Michelau
Kabarett

Mac Härder jongliert in Michelau mit den bösen Buben

Der fränkische Kabarettist Mac Härder rechnet in Michelau mit Erdogan, Putin und Trump ab. Aber auch die Rentner bekommen ihr Fett weg.
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Wer kennt heute noch die Testbilder die ARD und ZDF nach Sendeschluss ausgestrahlt haben. Mac Härder inspirierten sie zu seinem neuen Outfit. Foto: Klaus Gagel
Wer kennt heute noch die Testbilder die ARD und ZDF nach Sendeschluss ausgestrahlt haben. Mac Härder inspirierten sie zu seinem neuen Outfit. Foto: Klaus Gagel
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Keiner jongliert mit den Großen der Zeitgeschichte so locker wie der "König der Franken" Mac Härder. Als leere Flaschen lässt er Recep Tayyip Erdogan, Wladimir Putin und Donald Trump durch die Luft wirbeln. Sie überschlagen sich genauso wie in einer weiteren Jonglage ein Appel und ein Ei und ein Medizinball.


"Wir haben nicht gegoogelt, wir haben überlegt"


Nicht weniger geschickt jongliert Mac Härder mit Worten. Sein neuestes Programm "Wir haben nicht gegoogelt, wir haben überlegt" ist gespickt mit zahllosen Spitzen gegen die Smartphone-Generation und die Rentner.

Mac Härder, der zum Warm-Up im glänzend blauen Showmaster-Outfit gleich mehrfach auf die Bühne stürmt, um den Willkommensapplaus des Publikums voll auszukosten, kennt keine Tabus. Er schreckt dabei auch vor Selbstkritik nicht zurück und outet sich als ein "DD" - ein digitaler Depp. Dabei kennt er sich mit den unterschiedlichen Passwörtern von Männern und Frauen bestens aus und beweist sein Stärke im Kopfrechnen.

Im Altenheim hat er sich schlau gemacht. "3 mal 4 ist 67" weiß da einer, und der zweite findet als Lösung den Mittwoch. Erst der dritte Senior weiß die Lösung, nämlich zwölf. Und wie hat der das gemacht? Ganz einfach: 67 durch Mittwoch geteilt.


Die Blondine zwischen zwei Terroristen


Und so blödelt er sich zur Freude des Publikums durch sein Zwei-Stunden-Programm. Auch die katholische Kirche bekommt ihr Fett weg, egal ob es sich da ums Zölibat oder verheimlichte Pfarrerstöchter handelt. Und wie steht es mit gleichgeschlechtlichen Lebensformen im Kloster?
Seit den Anschlägen von Paris gibt es eine Selbstverpflichtung unter den Kabarettisten, das jeder auf der Bühne mindestens einen islamistischen Witz erzählen müsse. Deshalb: Was ist eine Blondine, die zwischen zwei islamistischen Terroristen sitzt? - Nicht die Dümmste.

"War's denn früher besser?" Klar, auch früher gab es schon Terroristen, man denke nur an die RAF. Härder erinnert sich auch an die Erfahrungen in gelben Telefonhäuschen, den VW Käfer oderdie Besuchszeiten in deutschen Krankenhäusern. Fazit: "Früher war manches besser, obwohl eigentlich vieles schlechter war."

Frenetischen Applaus erhält er für seine Jonglage mit den "Drei Durchgeknallten" der Zeitgeschichte, mit denen die Deutschen aktuell ihre größten Probleme haben. Und wozu braucht die Welt Twitter und Facebook? Das war früher der Stammtisch - "der war genauso ausländer- und fremdenfeindlich".
Durch Google und Wikipedia kann man Besserwisser und Klugscheißer viel leichter entlarven. Denken ist wie googeln nur krasser. Und mit fränkischen Wörtern wie "pritschabrad" kann Google eh nichts anfangen.


Das kleinste fränkische Längenmaß


Mit exakten Zahlen hat's der Franke nicht. Da ist der "Meter" als Zollstock zwei Meter lang. Deshalb lautet auch das kleinste fränkische Längenmaß "des passt nicht ums Arschlecken". Fränkisch das ist schö, schönster am schönsten.

Mit einer Einführung in die weltweiten Begrüßungsrituale startet der zweite Teil des Programms. Das Publikum lässt sich begeistert anstecken. Am deutschen Wesen soll die Welt genesen. Die Integration der Asylbewerber liegt Mac Härder am Herzen - und er gibt praktische Tipps. Obwohl er bewundernd feststellt, dass die Muslime noch richtige Männer sind. Dagegen erschienen deutsche Männer weichgespült. Frauen gegenüber trauten sie sich nicht mehr die Wahrheit zu sagen. Das Szenario, das er mit Thomas in der ersten Reihe durchspielt, hat es in sich.


Willkommen in der Rentner-Mafia


"Rentner, ihr seid jetzt dran" - mit Macht zieht er über die graue Generation her. Lautstart wettert er über die Diktatur der Marcumar-Mafia. Die Rentner könnten doch einen eigenen Erdteil gründen, den der Inkontinenten. Und sie würden immer mehr, denn Rentner seien ein nachwachsender Rohstoff. Doch das Allerschlimmste für Mac Härder ist, dass er diese Nummer nicht mehr lange spielen kann, denn dann gehört auch er zur Rentner-Mafia.

Genauso geißelt er die Bewunderung für die junge Generation. "Pokémon go hatten wir früher auch schon. Damals hieß das Schnitzeljagd." Und die Überwachungskameras im Dorf hießen Klara und Elvira.

Auch nach 40 Jahren hat man die Werbebotschaften von damals noch im Kopf. Die Jüngeren im Saal legen die Ohren an, als das Publikum unisono die Slogans von damals ergänzt. "Wenn einem etwas Gutes widerfährt, dass ist doch einen Asbach Uralt wert." Eigentlich hätte Härder nach dem gelungenen Abend mehr als ein Gläschen Weinbrand verdient gehabt.
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