Burgkunstadt

Musical in Burgkunstadt: Frauen, die sich alles erkämpfen

Burgkunstadter Realschülerinnen setzten "Das geheimnisvolle Buch" in ein Theaterstück um, das keinen kalt ließ. Es geht um Frauen und ihre Rechte.
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Annemarie Mirwald als Malerin Artemisia Gentileschi  Foto: Roland Dietz
Annemarie Mirwald als Malerin Artemisia Gentileschi Foto: Roland Dietz
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Es war ein sehr bewegendes Musical, das die Gruppe Musical-Projekt der Realschule auf die Bühne brachte. Die 13 Mädchen schilderten die Schicksale von Frauen, die ihre Träume verwirklicht und sich mit ihrer Persönlichkeit und ihren Fähigkeiten gegen die gesellschaftlichen Widerstände ihrer Zeit durchgesetzt haben. Mit dem Musical "Das geheimnisvolle Buch" zeichneten sie nicht nur Porträts von beeindruckenden weiblichen Persönlichkeiten, sondern machten auch Mut, auf sich selbst zu vertrauen.

"Wir schaffen das", tönte es zu Beginn aus den Kulissen. Ihre Träume verwirklichen will Cathrin, ein Mädchen, das 219 vor Christus geboren wurde. Doch damals war Mädchen alles verboten. Dann ein Zeitsprung: 2238 Jahre später. Drei Freundinnen unterhalten sich beim Beobachten des Sternenhimmels über die Möglichkeit, ihre Träume zu leben. "Sind vergangene Leben Sterne geworden, sind sie brennende Steine im All und können sie erzählen, was sie erlebt haben?", fragen sich die Freundinnen. Und als eine Sternschnuppe aufleuchtet, erzählen sie sich ihre Wünsche und Träume.

Da sie über ihre Träume auch im Unterricht tuscheln, müssen sie zur Strafe den Dachboden putzen. Dort finden sie "Das geheimnisvolle Buch". Da taucht auch die "verrückte Frau" Cathrin auf und erzählt von ihrem Leid. Die drei Mädchen wollen ihr helfen. Dabei hilft ein Blick in das Buch, in dem Cathrin Mädchen mit außergewöhnlichen Träumen und ihr Leben beschreibt. Gesangseinlagen der vorgestellten Personen und des kleinen Chors geben der Darstellung besondere Tiefe.

In dem Buch ist zum Beispiel von Elizabeth Blackwell die Rede. Sie war eine der ersten Ärztinnen mit Hochschulabschluss. Zwölfmal war ihre Bewerbung um einem Studienplatz abgelehnt worden. Sie wurde sogar die Beste ihrer Abschlussklasse. Die Musik spielt dabei auf Amerika als "Land der unbegrenzten Möglichkeiten" an.

Artemisia Gentileschi, die Tochter eines Malers und begabter als ihre Brüder, wurde vom Freund des Vaters Agostino Tassi vergewaltigt. Nach einer Anzeige wurde sie verleumdet und musste die Demütigung noch einmal erleben. Dennoch setzte sie sich durch und war später als Malerin hochgeachtet.

Der allerletzte Flug

Melli Besse war die erste Frau, die in Deutschland die Prüfung zum Pilotenschein machte, obwohl sie immer wieder sabotiert wurde. Dennoch schaffte sie als Pilotin beim Fliegen Rekorde, die Männer noch nicht erreichte hatten, und eröffnete eine Flugschule. Nach dem Ersten Weltkrieg durfte sie den Flugplatz und die Fabrik nicht mehr betreten. "Fliegen ist notwendig. Leben nicht", schrieb sie in ihrem Abschiedsbrief, bevor sie sich das Leben nahm. Im bewegenden Lied "Wer tröstet mich, ich möchte immer fliegen" kommt diese Zerrissenheit zum Ausdruck. Beeindruckend gelang den Schülerinnen die Darstellung ihres letzten Flugs in den Himmel.

Die Schülerinnen verschmolzen förmlich mit ihren Rollen. So entstanden berührende Frauenporträts. So war Hellen Keller nach einer Erkrankung im Alter von 18 Monaten blind und taub. Die Rettung aus diesem Schicksal brachte ihr der Unterricht durch Anne Sullivan mit einem Fingeralphabet. Noch wichtiger als der Lehrstoff war für sie jedoch das Gefühl durch die Berührungen beim Handreichen. "Sie hat das Wunder der Sprache in meine Hand gegeben", betonte Hellen Keller. Indem sie in die Rollen der historischen Personen schlüpfen, erkennen die drei Freundinnen, dass mit den dabei verkörperten Charaktereigenschaften ihre Träume verwirklicht werden können. Und so gelingt es auch Cathrin, sich aus dem geheimnisvollen Buch zu befreien. "Niemand soll mehr sagen, das schaffe ich nicht", betont sie.

Mit dieser Aufführung haben sich die Schülerinnen und Musikpädagogin Nicola Probst auch einen Traum erfüllt. Die Pädagogin hat das Musical selbst geschrieben, es mit sicherem Gespür und Engagement mit den Schülerinnen einstudiert. Auch für Musik und Kulissen war sie verantwortlich. Und so stimmte sie beim Abschlusslied "Ich will spüren, dass ich lebe" in den Chor ein. Herzlicher Beifall belohnte die Akteure für die gelungene Aufführung.

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