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Kommunalwahl

Lichtenfelser Kreistag:Grüne legen zu und AfD ist drin

Erst am Mittwoch, 18.3., soll das Wahlergebnis amtlich bestätigt werden. Doch das Bild vom neuen Kreisgremium hat schon klare Konturen angenommen.
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Im großen Sitzungssaal des Landratsamtes tagt der Kreistag. Die konstituierende Sitzung sollte am 4. Mai sein. Ob und wie sie stattfinden wird, vermag heute noch niemand zu sagen.  Foto: Popp
Im großen Sitzungssaal des Landratsamtes tagt der Kreistag. Die konstituierende Sitzung sollte am 4. Mai sein. Ob und wie sie stattfinden wird, vermag heute noch niemand zu sagen. Foto: Popp

Die Grünen freuen sich. Als einzige Kreistagsfraktion konnten sie zulegen, und zwar um zwei Sitze von vier auf sechs. Mathias Söllner, der schon bei der Lichtenfelser Stadtratswahl das beste Ergebnis seiner Partei erzielen konnte, schaffte das auch auf Kreisebene. Dort war er auf Listenplatz sechs angetreten und wurde ganz nach vorne gewählt. Auch dem unterlegenen Burgkunstadter Bürgermeisterkandidaten Sebastian Callens konstatierte Söllner mit 28 Prozent ein "tolles Ergebnis". Die Kandidatur war offenbar auch landkreisweit zugkräftig: Callens zählt zu den neuen Kreisräten.

Die CSU-Fraktion hat im Vergleich zur Wahl von 2014 zwei Sitze verloren, die SPD drei. Die Freien Wähler (FW), Jungen Bürger (JB) und Sozialen Bürger (SB) konnten ihre Stärke halten.

Von einigen bekannten Gesichtern wird man sich verabschieden müssen. Einige hatten sich aus Altersgründen nicht mehr zu Wahl gestellt, Winfried Weinbeer (FW) etwa. Manche hätten gern weiter Kreispolitik gemacht, schafften aber den Einzug in den Kreistag nicht mehr. Betroffen ist hier beispielsweise der Redwitzer Bürgermeister Christian Mrosek (CSU), dessen Amtszeit bald enden wird. Bei seinem Fraktionskollegen Helmut Fischer hingegen, dessen Amtszeit als Bürgermeister von Michelau ebenfalls bald enden wird, hat es geklappt. Er kam auf Rang 18 und dürfte damit auch dem neuen Kreistag wieder angehören. "Dürfte" heißt es an dieser Stelle deshalb, weil die Auszählung zwar abgeschlossen ist, das Ergebnis aber noch als vorläufig gilt. "Die eingegangenen Wahlunterlagen von den Kommunen werden derzeit auf Vollständigkeit und Richtigkeit überprüft", hieß es am Dienstag in einer Mitteilung des Landratsamtes. Nicht vor Mittwoch sei mit dem amtlich bestätigten Ergebnis zu rechnen. Das liege auch daran, dass alle Gewählten gefragt werden müssen, ob sie die Wahl annehmen. Eine Platzverschiebung erfolgt bei der CSU auch dadurch, dass der Landrat als Zugpferd die Kreistagsliste anführte, selbst aber nicht zur Wahl stand. Er brachte seiner Partei 32 023 Stimmen ein. Übertrumpft wurde er aber sogar noch von Emmi Zeulner: Die Bundestagsabgeordnete kam auf 33 002. Das waren die meisten von allen.

Es gibt aber noch einige andere beachtliche Einzelergebnisse: Der Mut des Lichtenfelser Bürgermeisters Andreas Hügerich, vom 15. Listenplatz aus ins Rennen zu gehen, wo doch die SPD-Fraktion bislang elf Personen zählte, ist belohnt worden. Die Wähler haben ihn, das "Aushängeschild" der SPD, auf Platz eins vorgewählt - mit über 20 000 Stimmen.

SPD-Kreisvorsitzender Sebastian Müller hat es im dritten Anlauf und mit vorderem Listenplatz gepackt, ein Kreisrat zu werden. Er freue sich sehr darüber, sagte er in einem ersten Statement, sei auch mit seinem persönlichen Ergebnis zufrieden und wolle sich nun voll und ganz für den Landkreis miteinsetzen.

Der Weismainer Sozialdemokrat Michael Dreiseitel stellte sich auf der Liste der Sozialen Bürger zur Wiederwahl und erzielte 8599 Stimmen. Das beweist, dass Arbeit und Persönlichkeit durchaus über die Grenzen des eigenen Wohnortes hinweg wahrgenommen werden. Weismain selbst hat ja lediglich 3841 Stimmberechtigte, und von diesen haben nur 2851 ihr Recht wahrgenommen.

Veränderung wird es auch bei den "Freien" geben. Der langjährige Kreisrat Hans Bramann, der viel Erfahrung und Sachkenntnis in das Gremium eingebracht hat, wurde von Listenplatz elf zwar auf neun vorgewählt. Doch da seine Fraktion ihre sieben Sitze nicht mehren konnte, reichte das für seine Wiederwahl nicht. FW-Kreisvorsitzender Klaus Kasper verfehlte einmal mehr den Einzug ins Kreisparlament und sah darin für sich persönlich "eine ganz bittere Niederlage". Über mögliche Konsequenzen wolle er erst nachdenken. Ein Stimmendefizit machte Kasper in der Kreisstadt aus. Die Geschichte um den Rückzug von Roger Martin als Bürgermeisterkandidat habe sich sehr schädlich ausgewirkt.

