Burgkunstadt
Ausstellung

Meister ihres Fachs stellen in Burgkunstadt aus

"Die Achte" wurde im Beisein von mehr als 100 Kunstinteressierten in der Produzentengalerie für Gegenwartskunst in Burgkunstadt eröffnet.
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Gerd Kanz Foto: Mathias Walter
Gerd Kanz Foto: Mathias Walter
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Gerade mal ein Jahr hat es gedauert und die Produzentengalerie für Gegenwartskunst in Burgkunstadt hat sich zum gefragten Treffpunkt der Freunde Bildender Kunst in Oberfranken gemausert. Eindrucksvoll belegt wurde diese Feststellung zur Vernissage am vergangenen Samstag, als "Die Achte"-Ausstellung im Beisein von mehr als 100 Kunstinteressierten eröffnet wurde. Gezeigt werden Werke der Maler Anatole Ak (Linz in Oberösterreich) und Gerd Kanz aus Untermerzbach (Unterfranken), beides international gefragte Künstler und Meister ihres Fachs. Beide sind kreative Überzeugungstäter, deren Bilder zwar zunächst recht gegensätzlich erscheinen, letztlich aber durch ihre "abstrakte Natürlichkeit" zu einem gemeinsamen Nenner finden.

Fragil, leicht, insektenhaft

Der Bamberger Kunsthistoriker Dr. Matthias Liebel, der nicht das erste Mal in der Burgkunstadter Produzentengalerie die Einführungsrede hielt, sprach vom "Changieren zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion". Beide Künstler arbeiten auch quasi in Serien, sie bleiben bei der Basis, dem Grundsätzlichen ihrer Motive, die sie immer wieder auf dem Bilduntergrund perfektionieren. Während dieser bei Anatole Ak (62) Leinwand oder Papier ist, sind es bei dem zehn Jahre jüngeren Gerd Kanz Holztafeln, die er - bevor sie mit pastellartigen Farben in Berührung kommen -, mit dem Hammer und dem Stechbeitel bearbeitet. Kanz' Bilder wirken trotz des massiven Untergrunds fragil, erinnern an Insekten, scheinen leicht.

Fulminant aufgebrachtes Farbspektakel

Ganz anders bei Anatole Ak, der zwar auch "in Serie" - zumindest was die Motive anbelangt - arbeitet. Bei ihm ist es eigentlich die Farbe, die den Untergrund bildet; eruptiv hingeworfen, mit breitem Pinselstrich aufgetragen, wieder abgeschabt und erneut fast schon feist darübergestrichen. Matthias Liebel: "Es entsteht ein wabernder Farbgrund mit darunter und darüber gelegenen Schichten, die den Arbeiten ihre vibrierende Lebendigkeit und ihre räumliche Tiefe verleihen." Hinzu kommen manchmal an Kinderzeichnungen erinnernde grafische Elemente, die bei dem Österreicher Ak eine nicht zu übersehende Rolle spielen. Interessant auch, dass sich die zunächst abstrakt anmutenden Bildinhalte bei Anatole Ak durchaus als gegenständlich entpuppen. Der Betrachter entdeckt Maritimes ebenso wie Stillleben, mitunter nur als Striche auf dem fulminant aufgebrachten Farbspektakel.

"Ganz wunderbar", so der Bamberger Kunsthistoriker Liebel, "werden den oft auf maritime Sujets ausgerichteten Werken von Anatole Ak die Gemälde von Gerd Kanz an die Seite gegeben: Darstellungen von bienen- und schmetterlingsartigen Wesen, von Naturlandschaften oder Stillleben mit Vasen, Schalen und Blumen, von gleichfalls aus der Natur abgeleiteten Sujets." Die freilich erschließen sich dem Betrachter - ganz ähnlich wie bei den Gemälden von Anatole Ak - erst nach einer gewissen Zeit des "Einlesens".

Gerd Kanz, geboren in Erlangen, lebt und arbeitet in Untermerzbach. Seine Werke vereinen faszinierend Elemente der Malerei und Bildhauerei, farbflächige und reliefartige Elemente, die zu einer frappierenden Leichtigkeit des Motives verschmelzen. Matthias Liebel in seiner Eröffnungsrede: "Ausgangs- und Trägermaterial seiner dreidimensionalen Bilder sind in aller Regel hölzerne Platten, deren Oberfläche mit Stemmbeitel, Hammer oder auch mit der Axt linear aufgebrochen, manchmal gar flächig gesprengt und anschließend nach formgestalterischen Gesichtspunkten neu zusammengesetzt werden. In bildhauerischen Arbeitsgängen entsteht nach und nach ein reliefartiges Liniengerüst, dessen Schatten und dessen Verlaufsrichtungen den motivischen Zusammenhang des späteren Bildwerks definieren." Das so entstehende reliefartige Grundgerüst überarbeitet Gerd Kanz abschließend mit Öl- oder Pigmentfarben: in sanften Grau- und Erdtönen, mit zarten Übergängen fein nuanciert und abgestuft, so dass am Ende ein farb- und kompositionsästhetisch harmonisches Ganzes entsteht.

Anatole Ak und Gerd Kanz bewegen sich - bei aller Unterschiedlichkeit ihrer Arbeiten - gleichermaßen zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion. Wobei freilich letztere überwiegt. Beide Künstler sind Hochkaräter ihres Fachs und genießen in eben diesen Fachkreisen höchste Anerkennung. Was sich nicht zuletzt auch in den Kunstpreisen manifestiert, die beide bereits gewonnen haben, oder in den Einzel- und Gruppenausstellungen, die die Künstler nach Europa und nach Übersee geführt haben. Dass es der Produzentengalerie Burgkunstadt gelungen ist, Gerd Kanz und Anatole Ak für die Ausstellung einer Auswahl ihrer Arbeiten zu gewinnen, bezeichnete Matthias Liebel als "großen Glücksfall".

Information:

"Die Achte", Ausstellungsdauer: 10. bis 24. März; Öffnungszeiten jeweils Samstag und Sonntag von 14 bis 18 Uhr bzw. nach telefonischer Terminvereinbarung.

Produzentengalerie Burgkunstadt für Gegenwartskunst, Schönberg 3, 96224 Burgkunstadt,

Telefon 0 95 72 / 8 72 40 06, produzentengalerie-burgkunstadt@gmx.de, www.produzentengalerieburgkunstadt.de

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