Lichtenfels
Porträt

Mehr als nur der Chauffeur

In wenigen Tagen geht Georg Hennemann, der Fahrer des Landrats, in den Ruhestand. 20 Jahre war er in dieser Funktion für die Landräte Leutner und Meißner tätig. Wir sprachen mit ihm über seine beruflichen Erlebnisse.
Artikel drucken Artikel einbetten
Georg Hennemann an seinem Arbeitsplatz. Am 11. Dezember ist sein letzter Arbeitstag als Fahrer des Landrats.Heidi Bauer-Vetter
Georg Hennemann an seinem Arbeitsplatz. Am 11. Dezember ist sein letzter Arbeitstag als Fahrer des Landrats.Heidi Bauer-Vetter

Ein Fahrer eines Landrats ist mehr als nur das. Mit seinem Chef verbringt er zahllose Stunden im Dienstwagen. Ein Cheffahrer muss diskret und loyal sein. Dienstliche Interna bekommt er ebenso mit wie Privates. Für die Bürger ist er oft Ansprechpartner. Wenn er auf seinen Chef wartet, sprechen die Leute ihn an: "Des musst du dem Landrat mal sagen!"

Georg Hennemann war 20 Jahre Landratsfahrer. 50 000 Kilometer legte er durchschnittlich pro Jahr zurück. Er brachte die Landräte Reinhard Leutner und Christian Meißner sowie die stellvertretenden Landräte Georg Dora, Peter Riedel und Helmut Fischer (alle CSU) unfallfrei ans jeweilige Ziel.

Wandel bei den Dienstwagen

"Das Wichtigste ist die Sicherheit", findet er, "und dass der Chef pünktlich von A nach B gebracht wird." Als er seinen Dienst 1998 begann, waren die Autos noch nicht so vollgestopft mit Elektronik und Sicherheitstechnik wie heute. "Es hat lange gedauert, sich an die Technik zu gewöhnen, weil die Autos ja heute mitdenken", sagt der 63-Jährige. Die elektronischen Assistenten möchte er nicht mehr missen - ebenso wenig wie das Navi, denn das erleichtert das Finden eines Zielorts ungemein.

Georg Hennemann stammt aus Stublang und hat zunächst Bierbrauer und Mälzer gelernt. Als die Stelle des Landratsfahrers 1998 ausgeschrieben war, bewarb er sich darauf. Unter 80 Bewerbern kamen drei in die engere Wahl und sollten sich bei Landrat Leutner vorstellen. Georg Hennemann war der Letzte dieser Drei. Nachdem ihm ein anderer Bewerber kurz zuvor gesagt hatte, die Stelle sei vergeben, machte er sich nicht mehr viele Hoffnungen. Ohne sich noch Chancen auszurechnen ging er ins Gespräch, das in lockerer Atmosphäre verlief. "Sie sind der letzte Bewerber - für mich sind Sie jetzt Nummer Eins", schloss der Landrat die Examination. Die Chemie passte, Georg Hennemann wurde eingestellt.

Bei seiner ersten dienstlichen Tour brachte er Landrat Reinhard Leutner zum Neujahrsempfang in der Münchner Residenz. "Ich war mords aufgeregt", erinnert er sich, denn am Zielort kreuzten Hunderte Limousinen mit Fahrern auf. Hier lernte er erstmals die Atmosphäre kennen, die ihn fortan zwei Jahrzehnte begleiten sollte: "Für die Fahrer ist immer gesorgt", erzählt er. Während die Chefs ihren Termin wahrnehmen, sitzen die Chauffeure in Aufenthaltsräumen oder an separaten Tischen im Restaurant. Unter den Fahrern, ergänzt er, herrsche ein besonderer Korpsgeist, ein Zusammenhalt, aus dem oft Freundschaften wurden. Die Ziele seiner Dienstfahrten lagen vor allem in Bayern, aber auch in Berlin und 16-mal in Brüssel. Viele interessante und berühmte Leute hat er bei diesen Terminen gesehen: Von Franz Beckenbauer und Peter Maffay bis zu Iris Berben und Angela Merkel.

