Unnersdorf
Hobby

Maria Hellwig aus Unnersdorf geht jetzt mit Ken

Gertrud Tischler aus Unnersdorf sammelt Barbie-Puppen. Doch nicht die Figuren sind es, die sie faszinieren. Sie findet vor allem Spaß daran, schicke Kleider für die Puppen zu häkeln oder zu stricken. Unter Dutzenden Barbies ist nur ein Ken.
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Gertrud Tischler mit drei ihrer zahlreichen Barbie-Puppen, für die sie selbst Kleider häkelte: Neben der Hellwig und ihrer Tochter in Trachtenjankern sitzt der einzige Ken ihrer Sammlung. Foto: Matthias Einwag
Gertrud Tischler mit drei ihrer zahlreichen Barbie-Puppen, für die sie selbst Kleider häkelte: Neben der Hellwig und ihrer Tochter in Trachtenjankern sitzt der einzige Ken ihrer Sammlung. Foto: Matthias Einwag
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Was haben Barbie und die Jodelkönigin Maria Hellwig gemeinsam? Beide lieben denselben Mann: Ken! Beziehungsstress haben Barbie, Maria und Ken trotzdem nicht. Das Dreiecksverhältnis funktioniert stressfrei. Diese harmonischen Hellwigs sind eine Puppenfamilie, in der Polygamie nichts Verwerfliches ist.
Chefin der zwölf Dutzend Barbies ("ich hab' ein paar Karton' voll") ist Gertrud Tischler. Wie viele dieser schlanken Puppen sie genau besitzt, weiß die 72-Jährige gar nicht genau.

An diesem Januartag hat sie ihren bestrickenden Hofstaat im Wohnzimmer um sich versammelt. Rund 50 Barbies sitzen bunt durcheinander auf Sofa und Fensterbrett und lächeln stumm vor sich hin. Inmitten des knallbunten Weibervolks thront Ken; bekleidet ist er mit einem gestrickten grün-weißen Trachtenjanker und einem breitkrempigen Hut mit weißer Feder. Die Feder verleiht ihm etwas Verwegenes, so dass er ein wenig an Robin Hood erinnert.


Barbies als bunte Smarties

Was die Mode betrifft, ist Ken ein Kenner, ein modebewusster Trendsetter. All die Barbies, die in umgeben sind schick in Strick gekleidet. Wie die bunten Smarties sitzen sie auf der Couch. Mit eingefrorenem Colgate-Lächeln scheinen sie einen Eisvogel zu beobachten im Futterhäuschen vorm Fenster flink Sonnenblumenkernen knabbert.

Gertrud Tischler hat all die Kleider und Jacken, die Hüte, Handtaschen, Hosen und Schuhe im Lauf der Jahre selbst gestrickt oder gehäkelt. Seit rund zwölf Jahren geht sie diesem Hobby nach. Seit sie nicht mehr berufstätig ist, hat sie viel Zeit. "Ich stricke und häkle beim Fernsehen - damit ich nicht einschlafe", erklärt sie verschmitzt.

Ihr Mann ist vor Jahren gestorben, der Sohn längst aus dem Haus, Enkel hat sie nicht. So findet sie Muße für die Handarbeiten, denn Gertrud Tischler strickt und häkelt ihr Leben lang gern. Doch wie kam es, dass sie ihr Hobby ausweitete und modische Kleider für Puppen schuf? Eine Bekannte brachte ihr von Flohmärkten immer wieder Barbies mit. Diesen Puppen verpasste Gertrud Tischler erst einmal eine Vollreinigung in der Waschmaschine. Erst dann kleidete sie die Barbies neu ein.

" ... keine zwei Gleichen dabei"

Die Kleider entstehen aus der Laune spontaner Kreativität heraus. "Da sind keine zwei Gleichen dabei", sagt die Strickmodenschöpferin und grinst. Dabei nimmt sie ihr Hobby selbst nicht ganz ernst; es sei eine Beschäftigung, die ihr eben Freude mache. Andere Menschen sammeln Briefmarken.

Kleider, Hüte und Accessoires entstehen aus Wollresten, die hier und da übrig geblieben sind. Die schrillen Farben ihrer Kollektion erheitern sie: "Ja, ich mag grelle Farben."
Welche ihre Lieblings-Barbie ist? Gertrud Tischler überlegt nicht lange: "Des is' die Hellwig", antwortet sie, "und ihr' Tochter". Und Ken natürlich.

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