Lichtenfels
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Monatsgemüse Mangold: Schon mal probiert?

Die Lichtenfelser Tagespflege "Lebenswert" hat das regionale, aber dennoch wenig bekannte Gemüse auf die Geschmacksprobe gestellt. Das Ergebnis überraschte.
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Diana Reißig (vorne rechts) und Brigitte Deuerling (rechts)  kochen gemeinsam mit Senioren frischen Mangold in der Tagespflege "Lebenswert" in Lichtenfels. Jutta Rudel
Diana Reißig (vorne rechts) und Brigitte Deuerling (rechts) kochen gemeinsam mit Senioren frischen Mangold in der Tagespflege "Lebenswert" in Lichtenfels. Jutta Rudel
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Mangold ist zwar ein regionales Gemüse - bekannt ist Vielen aber meist nur der Name. Höchste Zeit, das zu ändern! Das dachte sich auch Brigitte Deuerling. Die Kronacherin arbeitet in der Tagespflege "Lebenswert" in Lichtenfels. Gemeinsam mit den überwiegend an Demenz erkrankten Menschen wird dort täglich frisch und gesund gekocht. Neben den klassischen Gemüsesorten wurde erstmals unser Monatsgemüse Mangold zubereitet.
"Ganz früher habe ich den Mangold auch nicht gekannt. Meine Schwiegermutter hat ihn immer als Spinat zubereitet, der war wahnsinnig lecker", erzählte sie. Seither pflanzt die Kronacherin das Gemüse selbst im Garten und im kleinen Hochbeet in der Tagespflege an. Im Vergleich zum Spinat sieht sie einige Vorteile: "Mangold sieht im Garten nicht nur schön aus, man kann auch die Blätter einzeln zupfen, ohne die gesamte Pflanze zu ernten. Zudem ist er intensiver im Geschmack." Ob der jedermanns Sache ist? Gemeinsam mit ihrer Kollegin Diana Reißig wagten sie das Kochexperiment.



Mehr als nur Spinat

"Wir probieren gerne mal was Neues aus", sagte Diana Reißig und fügte hinzu: "Ich koche das erste Mal mit Mangold." Rund 3,5 Kilo warteten darauf, zubereitet zu werden - Spinat werde daraus aber nicht gemacht. Auf dem Speiseplan standen Mangoldröllchen und eine Mangold-Kokos-Suppe. "Wir experimentieren gerne mit dem Essen", sagte die Köchin. "Und manchmal improvisieren wir auch", fügte Brigitte Deuerling lachend hinzu.

Auch die Mangold-Rezepte haben sie abgewandelt. "Damit es cremiger wird, pürieren wir Kartoffeln und geben etwas Schmand in die Suppe. Die älteren Leute mögen die festen Stückchen nämlich nicht." In die Mangoldröllchen haben sie noch etwas Senf gestrichen. "Wir versuchen so weit es geht auf Zusatzstoffe zu verzichten", erklärte Brigitte Deuerling. Der geschmacksintensive Mangold benötige aber ohnehin weniger Gewürze als andere Gemüsesorten.

Beim Kochen werden sie immer von den Senioren unterstützt. Dieses Mal schälten ein paar Frauen die Kartoffeln und schnitten die Mangoldstiele zu kleinen Würfelstücken. "Wir haben auch Männer dabei, die dann die Spülmaschine einräumen und das Geschirr abtrocknen", fügte die Kronacherin hinzu. Das sei nicht nur für das Gemeinschaftsgefühl wichtig, sondern "stärkt die Sinneswahrnehmungen und Feinmotorik". Auch das kleine Hochbeet sei für die älteren Menschen von besonderer Bedeutung: "Es ist wichtig, dass sie auch mal daran riechen können oder zum Beispiel eine Tomate naschen. Das weckt Erinnerungen."

Durch Fragen sollen die Demenzkranken ebenfalls zum Nachdenken angeregt werden. So fiel beim Kochen öfters die Frage, ob die Frauen früher selbst Mangold angepflanzt haben. Während einige das Gemüse gut kannten, war es für andere völlig fremd. Nicht nur Letztere staunten, als es schließlich gekostet werden konnte: "Wir waren selbst überrascht, wie gut es geschmeckt hat", sagt Brigitte Deuerling freudig. Das Gemüse sei sehr gut angekommen. "Sogar die Schwierigen, die nicht alles essen, was hingestellt wird, haben direkt nach dem ersten Löffel gesagt, dass es gut ist." Für die Tagespflege war das Kochexperiment ein voller Erfolg - Mangold stehe nun öfter auf dem Speiseplan.


Gesund und vielseitig: Mangold im Garten ist Gold wert


Steckbrief
Mangold sollte in keinem Garten fehlen, denn er ist leicht zu kultivieren, bringt hohe Erträge und ist sehr gesund. Deshalb ist er unser Gemüse des Monats Juni.


Inhaltsstoffe

Die Pflanzen ähneln der Rübe. Sie werden jedoch nur wegen ihrer oberirdischen Grünteile angebaut. Obwohl Mangold mit dem Spinat sehr nahe verwandt ist, unterscheidet er sich in seinen Anbaumethoden doch deutlich.
Außer auf nassem und verdichtetem Boden kann Mangold fast überall angebaut werden. Die Standortansprüche gelten daher als bescheiden. Ähnlich wie Spinat enthält er viel Eisen, Carotin und Vitamine.


Gartenanbau

Ausgesät wird von Ende April bis Ende Juni. Der ideale Reihenabstand bei Blattmangold beträgt 25 bis 30 Zentimeter. In der Reihe werden etwa 20 Pflanzen pro Meter angestrebt. Stielmangold benötigt deutlich mehr Platz. In der Reihe reichen drei bis vier Pflanzen pro Meter. Die Pflegearbeiten beschränken sich auf gelegentliches Hacken und Gießen. Der Wasserbedarf ist relativ hoch.
Je nachdem, wie viele Ernten durchgeführt werden, kann Mangold das Beet das ganze Jahr über beanspruchen. Krankheiten treten kaum auf. Der Blattmangold ist dem Spinat in seiner Form sehr ähnlich. Es kann sogar mehrfach geerntet werden. Der Anbau ist im Gegensatz zu Spinat im Sommer möglich.


Vorteile

Viele Hobbygärtner, die Mangold für sich entdeckt haben, brauchen keinen Spinat mehr. Zumal man diesen zeitlich nur sehr begrenzt anbauen kann, da er bei Wärme zu schießen beginnt. Und von Mangold brauchen viele nur vier bis fünf Pflanzen, die man im Gemüsebeet verteilen kann. Auch im Staudenbeet füllt Mangold Lücken und schaut dort, besonders mit den bunten Sorten, sehr dekorativ aus.
Wenn man den Mangold im Herbst im Beet stehen lässt und mit einer Schicht Laub als Frostschutz abdeckt, kann man ihn sogar überwintern. Ab April gibt es dann schon wieder etwas zu ernten. Jupp Schröder
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