Redwitz

Nach Schließung von Lapp in Redwitz: Wo kommen Mitarbeiter unter?

Das Werk der Firma Lapp Insulators wird 2018 geschlossen. Wie der Sozialplan für die betroffenen Mitarbeiter aussehen soll, muss noch geklärt werden.
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Bei Bürgermeister Christian Mrosek und Lapp-Betriebsratsvorsitzendem Thomas Wagner besteht die Hoffnung, dass zumindest einige von der Betriebsverlagerung bedrohte Lapp-Facharbeiter bei der benachbarten Firma Johnson Matthey unterkommen. Foto: Matthias Einwag
Bei Bürgermeister Christian Mrosek und Lapp-Betriebsratsvorsitzendem Thomas Wagner besteht die Hoffnung, dass zumindest einige von der Betriebsverlagerung bedrohte Lapp-Facharbeiter bei der benachbarten Firma Johnson Matthey unterkommen. Foto: Matthias Einwag
Matthias Einwag"Wir wissen noch nichts", sagt Betriebsratsvorsitzender Thomas Wagner. Zwar habe es kürzlich eine Infoveranstaltung für die Mitarbeiter zur Schließung des Werks von Lapp Insulators in Redwitz gegeben, doch dabei habe der Arbeitgeber nur den Ablauf erläutert. Rund 140 Arbeitsplätze sind in Redwitz nach Wagners Angaben von der Betriebsverlagerung nach Wunsiedel und Tschechien betroffen, darunter sind die Stellen von 137 Facharbeitern.

Was den Sozialplan anbelangt, sei noch nichts geklärt. "Wir sind im Gespräch mit dem Arbeitgeber und werden in die Verhandlungen gehen", sagt Wagner. Dafür sei eine Kommission gegründet worden, die aus Betriebsräten, Juristen und Wirtschaftsprüfern bestehe. "Die Kollegen des Gesamtbetriebsrates unterstützen uns", fügt er hinzu, "und wir haben ein Signal von der Belegschaft bekommen, dass sie hinter dem Betriebsrat steht". Überraschend kam das Aus für das Werk Redwitz nicht. "Wir sind im zweiten Jahr der Kurzarbeit", erklärt Thomas Wagner, "doch wir waren immer in der Hoffnung, da kommt wieder was". Der Belegschaft sei vom Arbeitgeber immer wieder versprochen worden, dass es weitergehen werde.

"Der Sozialstatus Nummer 1 ist der gesicherte Arbeitsplatz", antwortet der Betriebsratsvorsitzende auf die Frage nach der Stimmung in der Belegschaft - und dieser Status drohe nun von heute auf morgen dahinzugehen. Im Werk Redwitz, das früher einmal zum Siemenskonzern gehörte, seien sehr viele Mitarbeiter, die seit Jahrzehnten hier arbeiten. Sie identifizierten sich mit ihrem Arbeitgeber und würden nun enttäuscht.


Schwierige Verhandlungen

Bei einem Altersdurchschnitt der Belegschaft von 51 Jahren dürfte es schwierig werden, die Arbeitnehmer unterzubringen. Und auch die Verlagerung der Arbeitsplätze nach Wunsiedel ist mit persönlichen Nachteilen für die Einzelnen verbunden. "Man muss ja das alles erst einmal hinnehmen", sagt Wagner.

Der vom Arbeitgeber angedachte Ablauf der Werksschließung sehe wohl vor, bis 30. Juni 2018 die Porzellanfertigung in Redwitz laufen zu lassen. Drei Monate später werde das Werk dann geschlossen. In der Zeit bis dahin gelte es, den Sozialplan zu erstellen. Eine Hoffnung sei, dass die Firma Johnson-Matthey einige Fachkräfte übernimmt. Dieser Katalysatorenhersteller hat seine Niederlassung unmittelbar neben Lapp Insulators.
"Das ist eine traurige Sache", kommentiert der Redwitzer Bürgermeister Thomas Mrosek (CSU) die Schließung des Werks. Die Gemeinde werde dadurch sehr getroffen, denn ein Großteil der Mitarbeiter wohne in Redwitz und Umgebung. "Wir wissen, dass seit einiger Zeit kurzgearbeitet wurde, mehr aber nicht. Dass so plötzlich zugemacht wird, war neu für uns. Es ist für uns ein Schlag.". Ein wenig Hoffnung hegt er jedoch, dass Mitarbeiter von Lapp bei Johnson Matthey unterkommen könnten.

Auch Landrat Christian Meißner (CSU) bedauert die Schließung des Lapp-Werks in Redwitz, von der er aus der Zeitung erfahren habe. "Ich habe unseren Abgeordneten Jürgen Baumgärtner bereits beauftragt, mit dem bayerischen Wirtschaftsministerium in Kontakt zu treten und zu unterstützen. Zudem werde ich mit dem Betriebsrat sprechen, um Lösungen für die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden", erklärte er. Gerne werde er ein gemeinsames Treffen mit Arbeitsagentur, Personalvertretung sowie Vertretern der Bundes- und Landespolitik initiieren, um eine gute Lösung auf dem Weg zu bringen, bietet der Landrat an.

Wie auch immer die Verhandlungen ausgehen werden, Thomas Wagner kommentiert die Werksschließung in Redwitz so: "Die Porzellanfabrik in Redwitz war einst die Hochburg, da war Leben drin."

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