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Pferdsfeld

Nach diesem Wagen war Schluss

Michel E. Emes kam mit einem seltenen Goliath Hansa 1100 zum Oldtimertreffen nach Pferdsfeld und erinnert damit an das Ende des Borgward-Werkes in Bremen.
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Micheal E. Emes zeigt seinen Goliath Hansa 1100, ein seltener Wagen aus den Borgward-Werken in Bremen. Fotos: Monika Schütz
Micheal E. Emes zeigt seinen Goliath Hansa 1100, ein seltener Wagen aus den Borgward-Werken in Bremen. Fotos: Monika Schütz
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"WOLKE - danach schau ich zuerst, bevor ich starte", sagt Michael E. Emes. Wolke? Das ist die Abkürzung für Wasser, Öl, Licht, Kraftstoff, Elektrik, erklärt er. Der Unterfranke ist mit einem Goliath Hansa 1100 zum Treffen gekommen. Nil-grün, 40 PS, durchgehende Sitzbänke vorne und hinten. Was den Wagen so besonders macht, ist seine Geschichte: "Der gehörte einer Postoberinspektor-Witwe aus dem Sauerland, die ist damit öfter zum TÜV gefahren als zum Tanken", erzählt Emes grinsend.

Ganz wenig bewegt also, in Top-Zustand und: der allerletzte Wagen, der 1961 vom Band der Borgward-Werke in Bremen lief, bevor das Unternehmen Konkurs anmeldete. In seinem Besitz ist er samt vollständigen Unterlagen und Papieren seit sieben Jahren, eher glücklicher Zufallskauf. Denn eigentlich wollte Emes einen DKW. Doch den hatte der Enkel besagter Witwe kurz zuvor verkauft, übrig blieb der Hansa 1100. Emes schlug zu, erwarb das Fahrzeug. Helfen tut ihm ein Kollege, ein älterer Automechaniker, der noch schrauben kann.

Dann lacht er: "Die Leute denken oft, mein Auto kommt aus dem Osten, ist ein Wartburg oder so. Die wenigsten kennen das einstige Prestigeobjekt noch. 22 fahrbereite Hansa 1100 gibt es noch", so Michael Emes. Versichert wird das Auto übrigens entsprechend einem Wertgutachten. Lustige Bemerkung am Rande: Michael Emes und sein Hansa Goliath sind fast auf den Tag genau gleich alt.

Stefan Krauß ist mit einem ganz besonderen Gefährt zum Oldtimertreffen gekommen. Das Wort Auto kommt einem dabei schwer über die Lippen, eher Gefährt oder Automobil? Es ist ein Nachbau des allerersten Benz Patent Motorwagen von 1886. Das zweisitzige Gefährt wiegt 265 Kilogramm, hat einen Einzylinder-Viertakt-Motor und 0,75 PS. Die Kraftübertragung erfolgt über einen Flachriemen und Ketten, das Fahrwerk selbst hat Vollgummireifen und einen Stahlrohr-Rahmen. Zehn Liter Super verbraucht der Kemnather Stefan Krauß, plus 50 Liter Kühlwasser auf 100 Kilometer, wenn er mit seinem Schnellläufer unterwegs ist. Dabei schafft der Nachbau wie das Original  circa 16 Stundenkilometer. Zum 100. Jubiläum des allerersten  Automobils der Welt nachgebaut, ist das Replik mit 33 Jahren Alter nun selbst schon Oldtimer. Dieses hier stand zuvor in einem Museum in England bei der Auflösung des Museums wurden die Exponate auch an Privatpersonen verkauft. Jochen Wunsch von den Oldtimerfreunden Pferdsfeld und Umgebung war überwältigt: Mit so vielen und interessanten Fahrzeugen hatte er heuer nicht gerechnet. "Wir sind noch ein junger Verein, gegründet 2016, seit Anfang dieses Jahres e.V.", erzählt Jochen Wunsch. "Unser Ziel ist den Menschen alte Technik, sei's Auto, Motorrad oder Traktor oder LKW näher zu bringen." Es ist ihnen gelungen, den 22 Mitgliedern, die zwischen 12 und 82 Jahre alt sind.

Ungewöhnliche Exponate

Rund 60 Oldtimer waren es nämlich am Sonntag. Die weiteste Anreise hatten ein Porsche Targa aus Nürnberg und ein NSU RO 80 aus Bad Neustadt an der Saale. Hingucker waren auch die beiden Brüder aus Hallstadt mit einem NSU-Motorrad mit Beiwagen, Baujahr 54, und einer spanischen, ehemaligen Polizei-Maschine, einer Sanglas, ebenfalls mit Beiwagen von 1979. Vielbestaunt: die verschiedensten Traktoren der Marken Lanz, Deutz, Güldner, Bautz, Fendt und natürlich Eicher.

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