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Mistelfeld will nicht länger auf den Hochwasserschutz warten

Eine Unterschriftensammlung in den Mistelfelder Geschäften und Gastwirtschaften soll der Forderung nach einer Lösung zum Schutz vor Hochwasser mehr Gewicht verleihen.
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Aufruf zur Unterschriftensammlung an einem Verkehrsschild in Mistelfeld, nahe dem Leuchsenbach Foto: Ramona Popp
Aufruf zur Unterschriftensammlung an einem Verkehrsschild in Mistelfeld, nahe dem Leuchsenbach Foto: Ramona Popp
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Es ist keine Seltenheit, dass in der Gärtnerei Grießer in Mistelfeld das Wasser aus dem Gully steigt. Zum Wochenende sind wieder Gewitter gemeldet und Claudia Grießer bereitet sich darauf vor, indem sie nach Möglichkeit nichts auf dem Boden stehen lässt. Die Regale mit Pflanzen oder Dekoware stehen schon etwas erhöht auf Metallfüßen, die Böden sind gefliest. "Dann sind wir hier am Kehren", erzählt sie und zeigt auf die Abläufe im Fußboden, in die das Wasser mit dem Besen zurückbugsiert werden soll. Nach dem starken Regen am 26. April stand das Wasser in ihrem Laden 15 Zentimeter hoch, konnte aber abfließen. Woanders im Ort haben es die Pumpen kaum geschafft, Keller, Räume und Flächen wieder frei vom Wasser zu bekommen.

Einer der Feuerwehrleute, die mit vereinten Kräften in Mistelfeld geholfen haben, ist Bernd Krauß. Eigentlich ist er Kommandant der FFW Burgberg. An jenem Samstag im April war sein Einsatzort auf Familiengrund. An seinem Elternhaus an der Blumenrode hätten die Wassermassen einen Gullydeckel hochgedrückt, das Wasser sei herausgeschossen wie eine Fontäne, erinnert er sich. Es war nicht das erste Mal, dass sich dort das Problem zeigte, aber das erste Mal in diesem Ausmaß. Dass man zuvor die Lichtschächte am Haus erhöht hatte, nutzte nichts. "Der ganze Keller war voll", sagt Krauß. "Mir reicht's jetzt." Er initiierte eine Unterschriftenaktion in den Geschäften und Gaststätten und hofft darauf, dass viele Unterstützer den Forderungen nach einer Prüfung und Verbesserung der Situation im Ort Nachdruck verleihen.

Ein Verdacht ist, dass das Kanalsystem nach dem Anschluss des Neubaugebietes "Weiße Leite" unterdimensioniert ist.

Wenn der Kanal voll ist

Eine These, die Dieter Müller vom Einkaufsmarkt in der Weiherstraße stützt. Es sei schon vorgekommen, dass bei allen Nachbarn das Wasser aus dem Kanal nach oben herausgetreten sei, nur bei ihm nicht. Sein Haus sei das einzige, das nicht an diesen Kanal angeschlossen ist, sondern an den der Parallelstraße.

Gleichwohl Müller einschränkt, bei solchen Wassermengen auf einmal wie im April, da nütze wohl auch kein größerer Kanal etwas.

Gastwirt Hans Fischer erzählt, er habe schon als Kind erlebt, dass die Leuchse aus ihrem Bachbett kam. Das sei seltener geworden, seit es die beiden Regenrückhaltebecken bei Klosterlangheim gibt. Dennoch müsse man sich Gedanken machen: "Bei uns läuft das Regenwasser nicht ab, weil der Kanal voll ist."

Der Bau eines dritten Rückhaltebeckens, im Zuge der Hochwasserfreilegung im Nachbarort geplant, lässt auf sich warten. Für diese Entscheidung des inzwischen abgelösten Stadtratsgremiums hat Bernd Krauß überhaupt kein Verständnis. Vor allem nach der Erfahrung im Haus seines Vaters. Angeblich hätten die Zuschüsse bereitgestanden, doch dann habe der Stadtrat die Prioritäten anders gesetzt und das Vorhaben hintangestellt. Laut Bernd Krauß war im Forst vor dem starken Regen viel Holz gemacht worden, Rückegassen waren entstanden und Stämme lagen in Gräben.

Das Wasser sei ungebremst über den ausgetrockneten Boden hinuntergeschossen. Krauß erweckt nicht den Eindruck, dass er einen Schuldigen sucht. Er drängt vielmehr da rauf, das Problem anzugehen. Er möchte Vertreter von Stadt Lichtenfels, Landratsamt, Forst- und Wasserwirtschaftsamt an einen Tisch holen, dass sie sich die Vorschläge der Mistelfelder anhören und gemeinsam nach einer Lösung suchen. Den neuen Bürgermeister Andreas Hügerich (SPD), selbst Mistelfelder, hat der Mann aus dem CSU-Ortsvorstand schon angesprochen. Parteizugehörigkeit interessiert in dieser Frage hier wohl niemanden.
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