Lichtenfels
Nachruf

Maler und Bildhauer Hubert Weber gestorben

Seine Kunst machte Hubert Weber weit über die Grenzen Oberfrankens hinaus bekannt. Am Montag starb der Lichtenfelser Künstler im Alter von 92 Jahren.
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Hubert Weber vor einem Selbstporträt. Fotos: privat
Hubert Weber vor einem Selbstporträt. Fotos: privat
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Für Hubert Weber bestand das Leben aus Ringen. Aus den wachsenden Ringen Rainer Maria Rilkes: "Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen, die sich über die Dinge ziehn. Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen, aber versuchen will ich ihn." Dieses Motiv hat den Künstler immer wieder beschäftigt, in vielen seiner Werke taucht es auf.

"Er hätte schon noch einen vollbringen können", sagt sein Schwiegersohn Gerhard Fehn. Bis zuletzt sei Hubert Weber geistig fit gewesen, "ich male, bis mir der Pinsel aus der Hand fällt", habe er immer gesagt. Seit vergangenem Montag malt er nicht mehr. Der Maler und Bildhauer, der weit über seine Heimat hinaus bekannt war, verstarb in den Armen seiner Tochter Ulrike.

Humorvoll. Das ist das erste, was Ulrike Fehn über ihren Vater sagt. Humorvoll und lebensbejahend sei er gewesen, er habe nie mit seinem Schicksal gehadert. Dabei war es eines der schwersten, die man sich vorstellen kann: Mit 21 Jahren verlor Hubert Weber auf dem Weg vom Balkan an die russische Front beide Arme, als er zwischen zwei Waggons fiel und vom Zug überrollt wurde.

Chirurg entdeckt sein Talent

Er wurde in ein Wiener Lazarett gebracht, sein Vater tat alles, um ihm zu helfen. Er wandte sich an den weltberühmten Chirurgen Ferdinand Sauerbruch. Zehn Mal operierte der ihn in den Jahren 1941 und 1942, überspannte Hubert Webers linken, völlig zerstörten Oberarm mit dessen halbem Schienbein. Der junge Mann bekam zwei sogenannte Sauerbruch-Prothesen, die mit winzigen Elfenbeinstäbchen an seinen Sehnen befestigt wurden und die er bewegen konnte, "ohne zu denken", wie Tochter Ulrike erklärt.

Der Chirurg war es auch, der Hubert Webers künstlerisches Talent entdeckte und förderte. "Hubert", habe er gesagt, "du darfst nicht nur ein Hobbykünstler werden, du musst studieren und die Kunst zu deiner Lebensaufgabe machen!"

Schon in der Heilungsphase besuchte Hubert Weber deshalb einen Einführungskurs, studierte später an den Akademien der Bildenden Künste in Nürnberg, Ellingen und Stuttgart, wo er in der Meisterklasse von Willi Baumeister arbeitete.

Er gestaltete über 20 Kirchen

Er entdeckte die Kunst am Bau für sich und gestaltete im Lauf der Zeit über 20 Kirchen, Universitäten, Schulen, Krankenhäuser und Verwaltungsgebäude in ganz Deutschland. Dafür bekam er unter anderem den Staatspreis der Universität Münster/Westfalen.

Seine Wandmalereien, teils hoch oben, führte der Künstler selbst aus, stand aber auch abseits der Kunst voll im Leben: Er schwamm, fuhr Rad und Ski. "Die steilsten Pisten ist er ohne Stöcke runter", erinnert sich Ulrike Fehn. Mit jedem habe er sich unterhalten, viele hätten, trotz seines gestenreichen Erzählstils, nicht bemerkt, dass er Prothesen statt Hände hatte.

Hubert Weber gründe auch den Lions-Club mit, engagierte sich 17 Jahre lang ehrenamtlich als Kreisheimatpfleger, wofür er 1996 das Bundesverdienstkreuz am Bande erhielt. Immer wieder neue Ringe entstanden so unter seinen künstlichen Händen. Den letzten hat er nicht mehr vollbracht. Aber versucht hat er ihn.



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