Erstmals im neuen Kreistag wird die AfD vertreten sein. Sie schaffte aus dem Stand den Einzug mit drei Vertretern und zählt folglich zu den Gewinnern.

Was künftige "Kollegen" dazu sagen, lesen Sie im folgenden Beitrag.

Stimmen zum Wahlergebnis

SPD-Kreisvorsitzender Sebastian Müller: "Es ist natürlich bedauerlich, dass wir drei Sitze verloren haben. Es ist aber meines Erachtens der allgemeine Trend - ein Ergebnis, das großpolitisch mitbeeinflusst wurde. In den Kommunen selbst war es nicht so drastisch. Für uns als Fraktion ist es sehr schade, wird aber an unserer Kreistagsarbeit nichts ändern. Wir werden weiterhin Anträge stellen.

Was mich schon betroffen gemacht hat, ist, dass die AfD so deutlich mit reingekommen ist. Da muss ich sagen: Das ist auch Hausaufgabe für uns, das wieder zu ändern und wieder mehr Sympathien für uns zu generieren." Eines stellte Müller jetzt schon klar: "Es wird auf jeden Fall keine Initiative von uns gemeinsam mit der AfD geben. Wenn wir Anträge stellen, werden wir versuchen, uns andere Mehrheiten zu suchen, die im Kreistag durchaus möglich und realistisch sind." Wenn die AfD irgendwo mitstimmen werde, könne man das nicht verhindern. Es solle aber nicht Ziel sein. "Wir wollen andere Mehrheiten im Kreistag."

Klaus Kasper, Kreisvorsitzender der Freien Wähler: "Wir wollten einen Sitz dazugewinnen; daran sind wir knapp gescheitert." Von den Verlusten der CSU und SPD hätten die Freien Wähler nicht profitieren können. Zweites Ziel sei es gewesen, die Mehrheit der Union mit den Jungen Bürgern zu brechen. "19 plus fünf macht 24", rechnet er vor: Es könne also eine Mehrheit gegen die CSU gebildet werden. Auch mit der von Kasper angeführten dritten Zielsetzung hat es nicht geklappt: zu versuchen, die AfD außen vor zu lassen. Sein Fazit: "Für uns ist es eine zufriedenstellende Wahl, leider keine gute."

CSU-Kreisvorsitzender und Landrat Christian Meißner: "Wir freuen uns, dass bei den Kommunalwahlen so viele Bürgerinnen und Bürgern der CSU ihr Vertrauen und ihre Stimme gegeben haben. Hier gibt es viel Licht, aber auch etwas Schatten: In vielen Orten konnten wir unsere Ergebnisse halten, teils verbessern. Die CSU stellt die Bürgermeister in Michelau, Hochstadt, Ebensfeld und Altenkunstadt. In Redwitz, Weismain und Burgkunstadt gehen CSU-Kandidaten in die Stichwahlen. Es bleibt aber auch festzustellen, dass wir einige Mandate verloren haben. Es wird nun der Auftrag sein, dass wir bei unserer Analyse die Gründe erforschen. Zunächst aber wird sich unser Augenmerk auf die Stichwahlen am übernächsten Sonntag richten." Auf den Einzug der AfD in den Kreistag angesprochen, fügt er hinzu: "Als Parteipolitiker sage ich: Seitens der CSU gibt es keine Zusammenarbeit mit der AfD. Ich werde in keiner Weise auf die zugehen. Das habe ich im Wahlkampf in aller Deutlichkeit gesagt, das gilt auch hinterher. Etwas anderes ist: Als drei demokratisch legitimierte sprich gewählte Kreisräte werden sie behandelt wie jeder andere auch, kriegen sie die selben Informationen, selbstverständlich und sehr korrekt. Das gebietet die Redlichkeit und die Demokratie. Dann werden wir alle miteinander abwarten müssen, wie sie sich geben."

Voraussichtliche Zusammensetzung des Kreistages

CSU: Emmi Zeulner, Monika Hohlmeier, Robert Hümmer, Jürgen Kohmann, Bernhard Storath, Udo Dauer, Christine Frieß, Sabine Rießner, Hans Josef Stich, Peter Schmauser, Dirk Rosenbauer, Michael Bienlein, Edwin Jungkunz, Prof. Dr. Günter Dippold, Marion Warmuth, Max Zeulner, Helmut Fischer, Hans-Werner Schuster, Walter Mackert SPD: Andreas Hügerich, Dr. Arnt-Uwe Schille, Monika Faber, Jürgen Spitzenberger, Frank Novotny, Sebastian Müller, Ulrike Koch, Allmut Schuhmann

Freie Wähler: Georg Deuerling, Heinz Petterich, Rudolf Panzer, Winfried Ernst, Gabriele Huber, Susanne Freifrau Bock von Wülfingen, Franz Böhmer

Grüne: Mathias Söllner, Dr. Susann Freiburg, Sebastian Callens, Stephanie Dittrich, Barbara Schatz, Dr. Christine Schmidt Junge Bürger: Holger Then, Christian Barth, Julia Spörlein, Philipp Molendo, Sabine Scheer Soziale Bürger: Michael Dreiseitel, Simon Ehnes

AfD: Heike Kunzelmann, Theo Taubmann, Martin Keim Ergebnis Stand 17. 3. - noch nicht amtlich festgestellt