Lichtenfels
Kombimodell

Lichtenfelser Berufsschule betritt Neuland

Junge Flüchtlinge werden zum Fachlageristen ausgebildet, besuchen die Schule und lernen Deutsch.
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Die Schüler des Kombimodells mit ihren Betreuern (hinten, von links): Merouane Qsiyer, Rainer Sagasser, Manfred Loch, Siegmar Schnabel, Hans-Jürgen Lichy, Rainer Kissing und Katrin Gloss Foto: Andreas Welz
Die Schüler des Kombimodells mit ihren Betreuern (hinten, von links): Merouane Qsiyer, Rainer Sagasser, Manfred Loch, Siegmar Schnabel, Hans-Jürgen Lichy, Rainer Kissing und Katrin Gloss Foto: Andreas Welz
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Gestern startete an den staatlichen Berufsschulen Lichtenfels das deutschlandweit einzigartige Kombimodell 1+2 zur Beschulung von Flüchtlingen im Ausbildungsberuf Fachlagerist. Das Pilotmodell ist die Kombination von einer Ausbildung im Betrieb, dem Besuch der Berufsschule und einem zusätzlichen Deutschunterricht.

Dadurch entfällt der einjährige Besuch einer Integrationsklasse. Das Projekt findet in Kooperation mit der IHK zu Coburg statt. Hauptgeschäftsführer Siegmar Schnabel erläuterte: "Die neuen Auszubildenden werden im ersten Schuljahr drei Tage an der Berufsschule in einer eigenen Klasse unterrichtet. Schwerpunkte sind Deutsch, Fachdeutsch und Mathematik. Die nächsten beiden Jahre werden sie gemeinsam mit anderen Auszubildenden im Bereich Fachlagerist unterrichtet. Nach diesen drei Jahren nehmen sie dann an der bundesweiten IHK-Abschlussprüfung für Fachlageristen teil."

Alle haben Ausbildungsvertrag

Der berufsbezogene Spracherwerb erfolge in Kombination mit dem praktischen Erleben des Berufes. Die zehn Lehrlinge besäßen bereits einen Ausbildungsvertrag und erhielten von Anfang an eine Ausbildungsvergütung, so Schnabel. Der berufliche Sozialisationsprozess im Unternehmen diene auch zum Kennenlernen der deutschen Arbeitskultur. Ein weiterer Vorteil sei, dass Inhalte, Themen und Gegenstände aus dem beruflichen Umfeld stammen. An der Coburger Berufsschule habe man mit dem Modell bereits gute Erfahrungen gemacht, stellte Schnabel fest. Es wäre wünschenswert, dass dieses Modell bayernweit ausgedehnt werde.

Der Lehrgang Lagerist werde nur an der Berufsschule in Lichtenfels angeboten, betonte Schulleiter Hans-Jürgen Lichy. Er stehe nicht nur Flüchtlingen, sondern allen offen, die die deutsche Sprache nicht beherrschten. Dabei wies er auf eine 15-jährige Schülerin aus Ungarn hin. Zwischen 15 und 38 Jahre alt sind die Schüler und eine Schülerin.

Irak, Afghanistan, Syrien

Mohamed Almhamed aus Syrien hatte bereits den Beruf während eines Schnupperkurses bei der Firma Leise, Industrietechnik Kraftfahrzeugteile, in Coburg kennengelernt. "Ich habe mich entschlossen, diesen interessanten Beruf zu erlernen", sagte der 19-Jährige.

Klassenlehrerin Katrin Gloss unterrichtet Fachdeutsch und Mathematik. "Mit Schautafeln und Videofilmen machen wir berufsbezogene Fachausdrücke deutlich", sagte sie.Erfahrungen bei der Betreuung von Flüchtlingen habe sie bereits im ehrenamtlichen Dienst gesammelt. Die Schulanfänger kommen aus dem Irak, Afghanistan oder Syrien. So unterschiedlich wie ihre Herkunftsländer sind auch ihre religiösen Wurzeln. Neben Mohammedanern sind sie griechisch-katholisch, Zeugen Jehovas und jesidisch. Gegenüber dem Fränkischen Tag unterstrich Katrin Gloss: "In der Vergangenheit gab es Probleme in den Integrationsklassen, die haben wir aber lösen können."

Projektleiter Merouane Qsiyer von der IHK Coburg betreut die Jugendlichen während der Ausbildung. Ihm sei es wichtig, dass alle Berufsschüler gleich behandelt werden. Ansprechpartner in Coburg ist auch Rainer Kissing, Leiter Bereich Berufliche Bildung bei der IHK. Als Fachlehrer stellten sich Rainer Sagasser und Manfred Loch vor. Die Berufsschule Lichtenfels verfügt über ein vollständig eingerichtetes Übungslager für die logistischen Ausbildungsberufe. Da die Auszubildenden im Bereich Lagerlogistik aus den unterschiedlichsten Branchen und Betrieben kommen, finden nicht alle logistischen Prozesse in ihren Betrieben statt. Hier bietet das Übungslager eine ideale Ergänzung zur praktischen Ausbildung im Betrieb. Das Übungslager bietet die Möglichkeit, die theoretischen Inhalte vom Fachunterricht in der Praxis umzusetzen.



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