Redwitz
Stromtrasse

Neue Stromtrasse: Bundesminister Peter Altmaier besucht Redwitz

Die neu geplante Stromtrasse "P 44 mod" sorgt weiter für Unruhe in Redwitz. Deshalb kam der Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier persönlich vorbei.
Artikel drucken Artikel einbetten
Bundesminister Peter Altmaier (links) zu Besuch in Redwitz. Er hört sich die Probleme der neuen geplanten Stromtrassen vor Ort an. Emmi Zeulner (rechts) trägt ihm die Sorgen der Bürger vor. Barbara Herbst
Bundesminister Peter Altmaier (links) zu Besuch in Redwitz. Er hört sich die Probleme der neuen geplanten Stromtrassen vor Ort an. Emmi Zeulner (rechts) trägt ihm die Sorgen der Bürger vor. Barbara Herbst
+16 Bilder

Peter Altmaier (CDU) tourt durch Bayern. Er will sich als Wirtschafts- und Energieminister ein Bild vor Ort machen. Und zwar an den Orten, die von einem neuem Stromtrassenbau betroffen sein werden. Sein Weg führte über Coburg nach Redwitz. Sein Bus fuhr an rund 70 Demonstranten und deren "hopp, hopp, hopp - Monstertrassen stopp" vorbei.

Mit einer Armada an Pressevertretern, seinen Mitarbeitern und einigen Sicherheitsleuten betrat Altmaier den Redwitzer Boden. Dort stellte er sich kurz den Demonstranten des Bund Naturschutz und der verschiedenen Aktionsbündnisse - denn für sie war im Redwitzer Feuerwehrhaus kein Platz mehr.

Das war nämlich so voll "wie zuletzt 1992, als es eröffnet wurde", scherzte der Redwitzer Bürgermeister, Christian Mrosek (CSU). Als er aber von den unzähligen Stromtrassen um Redwitz erzählte, wurde er schnell ernst. Wegen des großen Umspannwerkes "ist es uns bewusst, dass die Stromtrassen aus allen Himmelsrichtungen kommen", erläutert er.

Doch bei der Stromtrasse "P 44 mod" sei er fassungslos. Denn diese Variante einer Stromtrasse bedeute, dass noch eine Leitung erbaut wird, ohne eine alte Leitung abzuschaffen. Was erschwerend hinzukommt: "Ich habe mir von der Stromvertreiberfirma Tennet bestätigen lassen, dass die 'P 44 mod' nicht ins Umspannwerk führt."

Der Strom, der über diese Leitung fließt, komme also nicht in Redwitz an. Aufgrund der ohnehin hohen Stromtrassenbelastung "hat eine reine Transportleitung in Redwitz nichts zu suchen", fordert Mrosek. Solche Forderungen hört Bundesminister Altmaier in jeder Gemeinde: "Keiner will eine Stromtrasse haben", resümiert er.

Bundesminister Altmaier erklärt, dass es in der heutigen Zeit deutlich mehr Transportleitungen benötige. "Früher wurde die Energie dort erzeugt, wo sie auch genutzt wurde", sagt Altmaier. Doch wegen des Ausstiegs aus der Atom- und Kohleenergie werde der Strom aktuell hauptsächlich im Norden gewonnen - Stichwort Windkraft. Und dieser Strom müsse eben nach Süddeutschland transportiert werden.

Die Lösung liege laut den Forderungen einiger Aktionsbündnisse darin, den Strom regional zu erzeugen. "Sie haben mich auf ihrer Seite, wenn sie den Strom selbst erzeugen wollen", erklärt Altmaier den Redwitzern. Doch auch hier stößt er auf Widerstand: "In Bayern wollen sie aber die Windräder auch nicht."

Denn diese würden aktuell in anderen Bundesländern errichtet. Und auch dort fühlen sich die Einwohner benachteiligt, weiß Altmaier.

Um das Aussehen der hohen Gitter-Stromtrassen geht es dem Redwitzer Gemeinderatsmitglied, Christian Zorn. "Es gibt auch moderne Masten", erklärt Altmaier. Solche Betonmasten seien in Italien weit verbreitet, doch haben in Deutschland keine Tradition. Er bezweifelt auch, ob diese denn besser aussehen. Nicht, dass sich danach beschwert werde, dass "die ja noch schlimmer aussehen".

Dabei bleibt die Frage im Raum stehen, ob eine "P 44 mod" denn überhaupt sinnvoll sei, wie Emmi Zeulner (CSU) sich fragt. Denn sie habe nichts gegen eine neue Stromtrasse, "wenn ich das auch erklären kann. Aber diese Variante kann ich nicht erklären."

Die geplante "P 44 mod" sei teurer, länger und netztechnisch uneffizienter, sagt Zeulner. Und genau das widerspreche dem eigentlichem Zweck einer neuen Stromtrasse: Geld sparen. Doch diese "P 44 mod" sei eine der teuersten Varianten einer Stromtrasse.

Sie beziffert die Schätzkosten auf 240 Millionen Euro. Im Gegensatz würde die "P 44" 150 Millionen kosten. Diesen Widerspruch kann Zeulner nicht verstehen und ihren Wählern nicht erklären: "Das kann man auch keinem Steuerzahler vermitteln." Auch sie fordert deshalb eine Prüfung, ob die Notwendigkeit einer neuen Stromtrasse überhaupt bestehe.

Bundesminister Altmaier entgegnet Zeulner, dass gerade die "P 44" das Ergebnis der Koalitionsverhandlung von 2015 sei. "Das war der Wunsch der Bayern", erinnert sich der Minister. Deshalb sei gerade diese Stromtrasse ein schwieriges Thema. Er gibt auch zu verstehen, dass "nicht alle Wünsche erfüllt werden können". Er hofft jedoch "dass wir ein paar erfüllen können".

Konkrete Pläne oder Änderungen konnte Altmaier nicht nennen. Bei seinem Besuch ging es hauptsächlich darum, die Anliegen der Anwohner und der lokalen Politiker aufzunehmen.

Neben Redwitz waren Vertreter und Anwohner aus Neuensorg (Landkreis Kulmbach) und Schwandorf (Oberpfalz) vor Ort. Diese Orte klagen über eine "Einkastelung durch die Stromtrasse 'Südostlink' ", erklärt Emmi Zeulner.

Zeulner schlägt eine Erdverkabelung vor, die allerdings nicht im Bundesbedarfsplan für diese Gemeinden vorgesehen ist. Altmaier erklärt, dass keine Erdverkabelung geplant wurde, liegt daran, "dass sich die bayerische Landesregierung damals nicht dafür beworben hatte", erläutert Altmaier.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren