Lichtenfels
Handwerk

Lichtenfelser "Urbräu": Supermarkt mit eigenem Bier

Das Gasthaus mit Brauerei oder die Brauerei mit Gasthaus, das ist typisch in Franken. Ein Supermarkt mit eigenem Bier - das ist neu. Aus einer fixen Idee heraus belebte Christian Werner das alte Lichtenfelser "Urbräu" wieder.
Artikel drucken Artikel einbetten
Das Bier hält höchstens sechs Wochen.  Fotos: Tim Birkner
Das Bier hält höchstens sechs Wochen. Fotos: Tim Birkner
+3 Bilder

"Das Lichtenfelser Urbräu ist ein Stück meiner Freizeit geworden", sagt Christian Werner, Geschäftsführer des Edeka-Marktes in der Mainau. Seit der Eröffnung im vergangenen Herbst verkauft er sein eigenes Bier unter dem Namen "Bayerisch Urbräu". Einmal in der Woche fährt er mit seinem Audi nach Kulmbach in die Kommunbräu und holt das Bier persönlich ab. "Die Fahrt, dort eine Brotzeit: Das sind für mich eineinhalb Stunden, in denen ich richtig abschalten kann", sagt Werner. Dann lädt er die Ein-Liter-Flaschen in seinen Kofferraum, ab und zu auch ein Fass. 150 Liter verkauft er derzeit wöchentlich. Eine Menge über die die großen Brauereien nur schmunzeln. Doch Werner ist nicht alleine.

Der Gegentrend zu Braukonzernen findet in vielen kleinen Braukesseln statt. Eigenes Bier gab es früher an jeder Ecke - jetzt kehrt es zurück. In Uetzing gibt es das Metzgerbräu, in Lichtenfels steht ein kleiner Kessel in der ehemaligen Metzgerei Krug, die nun ein Gasthaus werden soll. Ein Pächter wird noch gesucht. Und es gibt das "Urbräu" aus Lichtenfels wieder.
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


"Unser Bier lebt", sagt Werner. Er meint damit, dass die Hefe nicht herausgefiltert wird - und das Bier in der Flasche immer weiter gärt. Um den Gärprozess aufzuhalten, muss das Bier gekühlt werden und hält trotzdem nur sechs Wochen. "Ich bin eher der Frische, ich mag das Bier jung. Mit der Zeit wird es herber und stärker. Es gibt auch Kunden, die es extra lange aufheben", erzählt Werner.

Die Idee von der Baustelle
Bis es dazu kam, war es ein langer Weg. Die Idee entstand auf der Baustelle. "Das Gespräch kam auf die ehemalige Brauerei, die auf der anderen Seite der Bahn bis 1971 noch Bier braute. Dort, wo heute das Parkhaus steht", sagt Werner. Wo ist denn das Urbräu geblieben? Werner setzte sich an den Computer, fing an zu suchen und bekam heraus, dass die Markenrechte noch bei der Tucher AG lagen, die 1970 die Lichtenfelser Brauerei kaufte und kurz danach schloss. "Aus der Traum", dachte er.

Doch der Zufall wollte es, dass die Rechte just damals ausliefen und nicht automatisch verlängert wurden. Also meldete Werner unter der Nummer 302012 049416 die Marke "Bayerisch Urbräu" beim Patentamt an. Seit 13. November 2012 ist er im Besitz der Markenrechte.

Damit fingen die Probleme erst richtig an. Werner ist Kaufmann und kein Braumeister. Wer soll das Bier brauen? Und nach welchem Rezept? Er wollte ein handwerklich gebrautes Bier. Auch die kleineren Brauereien im Landkreis haben automatisierte Brauanlagen. "Die hätten für meine kleine Menge richtig umbauen müssen - das macht keiner." Wieder einmal schien der Traum am Ende zu sein, bevor auch nur der erste Schluck getrunken war.

Einer der Handwerker am Bau war es dann, der von seinem Genossenschaftsanteil der Kulmbacher Kommunbräu erzählte - und dass er dort im Vorstand sitze. Nun hatte Werner mit dem dortigen Braumeister Alexander Matthes einen Mitstreiter gefunden. "Er braut noch handwerklich - das heißt, dass jeder Sud ein wenig anders schmecken kann", sagt Werner. Unter den Mitgliedern fand sich auch ein Braumeister, der noch in der alten Brauerei arbeitete, bevor Tucher sie übernahm. Er konnte bei den Rezepten helfen. "Doch das Bier von früher trinkt heute niemand mehr. Es war schwer, süß und kalorienreich - wie in den Klöstern auch als Nahrungsersatz gedacht."

Wie kann das Urbräu dann in die Neuzeit gerettet werden? "Wir haben verschiedene Biere der Kommunbräu probiert und schließlich das Bernsteinbier gewählt und mit einem eigenen Charakter versehen", sagt Werner. Was seinen Geschmack traf, das sollte es sein. Und dann gab es eine Probe mit alten Lichtenfelsern: "Die haben uns bestätigt, dass das Bier so ist, wie das Urbräu war."

Die Familie Werner betreibt insgesamt vier Märkte, doch das Bier gibt es nur in der Mainau. Dort steht es gekühlt im Kassenbereich. Werner und die Kommunbräu sind sich einig: Viel mehr kann und soll gar nicht gebraut werden. Es bleibt ein Stück Geschichte zum Trinken. "Touristen kaufen das Urbräu auch gerne - wir merken das, weil inzwischen schon 1000 Flaschen Leergut fehlen", sagt Werner. Sein Markt wird in der Fachpresse immer wieder als modernes Konzept gelobt, Werner führt Besucher aus Russland, Dubai, Führungskräfte von Aldi oder andere Geschäftsführer durch seinen Markt. Einer brachte ihm eine Flasche Wein mit - und Werner bedankte sich mit einem "Urbräu".

"Kurz vor Weihnachten kam er dann wieder und hat sich einen ganzen Kofferraum voll geholt, weil alle Führungskräfte ein "Urbräu" als Geschenk bekommen sollten." So schlägt Werner und sein Bier Wellen.

Wie alt war die Brauerei?
Jetzt sucht er nach dem Gründungsdatum. Offiziell beginnt die Geschichte 1845. Doch auf alten Etiketten warb die Brauerei mit der "zweitältesten Brauerei Deutschlands - seit 1132". "Wenn ich dafür einen Beleg finde - das wäre der Hammer", sagt Werner, dem bisher schon eine Menge Zufälle geholfen haben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren