Ebensfeld
Orchester

Musikvereinigung Ebensfeld will Nachwuchs fördern

Die Musikvereinigung Ebensfeld setzt auf Nachwuchsförderung. Dirigent Thomas Steinhardt und seine Kollegen verstehen es, Kinder und Jugendliche zu motivieren und ihnen die Freude am Musizieren zu vermitteln.
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Dirigent Thomas Steinhardt in Aktion Foto: p
Dirigent Thomas Steinhardt in Aktion Foto: p
Musik als Hobby erfährt vermehrt Konkurrenz, nicht nur von anderen Freizeitbeschäftigungen wie Sport oder digitalen Medien, auch Schüler beklagen oft mangelnde Freizeit und das daraus resultierende Einschränken der Hobbys - also auch der Musik. Da erstaunt es umso mehr, dass in diesem Jahr in Ebensfeld der größte Musikverein im Landkreis Lichtenfels entstanden ist, er zählt rund 600 Mitglieder.

Wie also schafft es die Musik, aus sich selbst heraus so viele Vorteile zu generieren, dass die Zahl der aktiven Musiker steigt? Wie kann sich die Musik selbst ständig erneuern, wie kann sie attraktiv sein und bleiben?
Pädagogen bedienen hier gerne die Transfereffekte von Musik: Die Förderung der Feinmotorik beim Erlernen eines Instrumentes, die Schulung von Konzentration, bei Blasinstrumenten kommt noch die gute Ausbildung des Atemapparates dazu. Das alles ist natürlich unverzichtbar für ein gelingendes aktives Musizieren, aber erklärt es steigende Mitgliederzahlen wirklich?

Förderung sozialer Kompetenzen


Motivation kommt meist durch den Spaß an der Sache, am besten in Gemeinschaft. Und so formt das Gruppenmusizieren nicht nur den schönen Klang, für den der Zuhörer gerne ins Konzert geht, sondern es fördert auch soziale Kompetenzen: Hier darf der Musiker mal den Chef spielen und ein Solo übernehmen, ein andermal muss er sich unterordnen und seinem Nachbarn das Solo überlassen.

Und die meiste soziale Förderung steht vermutlich gar nicht in den Noten, sie entsteht in den Pausen, wenn die musizierenden Kinder und Jugendlichen ihre Instrumente ablegen, sich austauschen, sich näher kennenlernen und gemeinsam ein Stück Alltag verbringen. Natürlich ist Musik also 'in', sie ist durchaus zeitgemäß, und sie kann aus dem Konkurrenzkampf mit anderen Aktivitäten als Sieger hervorgehen, wenn sie sich der Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen anpasst: Hier gibt es schon Verlage, die populäre Titel wie "Tage wie diese" von den Toten Hosen oder "Brenna tuat's guat" von Hubert von Goisern für Blasorchester arrangiert haben; in Ebensfeld kann man beispielsweise "Sweet Caroline" von DJ Ötzi hören.

Mit dem Spaß am Musizieren stehen die Ebensfelder Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen natürlich nicht alleine da. Durch die Zugehörigkeit zum Nordbayerischen Musikbund (NBMB) sind überregionale Angebote möglich, die allen aktiv Musizierenden diese Freude an der Musik vermitteln. Vom NBMB werden regelmäßig Orchesterprobenphasen veranstaltet, bei denen sich Musiker aus allen Vereinen treffen können, um gemeinsam zu musizieren: Das Bezirksorchester umfasst Musiker aus ganz Oberfranken, während das Kreisorchester auf den Landkreis Lichtenfels beschränkt ist.

Im Kreisorchester stark vertreten


Gerade im Kreisorchester sind die Ebensfelder Musiker regelmäßig stark vertreten, "ohne unsere Ebensfelder wäre das Kreisorchester ziemlich reduziert", sagt Thomas Steinhardt schmunzelnd. Er dirigiert in Ebensfeld seit 2008. Im Kreisorchester lernen die jungen Instrumentalisten neue Stücke kennen und kommen mit neuen Erfahrungen in ihr örtliches Orchester zurück, davon profitieren alle Beteiligten.

Der NBMB, der in diesem Jahr sein 60-jähriges Bestehen feiert, bietet den Vereinen noch mehr Vorzüge, von denen auch Ebensfelder Musiker profitieren: Die Abgaben der Vereine an die Gema (hier erhalten Komponisten die Tantiemen, sobald ihre Stücke öffentlich aufgeführt werden) sind über einen Rahmenvertrag geregelt; das macht auch die Aufführung moderner Musik für die Vereine bezahlbar.

Zudem können sich fortgeschrittene Musiker zum Dirigenten ausbilden lassen und erhalten am Ende ihrer Fortbildung die staatliche Anerkennung als Dirigent; für diesen Schritt entschied sich bereits Robert Zillig. Derzeit durchläuft Benedikt Krüger diese Ausbildung. So stehen neben Thomas Steinhardt auch diese beiden Dirigenten am Pult und geben ihre musikalischen Erfahrungen an das Orchester weiter.

Fusion mit Obermaintaler Jugendkapelle


In diesem Jahr fusionierte die Trachtenkapelle mit der Obermaintaler Jugendkapelle unter dem neuen Namen Musikvereinigung Ebensfeld, damit ist der größte Musikverein im Landkreis entstanden. Die 600 Mitglieder sind zwischen neun und 70 Jahren alt; damit ist sie auch in der Generationen-übergreifenden Arbeit von großer Bedeutung.

Neben Thomas Steinhardt, Robert Zillig und Benedikt Krüger leiten auch Peter Gerking und Thomas Helmreich einzelne Ensembles im Verein. Denn hier setzt man gezielt auf Nachwuchsarbeit: Das Ausbildungskonzept umfasst eine Bläserklasse, ein Vororchester, ein Schülerorchester und ein Hauptorchester. Zu allen Gruppierungen sind Interessenten ausdrücklich erwünscht und beim Mitspielen willkommen. Besonders willkommen sind Musiker mit den Instrumenten Bassklarinette, Fagott, Baritonsaxophon, Oboe, Englischhorn und Percussion, denn solche Instrumente fehlen oft. Zudem gibt es einige wenige Musiker, die Tenorhorn, Bariton, Klarinette und Saxophon spielen - diese freuen sich ebenfalls über Verstärkung.

An Trompetern mangelt es nicht


Auf die Frage, welches Instrument gut besetzt ist, antwortet Thomas Steinhardt lachend: "An Trompetern mangelt es uns nicht", selbstverständlich sind aber auch Trompeter zum Mitspielen ausdrücklich eingeladen.

Wer also ein Instrument erlernen oder seine Fähigkeiten in der neuen Musikvereinigung auffrischen möchte, ist dort gern gesehen. Am 10. November wird die Musikvereinigung ihr nächstes Konzert in der Pater-Lunkenbein-Schule geben. Dort hört man dann das Ergebnis des geschulten Atemapparats und der geübten Feinmotorik - vor allem aber sieht man die Freude an der Musik und ihre gemeinschaftsfördernde Wirkung.

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