Die erste Fahrt nach Brüssel absolvierte er noch klassisch - er fuhr nach Karte. Weil es anfangs nur ein einziges Handy im Dienstwagen gab, hütete er zunächst auch das Mobiltelefon in seiner Zusatzfunktion als Sekretär und Fotograf. Einmal, es war in Bad Steben, klingelte das Handy. Georg Hennemann meldete sich - und hatte Edmund Stoiber am Apparat. Das war für ihn schon überraschend.

Heute ist der Dienstwagen des Landrats ein fahrendes Büro mit Telefon und Laptop. Und mit Massagesitzen, was jedoch bei langen Fahrten kein Luxus ist.

Ansprechpartner für die Bürger

Für Georg Hennemann ist der Team-Gedanke ganz wichtig: "Sekretärinnen, Fahrer und Landrat müssen harmonieren. Und die Chemie zum Chef muss passen." Für die Fahrer gilt im Besonderen: "Wir sind Ansprechpartner für die Bevölkerung." Er ist sehr dankbar für den Zuspruch, den er seitens der Bürger bei dienstlichen Terminen immer wieder erfahren hat: "Ich wurde überall super aufgenommen."

Am 11. Dezember ist Georg Hennemanns letzter Arbeitstag. Er freut sich darauf, mit seiner Frau Gundi im nächsten Jahr eine vierwöchige Reise mit dem Wohnmobil durch Kanada zu machen: "Die Reise ist schon gebucht." Das ist ein Dankeschön für seine Frau, die über all die Jahre hinweg das Familienleben mit seinem Dienstplan in Einklang bringen musste. Seine Frau sagt: "Die Familie musste schon Rücksicht nehmen, vor allem an Wochenenden." Auf bis zu 250 Stunden monatlich kommt ein Cheffahrer im Durchschnitt.

Fahren allein genügt nicht. Als Chauffeur des Landrats hatte Georg Hennemann die Verantwortung für den ganzen Fuhrpark der Behörde - immerhin 15 Fahrzeuge: Termine zur Hauptuntersuchung, Leasingverträge, Unfallabwicklungen, Winterreifenwechsel...

Fast wie bei 007

Die heutigen Dienstwagen sind auf einem Niveau, als hätte "Q" sie frisiert, der Leiter der Technischen Abteilung in den Bond-Filmen. Alle zwei Jahre muss ein Cheffahrer deshalb auf dem jeweiligen Auto ein Fahrsicherheitstraining absolvieren. Georg Hennemann wundert sich selbst darüber, wie weit die Technik fortgeschritten ist: Alle Infos seien inzwischen digital auf dem Zündschlüssel gespeichert. Den aktuellen Dienstwagen, einen 7er-BMW, könne er ferngesteuert aus einer Parklücke fahren oder in die Garage bugsieren. An die jeweiligen technischen Neuheiten gewöhnte er sich schnell, weil er sich dafür sehr interessierte.

FC Bayern ist immer ein Thema

"Es geht ums Menschliche", sagt Landrat Christian Meißner, der sehr zufrieden mit seinem Cheffahrer ist. Als Sohn von Georg Meißner, der bis 1998 Landratsfahrer gewesen ist, kannte er Georg Hennemann schon lange, bevor er selbst Landrat wurde. Es war also keine Frage, dass er ihn als Cheffahrer übernehmen würde. Dass beide FC Bayern-Fans sind, erleichterte die Sache ungemein. Christian Meißner: "Dass er fußballmäßig auf der richtigen Seite steht, ist eine tolle Sache. Wir mussten da schon vieles nachbesprechen."

"Mir hat's immer Spaß gemacht", resümiert Georg Hennemann, dessen nächstes Dienstauto ein Wohnmobil sein wird. Zudem will er weiter Musik auf dem Schifferklavier machen - zusammen mit Hans Böhmer als "Lautergrundmusiker".

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren