Michelau
Jubiläum

Michelauer Johanneskirche steht seit 200 Jahren im Zeichen des Evangeliums

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm bemühte in seinem Predigtwort das Gleichnis vom verlorenen Sohn.
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Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und Dekanin Stefanie Ott-Frühwald luden gemeinsam zum Abendmahl ein.  Foto: Klaus Gagel
Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und Dekanin Stefanie Ott-Frühwald luden gemeinsam zum Abendmahl ein. Foto: Klaus Gagel
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Dieser Sonntag war ein großer Tag für die evangelische Kirchengemeinde. Gemeinsam mit dem Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm feierten die Gläubigen das Jubiläum "200 Jahre Johanneskirche Michelau". So voll wie an diesem Festtag hatte man die Kirche schon lange nicht mehr gesehen, allenfalls am Heiligen Abend verzeichnet man ähnliche Besucherzahlen. Der Landesbischof hielt die Festpredigt und reichte den Gläubigen gemeinsam mit Dekanin Ott-Frühwald das Heilige Abendmahl.

Das Gleichnis vom verlorenen Sohn, das zuvor bereits in der Lesung erzählt worden war, bildetet den Inhalt der Predigt. Das Gleichnis gehört zu den bekanntesten Geschichten der Bibel. "Es ist eine Geschichte mitten aus dem Leben gegriffen und deshalb spricht sie Menschen sehr direkt an", betonte Heinrich Bedford-Strohm.

Dazu gehören Gefühle des Verlusts der Selbstachtung, die Sehnsucht nach einem bedingungslosen Angenommensein, die Eifersucht gegenüber dem Anderen und die Angst selbst zu kurz zu kommen. Charakteristisch ist auch der häufig zu beobachtende Geschwisterstreit.

Schon als kleiner Junge war Heinrich Bedford-Strohm fasziniert vom Inhalt der Geschichte. Er bangte um das weitere Schicksal des verlorenen Sohns als Schweinehirte, doch dann wendet sich alles zum Guten in den offenen Armen des Vaters. Die Familiendynamik, die da geschildert wird, sei wirklich ein echter Klassiker.

Der jüngere Sohn, das Nesthäkchen, verprasst sein Erbe. Er hat nichts mehr und hütet auf dem Acker die Säue. Doch er darf sich nicht einmal am Saufutter bedienen. Und da besinnt er sich auf die Eltern. Dann geschieht das Unglaubliche. Die Arme des Vaters sind offen. "Mehr Vergebung, mehr bedingungslose Liebe und Annahme gehen nicht." Aber die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Der ältere Bruder ist tief gekränkt. Es ist nachvollziehbar, dass er sich darüber beklagt, dass er so viele Jahre seinem Vater treu gedient hat, aber keinen Dank dafür bekommen hat.

"Warum hat es der Vater ihm nie gedankt, dass er ihm so treu gedient hat? Warum nimmt es der ältere Sohn so persönlich, dass sein Bruder nur das bekommt, was er sich offensichtlich auch immer gewünscht hat?" fragte der Landesbischof in die Runde.

"Ich denke heute an all die Menschen, die in den 200 Jahren des Bestehens dieser Kirche so treu gedient haben, wie dieser ältere Bruder. Die Johanneskirche steht für eine Gemeinde, die durch die Zeiten hindurch, die Botschaft des Evangeliums weitergegeben hat."

Verantwortung übernommen

"Viele sitzen heute hier" so Bedford-Strohm, "die da sind, wenn sie gebraucht werden. Das war und ist nur möglich, weil sie Verantwortung übernommen haben." "Deswegen will ich heute all denen in der Gemeinde einmal ausdrücklich danken, die jeden Tag ihren Beitrag dazu leisten, dass die Gemeinde lebt."

Dieser Dank ist vielleicht die beste Voraussetzung dafür die Worte zu hören, die der Vater seinem älteren Sohn erwidert. "Mein Sohn, du bist allezeit bei mir und alles was mein ist das ist dein." Und bezogen auf den zurückgekehrten Sohn äußert er "er war verloren und ist wiedergefunden."

"Für mich ist dieser Satz", so Bedford Strohm, "die Einladung zu einer fröhlichen, barmherzigen Kirche, die die radikale Liebe Christi selbst ausstrahlt." "Wir wollen das Fest des Lebens im Geiste Jesu Christi mit allen feiern, die sich darauf einlassen wollen, egal woher sie kommen.

Heute dürfen wir 200 Jahres Johanneskirche in Michelau feiern. Ein gemästetes Kalb gibt es vermutlich nicht, aber Coburger Bratwürste! Die zieh' ich jedem gemästeten Kalb vor!", verriet der Landesbischof. "Lasst uns die Liebe Gottes feiern, die wir erfahren, um sie gegenüber den anderen selbst auszustrahlen."

Bürgermeister Helmut Fischer erinnerte an seinen persönlichen Bezug zur Johanneskirche. Sorge bereite ihm, so Fischer, die Entwicklung der Kirchenzugehörigkeit in den Gemeinden. Bekannten sich noch 1978 noch 99,13 Prozent der Bevölkerung zum Christentum so seien es aktuell nurmehr 82,7 Prozent. Dabei fiel der Rückgang bei den evangelischen Christen mit fast 30 Prozent deutlich höher aus als bei den katholischen mit rund zehn Prozent. "Für mich ist das erschreckend und bedauerlich", so Fischer wörtlich. Auch wies er darauf hin, dass die Kirchweih in Michelau eigentlich nicht Anfang Juli, sondern am ersten Sonntag im August gefeiert wird. (Anmerkung der Redaktion: Dieser Termin war aufgrund des Terminkalenders des Landesbischofs jedoch nicht möglich).

Glaubensstarke Michelauer

Der Vorsitzende des katholischen Dekanats Lichtenfels, Dekanatsrat Burkhard Fath, erinnerte in seinem Grußwort an die früheren Beziehungen zwischen Marktgraitz und Michelau. In der Johanneskirche zeige sich die Glaubensstärke der Michelauer. Er gratulierte im Sinn eines guten ökumenischen Miteinanders und überreichte an Dekanin Ott-Frühwald als Zeichen der Verbundenheit ein Kreuz als gemeinsames christliches Symbol.

Das Lied "Geh aus mein Herz, und suche Freud'" leitete über zum Abendmahl, das von der Dekanin und dem Landesbischof gereicht wurde. Am Nachmittag feierte die gesamte Gemeinde.

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