Kloster Banz
Klassik-Konzert

Musikalischer Schlagabtausch

Hans-Dieter Bauer und Karlheinz Busch boten im Banzer Kaisersaal einmal mehr ein anspruchsvolles Programm für Klavier und Cello.
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Duokonzert auf höchstem Niveau mit Cellist Karlheinz Busch und Konzertpianist Hans-Dieter Bauer im Kaisersaal von Kloster Banz Foto: Andreas Welz
Duokonzert auf höchstem Niveau mit Cellist Karlheinz Busch und Konzertpianist Hans-Dieter Bauer im Kaisersaal von Kloster Banz Foto: Andreas Welz
Seit vielen Jahren geben der in Berlin geborene und in Coburg lebende Konzertpianist Hans-Dieter Bauer und der Cellist Karlheinz Busch, Begründer des international renommierten Bamberger Streichquartetts, Duo-Konzerte. Am vergangenen Freitag konzertierten die beiden Künstler in Kloster Banz. Buschs Moderationen zu den Werken des Programms sind mittlerweile eine Güteklasse für sich. Charmant und kenntnisreich beleuchtet er Hintergründe der Musik und der Komponisten. So entstand auch diesmal eine seltene und kostbare Einheit von Musik und Fachwissen. Das anspruchsvolle Programm sah Werke von Bach, Beethoven und Brahms vor.
Busch eröffnete das Abendkonzert im Kaisersaal mit der Suite Nr. 2 D-Moll für Violoncello von Johann Sebastian Bach. Im Gegensatz zu Bachs Solowerken für Violine gibt es bei Cello-Suiten keine eigenhändige Niederschrift des Komponisten, die in der Regel mit Erläuterungen versehen sind. So müssen sich die Cellisten vor allem an den Phrasierungen einzelner Teile, die Bach für Sologeige komponiert hat, orientieren.


Der Pudel des Pianisten

Busch verstand es meisterhaft, nach dem in sich gekehrten Prelude den ruhig vor sich hin fließenden Tanzsatz zu spielen, um anschließend zum schnellen Gesellschaftstanz überzuleiten. In den Menuetten war der Spieler gefordert, die Basstöne zu finden, die sich Bach gedacht hat, um der Logik dieses Satzes auf die Spur zu kommen.
Als sich Hans Dieter Bauer an den Flügel setzte, um Beethovens Sonate für Klavier und Violoncello in A-Dur zu spielen, hüpfte plötzlich ein schwarzer Pudel aus den hinteren Reihen auf die Bühne. Der vierjährige Nicki ist ein ständiger Begleiter des Pianisten, hört andächtig zu und nimmt dann würdevoll mit Herrchen die Ovationen des Publikums entgegen.
Gerade Kammermusik verträgt keine Lieblichkeit - es ging auch im Kaisersaal nicht um musikalische Wellness. Der erste Satz, der vom Cello solo eröffnet wurde, wies einen klaren, ausdrucksvollen Charakter auf. Im zweiten Satz zeigte sich der Wandel im Verhältnis von Klavier und Cello, der in einem ausgewogenen Gleichgewicht zwischen beiden Instrumenten mündete. Durch einen Irrtum des Notenstechers, als dieser das erste Paar gebundener Noten als "piano" und den Rest des Scherzothemas als "fortissimo" bezeichnete, sah sich Beethoven dazu inspiriert, die Angabe "fortissimo" auf das gesamte Scherzothema anzuwenden. Streicher und Pianist interpretierten diesen "Irrtum" meisterhaft.


Musik, die nach Herbst klingt

Das ausgedehnte Ausmaß des Adagios im dritten Satz führte zu Spekulationen, die Sonate sei viersätzig angelegt, doch der Übergang zwischen Adagio und Allegro sprechen gegen diese Vermutungen. Die Spannung des Hauptmotivs entwickelte sich im ständigen Schlagabtausch von Klavier und Cello. Karlheinz Busch verstand es wie kein anderer, mit Doppelgriffen zum kantablen Satz zurückzukehren. Eine kurze, träumerisch-singende Einleitung gipfelte im furiosen Finalrondo.
"Musik, die nach Herbst klingt", so bezeichnete Busch nach der Pause die schwermütige Sonate in e-Moll für Cello und Klavier von Johannes Brahms. Etwas von der geheimnisvollen Atmosphäre des vergangenen Sommers sprach aus dem Beginn des Kopfsatzes. Er wirkte wie ein Eintauchen in versunkene Zeiten. Das weit ausgesponnene Hauptthema war ein typisch Brahmsscher Gesang, der sich aus der tiefen Lage des Cellos in immer lichtere Höhen erhebt. Die "unendliche Melodie" des Streichinstruments wurde in zarte Vorhalte des Klaviers gehüllt, bis Hans-Dieter Bauer das Thema aufgriff, während das Cello in ausdruckssatten Gesten kommentierte. Knapp die Überleitung zum perlenden Seitenthema des Klaviers, das vom Cello zu höchster Emphase gesteigert wurde. Dieser Ausbruch mündete in die leidenschaftliche Schlussgruppe, die sich erst ganz am Ende beruhigt und von einer Art Rezitativ beendet wird. Dem schloss sich in plötzlichem Moll-Dur-Wechsel eine in leuchtende Herbstfarben getauchte Klanglandschaft an.
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