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Lichtenfels
Mobilität

Mitfahrzentrale: Möglichkeit, die Landkreisbewohner wenig nutzen

Im ländlichen Raum haben die via Internet organisierten Fahrgemeinschaften weit geringere Akzeptanz als in Städten. Warum ist das eigentlich so?
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Miriam Hegner, Thomas Heuchling und Nicole Lederer (von links) haben alle schon einmal den Service einer Mitfahrzentrale genutzt und würden das jederzeit gern wieder tun, wenn sich eine Gelegenheit ergibt. Foto: Matthias Einwag
Miriam Hegner, Thomas Heuchling und Nicole Lederer (von links) haben alle schon einmal den Service einer Mitfahrzentrale genutzt und würden das jederzeit gern wieder tun, wenn sich eine Gelegenheit ergibt. Foto: Matthias Einwag
Neulich bei einem Gespräch mit Bekannten. Deren Sohnemann, 16, hat die Zusage für einen vielversprechenden Ausbildungsplatz. In Bayreuth. Die Freude darüber ist allerdings nicht das beherrschende Thema, sondern die Frage: "Wie soll er denn da hinkommen, er hat doch noch keinen Führerschein?!" Dabei gibt es bestimmt einige Pendler aus dem Bamberger Umland, die täglich zur Arbeit in den Raum Bayreuth fahren. Vielleicht ließe sich da ja eine Mitfahrgelegenheit organisieren. Kennt einer jemanden? - Kopfschütteln.

Mein Kollege, gerade aus dem Weihnachtsurlaub zurück, kam da gerade recht. Dass er mit seiner Familie mehr als 500 Kilometer von seinem Elternhaus entfernt lebt und arbeitet, macht spontane Besuche kaum möglich. Da die Fahrten länger im voraus feststehen, bietet er freie Plätze im Auto gerne Mitfahrern an. Über eine Mitfahrzentrale im Internet. "Da ergeben sich immer nette Gespräche", erzählt er.
Und rechnet vor, dass er ein Drittel der Spritkosten dadurch gespart hat. Für den Mitfahrer hat sich die Tour ebenso gelohnt: Für rund 20 Euro von Bayern nach Norddeutschland bequem gefahren zu werden, ist doch eine feine Sache.

Wie man Kontakt knüpft

Aber wie kommt man in Kontakt und weiß man denn da, zu wem man einsteigt beziehungsweise wer zu einem einsteigt? Jein. Einen persönlichen Eindruck von dem Fahrer oder Mitfahrer kann man sich zunächst zwar nicht machen. Aber man kann im Internet festlegen, ob es ein Mann oder eine Frau sein sollte, ob alleine oder mit mehreren gefahren wird, und natürlich, wo und zu welcher Zeit der Zustieg ist. Jeder, der diese Möglichkeit der Vermittlung nutzt, muss sich auf dem Portal namentlich registrieren lassen. Es ist also kein Vergleich zum Fahren per Anhalter. Dennoch ist es nicht auszuschließen, dass die Chemie nicht stimmt zwischen Fahrer und Mitfahrer(n), vielleicht der Fahrstil einem missfällt. Aber zumindest ist hier niemand ano nym unterwegs.

Über Suchmaschinen im Internet sind mehrere Anbieter zu finden. Darunter ist auch die Mifaz, die Mitfahrzentrale der Europäischen Metropolregion Nürnberg, zu der man auch über die Homepage des Landkreises Lichtenfels gelangt. Über die Nutzerzahlen gibt es leider keine offiziellen Angaben. Allerdings waren diese im ersten Jahr einer vertraglichen Bindung des Landkreises mit der Mifaz so gering, dass der Vertrag wieder gelöst wurde. Die Kosten für Einrichtungsgebühr und Nutzungspauschale beliefen sich in diesem Jahr - 2010 - auf rund 1100 Euro. Und es soll weniger als 20 Anfragen beziehungsweise Angebote gegeben haben, wie aus der Pressestelle des Landratsamtes zu erfahren ist.

Dabei war das Online-Angebot zu seiner Einführung eingehend bekannt gemacht worden. Die Mitfahrzentrale sei ein weiterer Baustein zur Mobilität im ländlichen Raum, betonte damals Pressesprecher Helmut Kurz. Mitfahren und Sprit sparen, die Umwelt entlasten - all diese Vorteile wurden genannt. Und natürlich die Organisation unter einem seriösen Dach. Dennoch ist heute, fünf Jahre später, diese Möglichkeit nur wenig in den Köpfen präsent.

Burgkunstadt war Vorreiter

Auch in Burgkunstadt, der ersten Kommune im Landkreis, die den Mifaz-Service bekannt gemacht hatte, besteht die Partnerschaft nicht mehr. "Es haben sich nur ganz wenige dafür interessiert", sagt geschäftsführender Beamter Sven Dietel. Schon 2006 hatte die Stadt auf die Vorteile der übers Internet angebahnten Fahrgemeinschaften hingewiesen und das Thema zur Chefsache gemacht. Trotzdem wurde nur wenig von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht. Eine Verlinkung auf ihrer eigenen Homepage findet sich nicht mehr.

Für den potenziellen Nutzer spielt es indes keine Rolle, ob die eigene Kommune einen Vertrag mit der Mifaz abgeschlossen hat oder nicht. Er kann ohnehin frei unter den verschiedenen Anbietern wählen und nach Angeboten aus seiner Region suchen. Für den geplanten Musical-Besuch in Stuttgart im März finden sich beispielsweise schon heute über 20 Mitfahr-Vorschläge. Und unter den zehn Treffern, die bei der Suche nach einer Verbindung aus dem Bamberger Umland nach Bayreuth angezeigt werden, dürfte doch eine vernünftige Möglichkeit dabei sein, um dorthin zur Ausbildungsstelle zu gelangen. Es kommt also auf einen Versuch an. Dass der sich lohnt, können viele, die schon mitgemacht haben, bestätigen.

Wo es viele Studenten gibt, werden Mitfahrmöglichkeiten viel stärker genutzt, weiß Günter Finzel von der Stadt Bayreuth. Er ist auch zuständig für das Forum Verkehr und Planung der Europäischen Metropolregion Nürnberg und damit auch für die Mifaz. Im ländlichen, konservativ geprägten Raum fänden Mitfahrzentralen noch weniger Akzeptanz, sagt er. Eine große Konkurrenz seien die neueren Fernbusse. Doch die Zusteigemöglichkeiten sind bei diesen dünner gesät.

Als das Thema Mitfahrzentrale in der Lokalredaktion die Runde macht, berichten vor allem jüngere Kollegen munter von ihren Erfahrungen, die sie zumeist während ihrer Studienzeit gemacht haben. Von herzlichen und auch heiteren Begegnungen, seltener von nervigen. Von Menschen aus einem anderen Lebensumfeld, manchmal auch einem anderen Kulturkreis, die nur für die Dauer einer Autofahrt zueinander gehörten. Hört sich auf alle Fälle spannender an als ein Busfahrplan.

Mehr im Netz 
mifaz.de

blablacar.de



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