Michelau
Hochwasserschutz

Michelauer Deich: "Klimazuschlag" ist auch eingerechnet

Die Fertigstellung der Deichnachrüstung wurde nicht nur von Michelauer Anrainern gefeiert.
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Ein Einsatz der Feuerwehr verhinderte eine Inbetriebnahme des mobilen Schlauchdeichs.  Foto: Gerda Völk
Ein Einsatz der Feuerwehr verhinderte eine Inbetriebnahme des mobilen Schlauchdeichs. Foto: Gerda Völk
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Die beiden Anwohner Ralph Skotnica und Udo Marx können sich noch gut an das Hochwasser am Heiligabend 1967 erinnern. Damals war die Korbmachergemeinde Michelau massiv betroffen. Im Nachgang des Hochwassers sind beide Buben mit alten Badewannen in den abziehenden Fluten gepaddelt. Heute sind beide Michelauer froh über die erst kürzlich erfolgte Deichnachrüstung.

"So etwas wie in Passau bleibt uns zukünftig erspart", sagt Ralph Skotnica. Vergessen ist die Belastung durch die Baumaßnahme. Vergessen sind auch der viele Staub, der Lärm und die rund 100 Lkw täglich, die ihre Häuser ordentlich zum "Wackeln" gebracht haben. "Wir haben uns gefreut, dass etwas gemacht wurde", erklärt Udo Marx.

Mit einem "Tag der offenen Baustelle" wurde die Fertigstellung der Deichnachrüstung gefeiert. Dazu waren neben geladenen Gästen auch die Anwohner eingeladen. Der stellvertretende Amtsleiter beim Wasserwirtschaftsamt Kronach, Oberregierungsrat Matthias Schrepfermann, erinnerte daran, dass die aus den 70er und 80er Jahren stammenden Hochwasserschutzanlagen den heutigen Anforderungen nicht mehr genügen. Ziel der Nachrüstung ist der Schutz vor einem sogenannten "Hundertjährigen Hochwasser" (HQ 100). Die Verbesserung des Hochwasserschutzes berücksichtigt auch einen "Klimazuschlag" von 15 Prozent.

3000 Einwohner profitieren

Die Maßnahme schützt künftig rund 200 Hektar Siedlungsfläche der Gemeinde Michelau. Davon profitieren rund 3000 Einwohner sowie 60 Betriebe mit etwa 2000 Arbeitsplätzen. Den Baukosten von rund 13,5 Millionen Euro steht bei einem "HQ 100" ein rechnerisches Schadenspotenzial von 80 Millionen Euro gegenüber.

Bürgermeister Helmut Fischer (CSU) sprach von der gewaltigsten Baumaßnahme, die in der Korbmachergemeinde je durchgeführt wurde. Er erinnerte sich noch gut daran, als es 2003 hieß, Michelau brauche einen besseren Hochwasserschutz. Damals sprach man von Kosten in Höhe von 4,5 Millionen Euro mit einem Gemeindeanteil von 25 Prozent. Nach einigen Jahren hieß es dann, die Maßnahme stehen im vorderen Bereich der Prioritätenliste. Fischer erinnerte sich noch gut an die Aussage von Hans Hemmerlein (Wasserwirtschaftsamt Kronach), der sagte: "Wenn er an Michelau denke, könne er nachts nicht mehr ruhig schlafen." Ein erster konkreter Entwurf für den Hochwasserschutz Michelaus lag 2014 vor, damals sprach man von Baukosten in Höhe von 8,3 Millionen Euro und einen Eigenanteil der Gemeinde Michelau von 23 Prozent, die sich durch Übernahme von Unterhaltungs- und Pflegemaßnahmen wie beispielsweise Mähen der Dämme reduzieren ließe.

13,5 Millionen Euro Baukosten

Inzwischen sind die Baukosten auf 13,5 Millionen Euro gestiegen, mit einem Eigenanteil von einer Million Euro für die Gemeinde. Fischer sprach von einer unglaublichen Baumaßnahme mit einem hohen Unterhaltungswert. Als Beispiel führte der Bürgermeister das Gerücht auf, in der Schneyer Straße werde eine Autobahn gebaut, oder die Reaktionen der Bürger aus der Kerngemeinde, die gelassen eine mehrere Kilometer lange Mauer hinnähmen. Wohingegen in einem Michelauer Ortsteil eine 300 Meter lange Mauer eine "mittlere Kriegserklärung" verursacht habe. Aktuell sind noch die Bauarbeiten am neuen Pumpwerk geplant. Ebenso die Baumaßnahmen für den Hochwasserschutz im Ortsteil Schwürbitz, dessen Fertigstellung bis Ende 2020 geplant ist.

Ein neuartiger Mobildeich soll bei einem Hochwasser die Bahnhofstraße im Bereich des Angers verschließen, damit der Ort im Ernstfall nicht volllaufen kann. Allerdings verhinderte ein akuter Einsatz der Feuerwehr eine Demonstration des mobilen Hochwasserschutzes.

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