Laden...
Schney
Landwirtschaft

"Mit uns können sie machen, was sie wollen"

Die Bauern im Landkreis machten bei einem Stallgespräch ihrem Ärger Luft.Landwirt Holl sprach von immer mehr Regularien in Deutschland.
Artikel drucken Artikel einbetten
Prominenter Besuch auf dem Anwesen Holl in Stöcken: von links Susan Teuchgräber (stellvertr. Kreisbäuerin), Michael Bienlein (Kreisobmann BBV), Hans Rebelein (Geschäftsführer BBV), Marion Warmuth (Kreisbäuerin), Landwirt Simon Holl und Lothar Teuchgräber (stellvertr. Kreisobmann) Fotos: Monika Schütz
Prominenter Besuch auf dem Anwesen Holl in Stöcken: von links Susan Teuchgräber (stellvertr. Kreisbäuerin), Michael Bienlein (Kreisobmann BBV), Hans Rebelein (Geschäftsführer BBV), Marion Warmuth (Kreisbäuerin), Landwirt Simon Holl und Lothar Teuchgräber (stellvertr. Kreisobmann) Fotos: Monika Schütz
+2 Bilder

"Argentinien? Man hat den Traum, da stehen drei Rinder in der Prärie rum": in Wirklichkeit sei die Massentierhaltung von Rindern in den südamerikanischen Ländern gang und gebe, beklagte Hans Rebelein. "Dazu noch eine ordentliche Portion Antibiotikum und Wachstumshormone - in den Mersocur-Staaten ist das Standard".

Rebelein, Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbandes (BBV),   war der Einladung der Landwirte Bruno und Simon Holl auf ihren Hof nach Stöcken gefolgt. Ebenso wie die Kreisbäuerin Marion Warmuth und ihre Stellvertreterin Susan Teuchgräber, der Obmann des BBV Michael Bienlein samt Stellvertreter Lothar Teuchgräber.

"Stallgespräche" war die rund zweistündige Gesprächsrunde betitelt. Zwei Stunden in denen der junge Landwirt Simon Holl vom Hof und von neuen sinnigen oder unsinnigen Vorschriften berichtete. Und da gab es einiges zu erzählen: über die neuen Düngemittelverordnungen, die Einteilung der landwirtschaftlichen Flächen in "grün/ weiß/rot", sprich mit geringer, mittlerer oder hoher Nitratbelastung des Bodens. Und eben auch über das geplante Handelsabkommen der EU mit den sogenannten Mersocur-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay. Hier sollen Zölle und andere Handelshemmnisse abgebaut werden, um den Warenaustausch zu stärken und Unternehmen Kosteneinsparungen zu bringen. Das Abkommen sieht unter anderem ein zollreduziertes Kontingent von 99 000 Tonnen Rindfleisch aus diesem Staatenbund vor.

In der EU erbotene Mittel

"Die Mersocur-Staaten dürfen Pflanzenschutzmittel, wie das in Europa verbotene Atrazin verwenden. Antibiotika dürfen als Leistungsförderer eingesetzt werden - in der EU ebenfalls nicht erlaubt. In den letzten Lebensmonaten dürfen die Rinder dort gar mit Kraftfutter auf engstem Raum (sogenannte Feed-Lots) gehalten werden und werden dort mit Kraftfutter ausgemästet", erklärte Marion Warmuth über die Zustände in Südameria. Das habe mit weiter Prärie nichts zu tun. Wer gutes und nachhaltig erzeugtes Rindfleisch essen möchte, für den gäbe es nur eine Wahl, so Warmuth: "Bayerisches Rindfleisch!" Aktuell wirbt der BBV mit seiner Aktion #EssenAusBayern.

Simon Holl ist enttäuscht. "Irgendwas passt hier nimmer", sagt er. Seit drei Generationen führt die Familie den Hof, bewirtschaftet rund 100 Hektar Fläche, darunter 30 Hektar Wiesen. Die Holls besitzen noch 30 Milchkühe, Tendenz sinkend, dazu zehn Zuchtbullen und 55 Stück Jungvieh.

Das Futter für ihre Tiere bauen sie selbst an: Auf ihren Äckern wachsen unter anderem Weizen, Roggen, Mais, Raps (2020 zum letzten Mal), Ackerbohnen, Gerste und Sojabohnen.

Was nicht verfüttert wird, zum Beispiel an die 950 Legehühner, wird verkauft. Dazu haben sich Simon und sein Vater Bruno mit anderen Direktvermarktern zusammengeschlossen. Sie haben mit einigen von ihnen sogar einen gemeinsamen Verkaufsstand. "In Michelau, in der Gutenbergstraße, in einem alten Eisenbahnwaggon", grinst Simon Holl. Dort gibt es Wild, Eier, Kartoffeln, Nudeln, Suppenhühner, Fleisch und Wurst, aber auch Heu und Stroh für den Kleintierbedarf in einem sogenannten "Automaten basiertem Hofladen".

In seinen großen Stallungen fühlen sich nicht nur die Rinder wohl, kauen gemütlich an ihrem Futtergemisch aus Gras- und Mais-Silo sowie Stroh. "Letztes Jahr hatten wir 48 Brutpaare von Rauchschwalben in den Ställen", ist Jungbauer Simon stolz.

Mehr gesellschaftliche Akzeptanz

Was erwartet er vom Stallgespräch? Der 33-jährige gelernte Landwirtschaftsmeister antwortet nachdenklich. "Ich möchte, dass die Bauern gesellschaftliche Akzeptanz bekommen, dass sie wahrgenommen werden. Dass bei den politischen Entscheidungsträgern ein Umdenken statt findet. Nicht bloß immer: die Landwirte sind an allem schuld!". Immer mehr Flächen würden wegfallen oder eingeschränkt nutzbar sein, wegen der Ausweisung als FFH-Gebiet, Vogelschutz- , Wasserrschutz- und "Rotes" Gebiet. "Mit uns können sie machen, was sie wollen", ist er enttäuscht und verärgert zugleich.

Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren