Bad Staffelstein
Festival

Lieder auf Banz: zwei Abende mit Freunden

Die besondere Atmosphäre der "Lieder auf Banz" hat es Besuchern wie Künstlern angetan.
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Stars zum Anfassen gab es beim Festival "Lieder auf Banz", hier ein Besucher mit Konstantin Wecker. Markus Häggberg
Stars zum Anfassen gab es beim Festival "Lieder auf Banz", hier ein Besucher mit Konstantin Wecker. Markus Häggberg
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Helmut Schmidt hat es gefallen. Er fiel Konstantin Wecker am Sonntagmorgen kurz vor 1 Uhr sogar regelrecht um den Hals. Der Mann, der mit vollständigem Namen Helmut Schmidt-Steinbeck heißt, war nur einer von über 8000 Konzertbesuchern, die am Freitag und Samstag ein Erlebnis teilten - einen Abend mit Freunden. Der Slogan bewahrheitet sich: Da war man wieder, zum 32. Mal an diesem etwas abschüssigen Ort, zum zweiten Mal unter dem Motto "Lieder auf Banz - Ein Abend mit Freunden".
Wer nach dem unter Vorfreude stattfindenden Schlangestehen und Heraufschleppen der Decken und Taschen das auf dem Festivalgelände überall ausliegende Programmheft aufschlug, der sah sich dort von der Konzertveranstalterin Gaby Heyder auch konsequent als Freund/Freundin angesprochen. Ado hin, Schlier her - der Wechsel vom einstigen zum neuen Veranstalter des von der Hanns-Seidel-Stiftung mitgetragenen Festivals ist ein ungebrochener Erfolg, sowohl was den Besucherstrom als auch das Festivalfeeling anbelangt - Musik, Geschichten, Künstler, die mit ihrem Publikum etwas anfangen können, all das abendsommerlich und nachtgetragen.
Eine Hallstadter Margareta und eine Kärntner Elfi durften das am Freitag bzw. Samstag besonders erfahren, als ihnen die A-cappella-Band Viva Voce ein Ständchen brachte, nachdem sie sich auf die Frage nach Geburtstagskindern gemeldet hatten.
Die Wiese vor Kloster Banz war auch der Ort, um Beobachtungen zu treffen. Beispiel Andreas Kümmert: Der als nicht einfach skizzierte Blues-Man mit der Joe-Cocker-haften Stimme war am Freitag introvertiert und wenig gesprächsbereit, am Samstag aber flachste er viel ins Publikum hinein. Ob sich der einstige Sieger einer Staffel von The Voice of Germany hinter der nur am zweiten Tag getragenen dunklen Sonnenbrille sicherer fühlte, um das zu tun? Grandios jedenfalls seine Version des Elton-John-Klassikers "Rocket Man" von 1972, eine Verbeugung vor diesem Meisterwerk bei gleichzeitiger Neuauslegung. Auffallend auch die Seitenhiebe auf Horst Seehofer, der sich in einem Lied von Konstantin Wecker sogar in eine Reihe mit Erdogan, Trump und Putin verfrachtet sehen durfte. Soll niemand mehr auf den einstigen Vorfall mit Reinhard Mey verweisend sagen, die Musiker stünden unter der Maßgabe, sich nahe des CSU-Ortes Banz dieser Partei gegenüber textlich wohlwollend oder auch nur neutral zu verhalten...
Wie im Vorjahr hielt man es auch 2018 so, die Nachwuchspreisträger der Hanns-Seidel-Stiftung nicht von den arrivierten Stars wie Rainhard Fendrich, Pippo Polina, Bodo Wartke oder eben Wecker abzukoppeln, sondern sie als Gleiche unter Gleichen vor je 4000 Leute zu stellen. Eine Erfahrung, die so weder Miss Allie, noch Ami Warning oder das Duo Herbstbrüder zuvor hatten machen dürfen.
Druckvoll, soundsatt und engagiert - so könnte man die Auftritte von Fendrich, Wartke und Wecker nennen, die nach Einbruch der Dunkelheit von dem wechselvollen Lichtspiel der Bühnentechnik umrahmt wurden, stattfindend innerhalb des Bühnenhalbrunds von 15 Metern Höhe. Diese Konstruktion wirkt wie der Mittelteil eines Triptychon, das links und rechts von den nächtlich beleuchteten Glanzpunkten Vierzehnheiligen und Kloster Banz eingefasst wird.
Auf dieser Bühne ging es auch ziemlich lustig zu. Dann etwa, als Viva Voce in Rot gewandet zu einem satirischen Lied von Wartke eine Huldigung an Apple-Gründer Steve Jobs tanzten. Wartkes launiger Kommentar dazu: "Weihnachtsmänner mit ADHS".
Ein Höhepunkt beider Abende war das vom Publikum bewunderte "Gracias a la Vida", welches Wecker gemeinsam mit dem argentinischen Gitarristen Pablo Miró geradezu hymnisch aufführte.
An zwei Tagen bot sich für Besucher aus ganz Deutschland ein Festival, über dem sich ein Fluidum aus künstlerischer Vielfalt und musikalischen Bekenntnissen zu Frieden und Humanität mit dem Duft von Steak und Bratwurst vermählte. Oder wie sangen Viva Voce eingangs: "Kennst du diesen Ort? Er liegt in Oberfranken!" An diesem Ort geht ein Konstantin Wecker von der Bühne schon traditionell ins Publikum hinein.
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