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Marktzeuln
950 Jahre Marktzeuln

Mit Geschichtswissen und Witz ins Jubiläumsjahr

Vortrag und Bühnenstück zum Jubiläum 950 Jahre Marktzeuln fanden großen Zuspruch. Sogar ein Film soll entstehen.
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Heinz und Kathrin Fischer bei dem lustigen Theaterstück zum 950-jährigen Bestehen Marktzeulns
Heinz und Kathrin Fischer bei dem lustigen Theaterstück zum 950-jährigen Bestehen Marktzeulns
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Ganz Zeuln war auf den Beinen. Galt es doch zu erfahren, wie es war am Anfang, vor 950 Jahren. Mit Spannung wurde das kleine Theaterstück von Autor Heinz Fischer erwartet, in dem die erste urkundliche Erwähnung Zeulns in historischen Gewändern nachgestellt wurde. Mit viel Witz und stets den Bezug zur Gegenwart im Auge behaltend verstanden es Heinz und Kathrin Fischer, das Publikum zum Lachen zu bringen. Bischof Hermann I. von Bamberg sicherte sich in weiser Voraussicht die Internetseite "www-Bischof Hermann-de" und der damalige Kutschenschnellweg wurde zur A 73...

"Was willst du denn mit denen?"

Gräfin Alberada von Banz war zu Bischof Hermann I. nach Bamberg gereist. Sie vermachte ihren gesamten Besitz, wozu auch Marktzeuln gehörte, der Kirche von Bamberg. Der Bischof war nicht allzu erfreut, das Lehen "Cylen", das spätere Marktzeuln, zu bekommen: "Was willst du denn mit denen?", rief er entsetzt aus. "Das ist doch nur ein Dümpel mit 1000 quakenden Fröschen!" Nach dem Hinweis auf die doch recht einbringliche Mühle konnte sich der Bischof trotzdem mit "Cylen" anfreunden. Im Mittelpunkt des Abends stand der Festvortrag von Monsignore Professor Dr. Rüdiger Feulner, der seit Jahren sehr mit Marktzeuln verbunden ist und auch das Buch "Episcopalis est Zeuln" im Hinblick auf das 950-jährige Jubiläum der urkundlichen Ersterwähnung des Marktes Marktzeuln im Jahr 1070 verfasst hat.

Marktzeuln ist nach dem Copialbuch I, das im Bamberger Staatsarchiv ruht, eine der ältesten Ortschaften Oberfrankens. Der Referent vermittelte dem Publikum einen umfangreichen Überblick zur Zeit der urkundlichen Ersterwähnung Marktzeulns. Er ging insbesondere auf fünf Persönlichkeiten ein, die damit im Zusammenhang stehen.

Fünf Persönlichkeiten im Fokus

1. Bischof Herman I. von Bamberg ließ eine Kopie der Schenkungsurkunde von Gräfin Alberada von Banz anfertigen. Diese vermachte ihren gesamten Besitz, zu dem auch Marktzeuln gehörte, der Kirche von Bamberg. Alberada, auch genannt Bertha, war direkt mit dem Kaiserhaus verwandt. Sie war eine der bedeutendsten Frauen des Mittelalters, was eine große Auszeichnung für Marktzeuln darstelle. Sie war sehr auf äußere Machtmehrung bedacht und handelte stets im Sinne des salischen Kaiserhauses, das, um die mächtigen Herzöge des Reiches in ihrer Macht zu beschneiden, vor allem den Einfluss der Kirche und des niederen Adels förderte.

2. Alberada war die Tochter des letzten Grafen von Schweinfurt, entstammte also einer Familie, die an der Wende vom 1. zum 2. Jahrtausend die Region am Obermain beherrschte. Sie dominierte das Land vom Mainknie bei Schweinfurt bis an den Regen und die Donau. Die gräfliche Familie residierte in Sulzbach, Creußen, Kronach, Burgkunstadt, Schweinfurt und anderen Burgen. So war es bis 1003, als sich Graf Heinrich von Schweinfurt, der Großvater von Alberada, gegen den neugewählten König Heinrich II. erhob und geschlagen wurde. Nun verlor die Familie an Einfluss, aber sie büßte ihre Macht nicht ganz und nicht auf Dauer ein. Graf Heinrichs Sohn, Otto III. wurde 1048 sogar Herzog von Schwaben. Otto starb 1057 ohne einen männlichen Erben. Die Eigengüter wurden nun aufgeteilt unter der Witwe und fünf Töchtern (Alberada, Gisela, Judith, Eilika und Beatrix). Alberada erhielt das Land zwischen Main und Itz mit der Burg Banz als Mittelpunkt. Marktzeuln gehörte zum Besitz Alberadas, so dass es nach ihrem Testament gemäß mit anderen Ortschaften am Obermain ebenfalls an Bamberg fallen würde. Mit ihrem Mann, Graf Hermann von Habsberg-Kastl, aus dem alten Geschlecht der Vohburger, stiftete sie ein Benediktinerkloster auf ihrer Burg Banz, stattete es mit Besitz aus und unterstellte es dem Bamberger Bischof. Um die Besiedelung mit Benediktinermönchen bat sie den Fuldaer Abt Widerad von Eppenstein. Im Kloster Banz hielt man das Andenken an die Stifterin wach. Legenden rankten sich um sie: Sie sei nach dem Tod ihres Mannes, der wegen eines Fehdeturniers exkommuniziert, also aus der Kirche ausgeschlossen war und nicht in geweihter Erde begraben werden durfte, nach Rom gezogen und habe den Papst umgestimmt. Im Jahr 1074 hat sie nach dem Tod ihres Mannes Hermann dessen jüngeren Bruder Graf Friedrich von Habsberg-Kastl geheiratet. In erster Ehe gab es keine Kinder, die Kinder aus der Zweitehe sind in jüngeren Jahren verstorben, so dass Alberada keine leiblichen Erben hatte.

3. Kaiser Heinrich I.

4. Papst Alexander II.

5. Abt Widerrad von

Eppenstein (Fulda) Auch die Darstellungen dieser drei Persönlichkeiten stellten eine Reise ins Mittelalter dar. Die Zuhörer konnten einen Überblick über die Zeit gewinnen, in dem die Marktgemeinde erstmals urkundlich erwähnt wurde. Der profunde Vortrag wurde mit frenetischem Applaus belohnt.

Beifall gab es auch für die Tanzgruppe "Danzadoras" des TSV Marktzeulns und die Musikkapelle "Böhmische Kraft" für ihre Darbietungen. Bürgermeister Gregor Friedlein-Zech berichtete stolz, dass sogar ein Film über das Jubiläumsjahr entstehen werde.

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