Bad Staffelstein
Bürgerversammlung

"Notfalls mal auf Schotter fahren"

Bis die Staffelsteiner Bahnhofstraße "Aufenthaltsfunktion" hat, gibt es auch ein paar Unannehmlichkeiten.
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Erste Infos zur überarbeiteten Planung mit Längs - und Schrägparken hingen im Fojer aus. Foto: Monika Schütz
Erste Infos zur überarbeiteten Planung mit Längs - und Schrägparken hingen im Fojer aus. Foto: Monika Schütz

"Es wird individuelle Lösungen geben - wir schließen kein Geschäft aus", versicherte Bürgermeister Jürgen Kohmann (CSU). Genau das wollten nämlich einige der rund 50 Anwesenden wissen, Anlieger und Geschäftsleute gleichermaßen. Sie hatten sich am Montagabend im Stadtmuseum zur Bürgerversammlung eingefunden. Im Mittelpunkt: die beiden Bauabschnitte IV und V.

Über den aktuellen Bestand der Bahnhofstraße, die Ideen, die Variante mit Längs- oder Schrägparkern und Vorschläge zur Gestaltung der Plätze - übersichtlich im Foyer präsentiert vom Planungsbüro Hochreiter - konnten sich die Bürger bereits vor Beginn der eineinhalbstündigen Veranstaltung ein Bild machen. Zeitgleich mit dem 19-Uhr-Läuten begrüßte ein gut gelaunter Bürgermeister die Gäste, neugierig, was sie zu sagen und zu fragen hatten.

"Wird die Barrierefreiheit gewährt oder sind die Übergänge vom Asphalt zum geplanten Granit-Natursteinbelag auch für Schlecht-  oder Nicht-Sehende gut erkennbar?", wollte ein Optiker wissen, der in der Nähe des neu zu gestaltenden "Platz an der Lauter" sein Geschäft hat. Er stellte auch die Frage, wie und ob ein durchgängiges Leitsystem (taktischer Leitstreifen) geplant sei. Barrierefreiheit wird gewährt, so Hochreiter - und das andere Thema wird der Bürgermeister dem Behindertenbeauftragten zur Prüfung geben.

"Wo bleiben die Fahrräder? Wird es eine abgetrennte Fahrradspur geben?", interessierte einen anderen Zuhörer. Die aktuelle Straßenbreite verringert sich nämlich durch die Umgestaltung auf 5.50 Meter, aktuell sind es etwa 7.50 Meter. Ein weiterer Teilnehmer warf gar ein: "Macht das überhaupt Sinn? Der Abstand zum Überholen eines Radfahrers ist mit 1,50 Metern gesetzlich vorgeschrieben. Fragen Sie den Verkehrsminister!" Leichtes Raunen im Publikum.

Rücksichtnahme erforderlich

Die Antwort von Jürgen Kohmann fand zustimmendes Nicken fast aller Gäste: Es ist Rücksichtnahme von allen erforderlich. Hochreiter antwortete: "Die Straße soll Funktionen für alle Verkehrsteilnehmer erfüllen, es wird schwierig, es jedem recht zu machen." Er wünschte sich dazu "ein bisschen mehr Herz und Rücksicht". Natürlich sei das eine neue Situation.

Ein weiterer Zuhörer wünschte sich mehr Abstellmöglichkeiten für Räder und E-Bikes. Mit "Nein" antwortete Kohmann auf die Frage einer Teilnehmerin, ob sich dann auch die jetzige Parkdauer für Pkw verkürzen werde.

Wird die ziemlich lange Badumstraße während der Bau-phase (Anmerkung: aktuell Einbahnstraße) für beide Richtungen geöffnet, wollte ein Geschäftsmann wissen, der jetzt vom Bauabschnitt IV betroffen ist. "Die Geschäfte werden erreichbar sein, auch wenn jemand mal auf Schotter fahren muss", antwortete Hochreiter.

Insgesamt unzufrieden mit der Neugestaltung war ein Zuhörer, der hierbei überhaupt "keine nachhaltige Verbesserung" sieht. Er wünscht sich eine Einbahnstraßenregelung. Das sei erstens nicht der Plan, so Rainer Hochreiter, und zweitens würden in Bad Staffelstein dann völlig neue Verkehrssituationen entstehen, auch in den abgehenden Seitenstraßen. Dazu wäre noch ungeklärt, in welche Richtung so eine Einbahnstraße führen sollte. Eine Dame fragte nach der erlaubten Höchstgeschwindigkeit: Ist eine Begrenzung schon fix? "Es ist eine Überlegung, eine Idee", so Jürgen Kohmann, fix sei noch nichts.

"Die Regierung und der Stadtrat haben die Variante ,Längsparken‘ empfohlen", leitete der Bürgermeister zum nächsten Punkt über. Das "schräge" Parken würde gerade mal einen einzigen Parkplatz mehr bringen, allerdings blieben die Eleganz und vor allem die Optik deutlich auf der Strecke. Zudem könnten keine Bäume den Straßenverlauf auflockern: "Wir würden einfach nur eine Parkfläche schaffen", gab er zu denken. Auch das Erreichen der Parkplätze wäre beim Schräg-Parken deutlich umständlicher. "Allerdings fallen, egal in welcher Variante geparkt wird, rund 20 Parkplätze weg": Nur noch 41 (beim Schrägparken 42) öffentliche Parkplätze stehen nach der Umgestaltung zur Verfügung.

Straße mit Aufenthaltsfunktion

Die Länge des IV. und V. Bauabschnittes beläuft sich auf rund 430 Meter. Entlang dieses Bereiches sind viele Geschäfte und Gastwirtschaften angesiedelt, Wohnanwesen haben ihre Zufahrten und Grundstücke. Die Bahnhofstraße soll als innerstädtische Straße mit Aufenthaltsfunktion umgestaltet und einer Bad- und Kurstadt gerecht aufgewertet werden. Der Fußgänger soll sich durch Grün mit kleinen Inseln zum Verweilen wohlfühlen. Das Thema Licht und Beleuchtung wird Beachtung finden. Neben der Gestaltung von Grünzonen und versiegelten Flächen werden Sanierung und Erneuerung der bestehenden Leitungstrassen (Abwasserkanal, Wasser- und Gasleitungen sowie Speedpipe) Bestandteil der Umgestaltung.

Baubeginn von Abschnitt IV wird im Frühjahr sein, der von Abschnitt V im Frühjahr 2021. "Ja, Leerrohre sind vorgesehen, damit wir nicht immer alles wieder aufmachen müssen", beantwortete Bürgermeister Kohmann eine weitere Frage. Und: "Der Park bleibt der Hain" - eine Zuhörerin hatte nämlich verwundert den Begriff "Walk in the Park" gelesen. Das sei nur der Arbeitstitel, schmunzelte Planer Hochreiter. Bejaht wurde auch die Frage eines Geschäftsmannes, ob während oder vor der Bauphase Schilder darüber informieren würden, dass die Geschäfte trotz der umfangreichen Baumaßnahmen weiterhin erreichbar seien.

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