Lichtenfels
Amtsgericht Lichtenfels

Matthias Huber neuer Amtsgerichtsdirektor

Vor wenigen Tagen erst hat Matthias Huber seine Arbeit als Amtsgerichtsdirektor in Lichtenfels aufgenommen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Matthias Huber
Matthias Huber
+1 Bild

Das Zimmer des Direktors kannte Matthias Huber schon aus einer Zeit, als es noch von einer dunklen Schrankwand in Eiche dominiert wurde und Armin Wagner hier am Schreibtisch saß. Damals kam Huber als Vertreter der Staatsanwaltschaft Coburg zu Gerichtsverhandlungen ins Haus. 2016 gab es einen Wechsel in der Behördenleitung, die Möbel sind zwischenzeitlich heller und moderner geworden, ein verstellbarer Schreibtisch kann nach langen Sitzungen zu etwas mehr Bewegung verhelfen. Er steht auf dem Parkettboden, der das altehrwürdige Gebäude durchzieht und zu dessen besonderem Charme beiträgt. Auch nach vielen Jahren ist der hohe Raum wiedererkennbar.

Der neue Chef ist erst vor wenigen Tagen hier eingetroffen, die zwei großformatigen Bilder, die er mitgebracht hat, sind noch nicht aufgehängt. Er hat sich bemüht, jeden der rund 50 Mitarbeiter zumindest einmal zu sehen. Dass es sich um ein gut funktionierendes Team handelt, habe ihm seine Vorgängerin Ulrike Barausch im Übergabegespräch geschildert, sagt Huber. Sein erster Eindruck bestätige das. Und auch wenn er sich noch nicht konkret mit den Statistiken befasst hat, die die Dauer von Verfahren festhalten und mögliche Schwachstellen aufzeigen: Er weiß, dass die Arbeit "in erfreulichen Zeiträumen" erledigt werde, dass die Bereitschaft bestehe, bei Engpässen auszuhelfen. Sich selbst versteht er nun als Teil dieses Teams, in der Verantwortung für eine Fülle von Aufgaben.

Eine Fülle von Aufgaben

Mit dem Amtsgericht hat irgendwann wohl jeder im Leben mal zu tun: Grundstücksgeschäfte, Betreuungen, Nachlassverfahren - wer kommt, erwartet eine Dienstleistung. Um richterliche Entscheidungen, Einhaltung gesellschaftlicher Regeln und Sanktionen geht es in zivilrechtlichen Streitigkeiten und Strafverfahren. Die neue Aufgabe, für die sich Matthias Huber nach Ausschreibung im Justizministerialblatt beworben hatte, bringt einen Seitenwechsel mit sich, wieder einmal.

Rechtsanwalt und Richter war er schon; den größten Teil seiner beruflichen Tätigkeit hat er auf Seiten der Staatsanwaltschaft verbracht. Jetzt wieder Richter, speziell für Jugendliche und Heranwachsende im Landkreis zuständig. Er sieht es als neue Herausforderung: "Das ist auch schön an diesem Laufbahnwechsel, dass man immer wieder neu gefordert wird und das Verfahren mal wieder von der anderen Seite sieht."

Gerade in Jugendsachen ist ihm eine schnelle Ahndung wichtig, idealerweise ein Termin innerhalb eines Monats nach Akteneingang, damit der erzieherische Effekt noch gegeben ist. Ein Miteinander von Gericht und Einrichtungen der Jugendgerichtshilfe ist in seinen Augen auch hier entscheidend für den Erfolg. Das bewährte Projekt "Meilenstein" aus dem Landkreis Lichtenfels kennt er schon von seiner staatsanwaltlichen Tätigkeit und ist froh darüber, weil man damit auf Jugendliche einwirken könne.

In anderen Strafverfahren, wo mehr Leute unter einen Hut gebracht werden müssen - Anwälte, Zeugen, Sachverständige - sei nicht immer so schnell ein Termin machbar, wie es dem Richter vorschweben mag und auch nicht immer ein Sitzungssaal frei.

Die Justizlaufbahn ist geprägt von Veränderung. Nicht nur, was die Rollen in Verfahren betrifft. Gesetze ändern sich ständig. "Man muss versuchen, immer auf dem aktuellen Stand zu bleiben", sagt Matthias Huber. Von Erfahrungen profitieren kann man im Umgang mit Betroffenen: Man werde im Laufe der Zeit besser darin, Menschen und Aussagen einschätzen zu können, findet Huber.

Und wie ist das mit den Aktenbergen im Zeitalter der Digitalisierung? "Die Papierakte wird irgendwann ausgedient haben", ist sich der neue Amtsgerichtsdirektor sicher. Nur wann, da gebe es keinen Zeitplan. Erste Pilotierungen laufen. Ein digitales Grundbuch werde in den nächsten Jahren kommen, zum Teil sei es ja schon digitalisiert. Weil die Bücher aber mitunter sehr alt seien, werde nicht in allen Fällen eine automatische Übernahme möglich sein. "Es bedarf einer personellen Vorbereitung, dass man alte Grundbuchblätter so aufarbeitet, dass sie elektronisch erfasst werden können. Das wird eine Zeit dauern." Dass Anträge zu Eigentumsumschreibungen im Grundbuchamt schon heute in der Regel am Eingangstag erledigt werden, lässt er nicht unerwähnt. "Das muss so funktionieren, weil da viele darauf warten." Wegen einer Darlehensvergabe beispielsweise oder eines geplanten Baubeginns. Die Einführung der elektronischen Akte in Verwaltungsangelegenheiten werde ein nächster großer Schritt.

Was macht der neue Amtsgerichtsdirektor in seiner Freizeit? "Ich habe zwei Kinder", sagt er und lacht. Will heißen: Der Tag ist ausgefüllt. Ein bisschen Sport ist noch drin, als Ausgleich. Immerhin spart er sich jetzt im Vergleich zu seiner letzten Stelle in Bamberg mehr als die Hälfte der täglichen Fahrzeit.

Zur Person

Matthias Huber (* 1970 in München, aufgewachsen in München und Unterfranken) hat in Würzburg Jura studiert. Stationen Referendariat in Würzburg, Anwaltstätigkeit in Bamberg, Staatsanwalt und Richter in Coburg, Mitarbeit beim Generalbundesanwalt in Karlsruhe (2003-06) sowie beim Bundesjustizministerium in Berlin (2008/09), zuletzt Oberstaatsanwalt in Bamberg Privat Lebt mit seiner Familie in Coburg, zwei Töchter (6 und 8 Jahre).pp

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren