LKR Lichtenfels
Flechthandwerk

Neuer Bundesinnungsmeister

Ronald Helbing aus Thüringen folgt auf den Baden-Württemberger Siegfried Katz.
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Ronald Helbing ist der neue Bundesinnungsmeister des Flechthandwerks Foto: Tino Sieland
Ronald Helbing ist der neue Bundesinnungsmeister des Flechthandwerks Foto: Tino Sieland

Siegfried Katz ist nicht mehr Bundesinnungsmeister. Nach fast 16 Jahren als oberster Repräsentant des deutschen Flechthandwerks hatte sich der 64-jährige Baden-Württemberger für eine Wiederwahl nicht mehr zur Verfügung gestellt. Mit einer deutlichen Mehrheit wurde Ronald Helbing an die Spitze des Verbandes gewählt. Der 47-jährige Thüringer arbeitete seit drei Jahren im Vorstand mit. Im Gegensatz zur seinen Vorgängern ist er kein selbstständiger Unternehmer, sondern Angestellter bei dem Inklusionsunternehmen manufact gGmbH in Mühlhausen. Dort leitet er das fünfköpfige Team der Abteilung für Flechtwerkgestaltung. Hergestellt werden klassische Korbwaren, aber auch Spielgeräte oder Sichtschutzelemente.

Seine Ausbildung absolvierte Helbing gleich doppelt: einmal noch zu DDR-Zeiten als duale Ausbildung in einem Betrieb. Schon ein Jahr danach, von 1991 bis 1994, besuchte er die Staatliche Berufsfachschule für Flechtwerkgestaltung in Lichtenfels. "Ich habe meinen Gesellenbrief quasi zweimal gemacht", sagt der Thüringer. Diese Entscheidung habe er aus freien Stücken getroffen, und die weitere Qualifizierung betrachtet er noch heute als "total wertvoll". Der Erhalt der Ausbildung ist auch ein Thema, für das sich der neue Bundesinnungsmeister einsetzen möchte.

Den Innungsmitgliedern, die bei der Versammlung nicht zugegen sein konnten, und Freunden des Flechthandwerks stellte sich Ronald Helbing in einem Rundbrief vor. Darin bot er offene Gespräch an und beschwor die Zusammenarbeit: "Lasst uns gemeinsam für unser schönes Handwerk klappern!"

Gemeinschaftsgeist wird auch gefragt sein, wenn es um die geplante Fusionierung aller Landesinnungen geht, über denen bislang der Bundesinnungsverband stand. Eine Zusammenführung erscheint aber gerade vor dem Hintergrund sinnvoll, als die Bundesinnung keine hundert Mitglieder mehr hat. Gelockert hatten sich die Statuten bereits in den Vorjahren. Der Verein "Flechtwerk" war vor mehr als 20 Jahren als Organisationsform für die Autodidakten unter den Flechtern beziehungsweise Nichtprofessionellen gegründet worden und kam so zu mehr Mitgliedern als die Bundesinnung. Inzwischen sind viele Handwerker hier wie da dabei.

Monika Engelhardt, die seit 2015 als Stellvertreterin des Bundesinnungsmeisters fungiert, bleibt auch weiterhin mit dieser Aufgabe betraut. Sie sieht mit der Neuwahl einen Generationswechsel eingeläutet. Man wolle auch den jüngeren Handwerkern deutlich machen, was die Innung leisten kann. Sie zu begeistern und einzubinden ist auch das Ziel des neuen Bundesinnungsmeisters.

Siegfried Katz hat der Innung übrigens nicht den Rücken gekehrt. Er gehört dem Vorstandsteam weiterhin an, will sich aber nun zurücknehmen, die neue Führung mal machen lassen.

Wenn es um die Zusammenarbeit mit der Deutschen Korbstadt Lichtenfels im Hinblick auf die Organisation des Korbmarktes ging, hatte sich Katz in der Vergangenheit auch als Mann mit Ecken und Kanten gezeigt. Seinem Handwerk die gebührende Beachtung zu verschaffen, war ihm dabei stets wichtig. "Ich bleibe meinen Prinzipien treu", sagt er jetzt. Im eigenen Familienbetrieb in Nagold ist er auch mit bald 65 ein Aktivposten, der sich darauf freut, nicht mehr so sehr dem kommerziellen Druck ausgesetzt zu sein, sondern sich mehr dem kreativen Part widmen zu können. "Das hält einen fit."

Auf dem 40. Korbmarkt im kommenden September in Lichtenfels möchte sich die Bundesinnung mit einem eigenen Stand präsentieren und dabei auch das Erreichte in Erinnerung rufen: Das deutsche Flechthandwerk hat Anerkennung als Immaterielles Kulturerbe durch die Unesco gefunden. Hinter diesem Prozess steckte viel Arbeit. Siegfried Katz hatte den Titel aber immer auch als Chance propagiert, die Qualität der Produkte bewusster zu machen. "Man muss dieses Thema lebendig halten", so seine Überzeugung.

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