Michelau
Porträt

Michelauer Blödel-Barde ist eine heimisch-humorige Institution

"Trink- und Bierforscher" Gerd Backert veröffentlich ein Büchlein mit "derben, fränkischen Sprüchen und Lebensweisheiten".
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Was rechts einfloss, mündete links ein. Gerd Backert ist dem geschriebenen Wort verbunden, handschriftlich und gedruckt. Foto: Markus Häggberg
Was rechts einfloss, mündete links ein. Gerd Backert ist dem geschriebenen Wort verbunden, handschriftlich und gedruckt. Foto: Markus Häggberg

Ein "Arztrenner" sei er nicht. Aber er kann sich vorstellen, sich in die Stimme seines Navis zu verlieben. Das eine ist die Wirklichkeit, das andere dient als Idee für ein Lied und beides gehört zum Gesamtbild Gerd Backerts. Der feierte jüngst ein Bühnenjubiläum, ist er doch seit 1978 solistisch unterwegs. Und er hat sein zweites Büchlein veröffentlicht - 214 Seitchen Humor zwischen Wortwitz, Dialekt, Trinksprüchen, Absurdem und gereimter Lebenshilfe.

Nein, das gibt er gerne zu, alle Texte in seinem neuen Büchlein stammen nicht von ihm. Das Ringbuch mit dem Frankenrechen im linken oberen Feld heißt "... und wie schnell ist nichts getrunken" und fasst eine ganze Welt des Humors unter "derbe, fränkische Sprüche und Lebensweisheiten" zusammen. Aber lässt man außen vor, was er in Erinnerung an Freunde und Bekannte textlich aufbewahrt hat, kommt immer noch jede Menge von ihm selbst zusammen.

Angenehme Sonderlichkeit

Besucht man den Korbmachermeister Backert unter der Woche, sitzt er in seinem Michelauer Atelier und arbeitet. Ein Radio läuft, ein Schachbuch steht im Regal, jede Menge Fachbücher dazu, Kataloge, kleine Figuren, ein Heizstrahler ist auch an, und alles in dieser Werkstatt atmet eine gewisse angenehme Sonderlichkeit. Hier ist der Ort, an dem ein Mann, der gerne arbeitet, es mit sich selber aushalten kann. Und immer dabei: das kleine rote Büchlein.

Solche Büchlein haben Backert sein Leben lang begleitet, immer dann, wenn es galt, eine Textzeile und einen Gedankenfetzen festzuhalten. Aber bei Auftritten hat er solche Bücher nicht, dann muss er "frei Schnauze" vortragen. Seit 1978 ist der einstige Bandmusiker, der vorher in einer Big-Band und nachher u. a. in der mit Stars auftretenden Band "Playboys" spielte, als Solo-Künstler unterwegs. Doch vor 20 Jahren setzte der Grund zu einem von ihm heute gehegten Verdacht ein. Der Frage, wie er sich nur all seine Texte merken kann, begegnet der 76-Jährige mit Verblüffendem. "Keine Ahnung (...), aber ich kann mir jetzt mehr als früher merken. Ob es nicht vielleicht doch mit dem Schlagzeugspiel zusammenhängt?" Ein solches fordert Konzentration, denn der linke Arm spielt einen anderen Takt als das rechte Bein, der rechte Arm tut wiederum etwas anderes und alles zusammen muss koordiniert werden. Hochleistung für das Gehirn. "Nachts im Bett habe ich Trockenübungen dazu gemacht", fügt Backert noch an.

Stammtische als Stimuli

"Ohne Papier und Stift gehe ich nicht außer Haus", so der auf Seite 83 selbst ernannte "Trink- und Bierforscher". Und irgendwie muss er auch außer Haus gehen, damit ihm etwas einfällt, damit Geschichten und Begebenheiten zu ihm kommen, denn "immer wenn ich mich hinsetze und dazu was machen will - das geht nicht". Klar, bei der Arbeit kommen ihm originelle Einfälle, aber im Regelfall braucht Backert das Unterwegssein und die Stammtische als Stimuli.

"Atmosphäre" eben, wie er sagt. Dort entstehen so "Sager" wie "Wenn's aufhört anzufangen, geht's net los." Doch in 40 Jahren, in denen er vor allem am Obermain rumkam und seine mitunter auch frivolen Lieder sang, habe ihn eine Frau darum auch mal gescholten. Doch was er singt, gebe absolut nicht seine persönliche Meinung wider. "Ich trink' ja nix", erklärt er in Bezug auf Trinklieder, schiebt aber sogleich nach, dass er Lieder dazu gerne mit dem Satz "Die Polizei kennt mich" eröffne, gerade so, als sei er ein in Polizeikontrollen geratender Zechbruder. "Ich tu' halt gern a bissl sticheln", sei sein Rezept. Wann genau er 1978 erstmalig solo aufgetreten ist, daran kann sich der in Michelau arbeitende und in Bad Staffelstein wohnende Mann, der dann und wann für seinen Schachklub Michelau am Brett sitzt, nicht mehr so genau erinnern. Aber bei dem Jahr ist er sich sicher.

Mit Trinkliedern begonnen hat es nicht. Auch nicht mit fränkischen Sprüchen a la "Siehst du die Schwiegermutter im Sumpf versinken, geh' vorbei und lass' sie winken".

Denn: "Ich war innerlich immer a alter Rock 'n' Roller." Doch begonnen hat es bei einer Big-Band namens "Santa Fe". Vom Chrysanthemen-Ball 1958 hat er sogar noch ein Inserat aufgehoben. Bei dieser Big-Band sei er eher zufällig gestrandet. Wohl weil er sich als Gitarrist für besser hielt, als er war, dann aber doch behalten wurde. Später spielte er bei den "Comets" und dann machte er sich den Namen als "Singender Korbmachermeister". Längst ist er Mitglied bei der Gema und hat 45 Lieder angemeldet. Singen, poltern, witzeln, sticheln und kuriose Lieder singen will er noch lange.

Die Gesundheit spielt mit, vielleicht auch gerade, weil er nicht zu Arzt rennt, wie Backert erklärt. Überhaupt wirkt der Musikant nicht so, als gräme er sich wegen des Alters. Ans Aufhören denke er nie, sagt er, und wenn ihm ein Text einfällt, dann könnte ihn der nächste Weg zu seinem Auto führen, wo im Kofferraum "griffbereit die Gitarre liegt". Beispielsweise wenn ihm eine kuriose Geschichte einfällt, weshalb sich ein Mann in die weibliche Stimme seines Navis verlieben könnte und was das für Konsequenzen haben könnte. In seinem neuen Buch, welches in Buchhandlungen des Landkreises zu kaufen ist, steht das nicht. Dafür eben anderes.

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