Bad Staffelstein
Fest

Nicht nur historischer Blick zurück

Bezirksheimatpfleger Günter Dippold nutzte seinen ersten Auftritt beim Altstadtfest-Sonntag, um ein Plädoyer für den Umgang mit dem Stadtbild zu halten.
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Begrüßung vor dem Rathaus: Mitglieder des Stadtrates und Gäste aus umliegenden Gemeinden eröffneten den Altstadtfest-Sonntag. Fotos: Tobias Kindermann
Begrüßung vor dem Rathaus: Mitglieder des Stadtrates und Gäste aus umliegenden Gemeinden eröffneten den Altstadtfest-Sonntag. Fotos: Tobias Kindermann
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Der Einzug der historisch gekleideten Teilnehmer am Altstadtfest ist einer der Höhepunkte bei dem dreitägigen mittelalterlichen Spektakel. Die Gruppen, angeführt vom Fanfaren- und Spielmannszug Hofheim/Unterfranken, setzten sich beim Stadtturm in Bewegung, um die Bamberger Straße hinauf zum Marktplatz zu laufen.

Dort begrüßte Bürgermeister Jürgen Kohmann die Gäste - und sagte auch, wer in diesem Jahr dort für Unterhaltung sorgen würde, auf eine ganz andere Art und Weise, als das bislang geschah. Denn seit 1992 hatte Mathematik-Professor Ulrich Reich aus Bretten bei Karlsruhe den Rechenmeister Adam Rise gespielt und das Publikum mit Rechenspielen unterhalten. Doch im vergangenen Jahr gab es den letzten Auftritt des Geschichtsexperten des Rechnens. Man solle aufhören, wenn es am schönsten ist, meinte der damals 74-Jährige.

Es war an Bezirksheimatpfleger Günter Dippold, dort neue Akzente zu setzen. Und die besaßen, auch wenn er den konkrete Bezug nur eher andeutete, eine aktuelle Dimension. Dippold wollte in Erinnerung rufen, welches bunte Leben einst im Stadtkern herrschte und was man daraus für heute übernehmen könne. Staffelsteins Rathaus, so führte er in seiner kurzen Rede aus, war einst nicht nur ein Verwaltungsgebäude, sondern diente auch als Verkaufshalle für Handwerker, die ihre Waren anboten. Derer besaß die Stadt im Mittelalter einst viele. 1499 etwa gab es bei etwa 1000 Einwohnern zwölf Metzger und sieben Bäcker, deren Handwerk hoch angesehen war. Wer etwas Besseres suchte als auf dem Dorf, etwa Feingebäck statt Roggenbrot, musste sich auf den Weg in die Stadt machen, Tuchweber aus Staffelstein exportierten ihre Ware bis in die Schweiz. Doch Handwerk war zwar angesehen, reichte aber nicht zum Leben, weshalb Vieh gehalten und kleine Felder bewirtschaftet wurden, erst im 19. Jahrhundert sollte sich dies ändern.

"Die Stadt hatte eine Zentralfunktion", betonte Dippold. Rings ums Rathaus zeugten die prachtvollen Fachwerkhäuser auch von dem Wohlstand, der durch das Handwerk in die Stadt gekommen war. "Das ist etwas, zu dem wir wieder hinkommen müssen. Wir brauchen eine Umkehr gegenüber der Entwicklung der letzten Jahrzehnte." Lagerhallen etwa könnten Besucher auch zu Hause sehen. Es gelte, die Landschaft zu erhalten, spielte er auch auf die Diskussion eines geplanten Logistikzentrums in Grundfeld an. Er wählte einen Vergleich: "Wenn wir nur nach außen wachsen, haben wir einen amerikanischen Donut: außen Zuckerguß und innen ein Loch. Wir brauchen den fränkischen Krapfen, außen fluffig und in der Mitte mit Hiffenmark gefüllt."

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