Oberlangheim
Agrarpolitik

Rettet die Bienen: Lichtenfelser Bauern sehen "einseitige Schuldzuweisung"

Die Landwirte im Landkreis sind verärgert über die Rolle, die man ihnen im Kontext mit dem Volksbegehren "Rettet die Bienen" zuweist.
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Die Landwirte des Landkreises Lichtenfels sehen ihre Leistungen für den Erhalt einer intakten Umwelt nicht annähernd gewürdigt. Zum Jubiläum "100 Jahre Freistaat Bayern" hatte Daniel Warmuth (rechts) einen "blühenden Rahmen" um sein Maisfeld am Ortsrand von Tiefenroth angelegt. Mit auf dem Bild sind (von links) Kreisobmann Bienlein, Kreisbäuerin Warmuth und BBV-Geschäftsführer Rebelein. Archivfoto: Gerda Völk
Die Landwirte des Landkreises Lichtenfels sehen ihre Leistungen für den Erhalt einer intakten Umwelt nicht annähernd gewürdigt. Zum Jubiläum "100 Jahre Freistaat Bayern" hatte Daniel Warmuth (rechts) einen "blühenden Rahmen" um sein Maisfeld am Ortsrand von Tiefenroth angelegt. Mit auf dem Bild sind (von links) Kreisobmann Bienlein, Kreisbäuerin Warmuth und BBV-Geschäftsführer Rebelein. Archivfoto: Gerda Völk
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"Alle Jahre die gleichen Themen, es wird nichts abgebaut. Im Gegenteil, es wird immer schwieriger." Was der heimische CSU-Landtagsabgeordnete Jürgen Baumgärtner beklagt, scheint auch die Meinung der Landwirte zu sein. Noch immer belasten den Berufsstand Themen wie Gülleverordnung, Anlagenverordnung, Anbindehaltung, Ferkelkastration, Tierwohl und eine mögliche Rückkehr des Wolfes. Mit dem Unterschied, das heuer mit dem Volksbegehren "Rettet die Bienen" noch ein weiterer Punkt auf der ohnehin schon langen Liste hinzugekommen ist.

Einmal Jahr treffen sich Politik und Landwirtschaft, um über die Themen zu besprechen, die den Bauern auf den Nägeln brennen. In diesem Jahr überlagerte das von der ÖdP initiierte Volksbegehren "Rettet die Bienen" alle anderen Themen. Ein Thema, das derzeit selbst in den Kindergärten, Schulen und Kirchen präsent ist und höchst emotional diskutiert wird. Niemand kommt derzeit an diesem Thema vorbei.

"Bauernhofmuseum besuchen"

Was die Landwirte des Landkreises Lichtenfels am meisten ärgert, ist die einseitige Schuldzuweisung. Keiner sehe derzeit auch nur ansatzweise die Leistungen der Bauern für den Erhalt einer intakten Umwelt. "Wer macht denn die Arbeit? Das sind nicht die Personen, die in den Ämtern sitzen und Konzepte erarbeiten. Es sind unsere Bauern", erklärte Kreisobmann Michael Bienlein.

Deutliche Worte findet er auch beim Thema "Tierwohl". Denjenigen, die sich darüber Gedanken machen, empfiehlt Bienlein den Besuch eines Bauernhofmuseums und im Gegenzug sollen sich diese einmal einen heutigen Stall anschauen.

Wachsende Bürokratie

Auch die Bürokratie habe in den letzten Jahren ein Ausmaß angenommen, das deutlich überhandgenommen habe. Als Bienlein in den 80er Jahren den Bauernhof von seinem Vater übernahm, drückte dieser ihm zwei Ordner in die Hände. Heute seien daraus 150 Ordner geworden. "Die Bürokratie nimmt immer mehr zu", sagte der Kreisobmann.

Landrat Christian Meißner gab zu bedenken, dass es bereits heute schon Biotope kraft Gesetz gebe. Dies habe zur Folge, dass junge Familien oft keine Bauplätze finden. "Evaluiert die ausgewiesenen Flächen, und zwar durch einen unabhängigen Gutachter", forderte Meißner, der auch einen fairen und ehrlichen Umgang miteinander anmahnte.

Eindämmung der Lichtverschmutzung

Während Kreisobmann Bienlein die Dialogbereitschaft der Umweltverbände beklagte, verlangte Franz Böhmer eine Eindämmung der "Lichtverschmutzung". Viele Studien hätten bereits die negativen Auswirkungen des künstlichen Lichts auf Insekten belegt.

Lothar Teuchgräber bedauerte den riesigen emotionalen Schaden, der den Beruf nicht attraktiver mache. BBV-Geschäftsführer Hans Rebelein gab zu bedenken, dass vieles, was heute den Bauern angelastet wird, von der Gesellschaft auch gewollt worden sei.

Beim Neubau von Ställen forderten Landwirte schon seit Jahren einen Bestandsschutz für die Nutzungsdauer. Allerdings sei es in Bayreuth offenbar leichter, einen Stall zu bauen, als im Landkreis Lichtenfels.

Ein besonders krasses Beispiel nannte Landtagsabgeordneter Baumgärtner: In Welitsch (Landkreis Kronach) warte ein Landwirt, der einen Milchviehlaufstall bauen möchte, schon seit Jahren auf grünes Licht. "Dieser Stall kann gebaut werden. Es wird blockiert und ausgesessen", sagte Baumgärtner.

"Das Problem der Anbindehaltung wird sich über kurz oder lang ohnehin erledigen", erklärte Kreisbäuerin Marion Warmuth. Viele Betriebsleiter seien in der Lebensmitte und möchten nicht mehr investieren. Die nachfolgende Generation plane die neuen Ställe ohnehin ganz anders.

Ähnlich sieht es auch Jürgen Baumgärtner, der in der Anbindehaltung weniger ein Thema der Politik als eine Entscheidung des Verbrauchers sieht.

Atommüll zu lagern ist einfacher als Gülle, fand Markus Schilling, in dessen Stall in Schwürbitz das diesjährige alljährliche Stallgespräch stattfand.

Den Wolf auf der Rechnung

Als der Biber wieder auf der Bildfläche aufgetaucht ist, habe man nicht die Auswirkungen auf die Landwirtschaft gesehen, erklärte die Kreisbäuerin Marion Warmuth. Diesen Fehler wolle man mit dem Wolf nicht mehr machen. Noch sei dieser im Landkreis Lichtenfels aber nicht aufgetaucht.



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