Lichtenfels
Respektloses Verhalten

Lichtenfels: Mutter beleidigt Metzgerei-Verkäuferin - Facebook-Post von Edeka-Chef geht viral

Eine junge Mutter ist in einem Edeka-Markt im oberfränkischen Lichtenfels derart negativ aufgefallen, dass Supermarkt-Chef Christian Werner der Kragen platzte. Mit einem emotionalen Post bei Facebook machte er seinem Ärger Luft und bekam dafür viel Zuspruch.
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Manchmal kann man über das unverschämte Verhalten mancher Menschen einfach nur noch den Kopf schütteln. Gerade im Einzelhandel müssen sich Mitarbeiter immer wieder mit unfreundlichen und teils unfassbar dreisten Kunden herumschlagen. "Der Kunde ist König" - soweit, so klar. Doch muss man sich deshalb wirklich alles gefallen lassen?

Nein - findet zumindest ein Supermarkt aus dem oberfränkischen Lichtenfels, der am Mittwoch (29.05.2019) um 11.37 Uhr ein emotionales Facebook-Posting veröffentlichte. Damit wendet sich der Geschäftsführer des Edeka-Marktes, Christian Werner, direkt an eine Kundin, genauer gesagt eine junge Mutter, die am Mittwoch (29.05.2019) in dem Markt in Lichtenfels einkaufen war. Dabei hinterließ die Frau keinen guten Eindruck. Geschäftsführer Werner lief an der Frau vorbei, während diese etwa fünf Meter von der dortigen Fleischtheke entfernt stand und ihrem Kind im Grundschulalter sagte, dass es doch in der Schule mehr lernen sollte, sonst würde es irgendwann auch hinter der Fleischtheke landen.

Mutter zu Kind: Wenn du weiterhin nichts lernst, landest du hinter der Fleischtheke

Im Wortlaut ließ sich Werner zu diesem emotionalen Facebook-Post hinreißen: "Dieser Post geht an die junge Mutter, welche heute vor unserer Fleischtheke mit dem Finger auf die Verkäuferin gezeigt hat und zu ihrem Kind sagte: 'Wenn Du weiterhin nichts für die Schule lernst, dann stehst Du auch mal dort hinten!' Dem können wir nicht zustimmen! Wenn Ihr Kind weiterhin nichts lernt, dann steht es in der Schlange am Arbeitsamt!"

 

 

Werner ging es mit seinem Post nicht nur darum, der abwertenden Äußerung der Kundin entgegenzutreten - sondern auch seinem Ärger um mangelnden Respekt und Wertschätzung öffentlich zu machen. "Das heute war nur der Tropfen auf dem heißen Stein", sagt Werner im Gespräch mit inFranken.de. " Dass Kunden ausfallend werden nimmt verstärkt zu", erklärt Werner. Schon seit längerem beobachtet er, wie Wertschätzung gegenüber seinen Mitarbeitenden verloren geht. "Das sind alles Menschen, die hier arbeiten. Und so sollten sie auch behandelt werden." Werner fragt auch: "Warum soll ein Mensch schlechter sein aufgrund seiner Arbeit?"

Emotionaler Facebook-Post entstand auf dem "stillen Örtchen"

Zuletzt hatten bereits Mitarbeiter gekündigt, weil sie mit dem fehlenden Respekt vieler Kunden nicht mehr klar kämen, erzählt Werner. So könne es dementsprechend nicht weitergehen. Nachdem er das respektlose Verhaltend er jungen Mutter durch Zufall mitbekommen hatte, verzog er sich aufs "stille Örtchen" und verfasste den emotionalen Facebook-Post, wie Werner in einem Radiointerview verriet. Damit machte er seinem Ärger über die Frau Luft und nimmt weiterhin seine Mitarbeiter in Schutz - denn der Post geht folgendermaßen weiter:

"In unseren Filialen arbeiten nämlich nur gut ausgebildete Fachkräfte, mit Schulabschluss, und abgeschlossener Berufsausbildung. Viele mit mittlerer Reife, einige sogar mit Abitur.

Und solange Menschen wie Sie, mit dem Finger auf Menschen wie uns zeigen, macht es auch keinen Sinn Ihnen zu erklären, das ein Meistertitel soviel Wert ist wie ein Studium, und eine duale Ausbildung weltweit mehr zählt als ein Abitur."

Edeka wird auf Facebook emotional: Jeder Mensch verdient Respekt

Abschließend wendet sich der Lichtenfelser Markt noch einmal direkt an die Mutter:

"Und jetzt für Sie nochmal ganz persönlich: 'Einen Abschluss in Empathie und Menschlichkeit, Respekt und Wertschätzung erhält Ihr Kind nicht in der Schule - aber das erledigen wir später gerne für Sie. Falls Ihr Kind doch den Abschluss schafft. Und mit etwas Glück vielleicht dann doch hinter unserer Fleischtheke steht und eine Ausbildung macht. Und Menschen wie Sie dann trotzdem mit einem lächeln bedient. Da es gelernt hat, dass jeder Mensch Respekt verdient hat. Auch wenn es manchmal etwas schwerer fällt!'"

Großer Zuspruch von anderen Facebooknutzern

Auch bei den Facebook-Nutzern kommt das Edeka-Posting hinsichtlich des unverschämten Verhaltens der Mutter gut an. Mittlerweile wurde der Post über 30.000 Mal geteilt. "Ein Hoch auf den Chef, der so hinter und für seine Mitarbeiter steht! Da könnten sich andere Chefs eine riesengroße Scheibe abschneiden.", schreibt etwa Andrea S. Unter den mehr als 5.500 Kommentaren finden sich weitere lobende Worte - von "Super geschrieben", über "Respekt" bis hin zu "Hochachtung für den Laden". Auch eine Mitarbeiterin meldet sich zu Wort: "Ich bin stolz darauf eine von diesen Fleischereifachverkäuferinnen sein zu dürfen", schreibt sie. Ein Nutzer wird gar leicht philosophisch, Lucjan S. schreibt: "Wer mit einem Finger auf andere zeigt, zeigt gleichzeitig mit 3 auf sich selber".

Edeka-Chef stellt sich vor seine Mitarbeiter

"Natürlich ist es letzten Endes auch meine Aufgabe als Chef, schützend hinter meinen Mitarbeitern zu stehen. Die müssen sich nicht alles gefallen lassen.", so Werner im Interview. Wie oft solche Situationen passieren und was er seinen Mitarbeitern rät, lesen Sie bei inFranken.dePLUS. ak/dn

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