sind. Alleine von meinem Grundstück sind über 30 Bäume dadurch verschwunden. In letzten Jahren habe ich aber wieder 20 neue Bäume gepflanzt, die ich selber heran zog."

Neue Bäume werden gepflanzt

Zur Vermehrung sind nur die größten Früchte herausgesucht worden. Wenn ein Baum aber nicht die erwartete Qualität brachte, sei einfach ein anderer dafür gepflanzt worden. Durch diese Selektion habe sich die Qualität der Bäume und Früchte im Laufe der Zeit immer mehr verbessert. Dies hätten seine Vorfahren schon so gemacht und sollte weiter fortgeführt werden. Unsere Walnussbäume haben wir früher immer gehegt und gepflegt. Fast jeder Landwirt habe seine Bäume im Garten selber heran gezogen, betont der Landwirt.

Gefahr für Walnüsse

Ernten und schälen der Nüsse

"Beim Herunterschlagen der Nüsse mit der langen Stange wurde nicht einfach auf den Baum eingeschlagen. Um die jungen Triebe zu schonen, wurde der "Nussprügel" seitlich hin und her bewegt. Mein Vater hat uns Kinder immer geschimpft, wenn wir zu fest auf den Baum einschlugen. Wir mussten als Kinder sogar in die Bäume klettern und von oben nach unten die Nüsse mit einem Stock vorsichtig abschlagen. Dann müssen die Nüsse sofort aufgelesen werden, damit sie nicht dunkel werden. Nur helle Früchte lassen sich verkaufen. Eine ganz mühsame Arbeit ist das Ausbrandeln der Nüsse. Dies bedeutet, dass die Nüsse aus der grünen Umhüllung mit den Fingern herausgebrochen werden, damit sie besonders hell bleiben. Wir hatten von dieser Arbeit im Herbst immer schwarze Hände. Auch durch Gummihandschuhe geht die Farbe der grünen Umhüllung durch. Wir haben uns schon geschämt, wenn wir in die Stadt gegangen sind. Wenn dann unsere schwarzen Hände betrachtet wurden, war es allen klar, dass diese zu den "Uetzinger Nussprügel" gehören. Sie waren somit, so etwas wie unser Markenzeichen. Es hat einige Wochen gedauert, bis Hände wieder einigermaßen sauber wurden", erzählt der Landwirt. Die Grünen Schalen seien früher zum Färben genommen worden. Besonders Wolle habe man damit gebräunt. Die Schalen seien zuerst aufgekocht worden und nach dem Abkühlen Wolle oder Kleider in das Fass zum Braun färben gegeben worden.

Trocknen der Nüsse

Der Landwirt betont, dass auch das Trocknen der Nüsse mit viel Arbeit verbunden ist. "Drei bis viermal am Tag müssen sie gewendet werden. Dabei darf die Lage nicht zu hoch sein. Bei schönem Wetter trocknen sie draußen an der Luft und bei schlechtem Wetter müssen sie ins Haus geholt werden. Ansonsten werden sie zu dunkel. Wir stellen unsere Trockendarren unter unser Vordach auf. Wir verkaufen unsere Nüsse nicht an Händler, sondern an Stammkunden, die bis von Bayreuth kommen". Leider sind die Nussbäume sehr frostempfindlich. Sie erholen sich erst langsam wieder nach einem kalten Winter. "Wir Uetzinger sind stolz darauf, im Lande der Nüsse zu wohnen. Der Name "Nussprügel" wurde daher nie von uns als Schimpfwort angesehen. Wir verleihen sogar Nussprügelorden im Fasching. Dabei wird eine Kette mit Nüssen an einem Goldband um den Hals der zu ehrenden Person gelegt. Der Orden ist eine besondere Auszeichnung, so der Uetzinger Landwirt

Das Bild zeigt das Herunterschlagen der Walnüsse mit einem Nussprügel

Die Walnüsse werden auf Darren getrocknet. Bei schönem Wetter geschieht das im Freien.



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