Lichtenfels
Strafbefehl

Lichtenfelser Amtsgericht behandelt Kuddelmuddel um Kieferprothese

Hausfrau bleibt dem Zahnarzt 1124 Euro schuldig und legt gegen einen Strafbefehl über 1050 Euro Widerspruch ein.
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Ein " kostenlose" Behandlung beim Zahnarzt landete vor dem Lichtenfelser Amtsrichter.  Symbolbild: Julian Stratenschulte/dpa
Ein " kostenlose" Behandlung beim Zahnarzt landete vor dem Lichtenfelser Amtsrichter. Symbolbild: Julian Stratenschulte/dpa

Spiegelte die Hausfrau einem Zahnarzt etwas vor? Wollte sie ihn betrügen? Der Strafbefehl, der wegen des Verdachts auf Betrug gegen sie erging, sprach eine dreistellige Sprache: 1050 Euro. Dagegen legte die Frau bei Gericht Einspruch ein und sollte am Dienstag Erfolg haben. Teilweise.

Auftrag: Kieferprothese

Am 4. Juni 2018 erhielt ein Zahnarzt aus dem östlichen Landkreis einen Auftrag. Die Auftraggeberin: eine Lichtenfelser Hausfrau, 60 Jahre alt. Er möge ihr eine Prothese für den Ober- und Unterkiefer anfertigen, erklärte Staatsanwalt Mario Geyer. Was er auch erklärte: Die Frau habe das Geld dazu gar nicht gehabt, womöglich nicht einmal die Absicht zu zahlen. So sei der Zahnarzt durch diesen Betrug auf 1403 Euro sitzengeblieben.

Ganz so, wie durch Geyer geschildert, betrachtete Rechtsanwalt Albrecht Freiherr von Imhoff die Sache im Saal 14 des Amtsgerichts nicht. Seine Mandantin habe sehr wohl ein Vorbereitungsgespräch mit dem Zahnarzt geführt, bei dem die wirtschaftlichen Verhältnisse der Hausfrau zur Sprache kamen. Überdies sei vorher nur die Rede von einem Implantat gewesen, nicht von einer Prothese. Doch schon für das Implantat habe seine Mandantin signalisiert, dass sie die volle Summe nicht auf einmal aufbringen werde.

Um Ratenzahlung gebeten

"Er hat dann trotzdem eine (Prothese) angefertigt, die allerdings nicht passt", erwähnte die Adressatin des Strafbefehls gegenüber Richter Alexander Zenefels. Dabei führte sie auch an, dass die Einsetzung der Prothese zwei Tage nach einem Kostenvoranschlag erfolgt sei, zudem sie vorher in der Praxis angerufen habe, um mitzuteilen, dass sei Ratenzahlung wolle. Die Antwort darauf habe wenige Zeit später in einem anwaltlichen Brief bestanden. Zu all dem Kuddelmuddel könnte aber auch noch die Krankenkasse der Frau beigetragen haben, denn als sie dort den Kostenvoranschlag einreichte, so die Hausfrau, habe diese gar nicht erst reagiert. Dann wartete die Frau, die durch die nicht passende Prothese deutlich hörbare Probleme beim Sprechen hatte, mit einem unerwarteten Lösungsvorschlag auf: "Meine Schwester ist gestorben, es ist ein Erbteil zu erwarten und ich begleiche im nächsten Monat die vollkommene Rechnung."

Dass der Zahnarzt eine andere Schilderung vorlegen würde, stand zu erwarten. Aber sie war gänzlich anders. Der 45-Jährige versicherte, die Frau zweimal angemahnt zu haben, bevor er eine Betrugsanzeige erstattete. "Einmal hat sie mir darauf gesagt: Sie brauchen nicht anzurufen, ich habe ein pfändungsfreies Konto." Überdies sei nicht wenige Zeit bis zum anwaltlichen Schreiben vergangen, da es erst zu vier bis fünf Sitzungen kam. In dieser Zeit sei das Finanzielle aber nicht besprochen worden. "Über ihren finanziellen Hintergrund wusste ich nichts", versicherte der Mediziner.

Rechnung um 279 Euro niedriger

Verweise darauf, dass er ihr riet, zum besseren Halt der Prothese Haftcreme zu nutzen, konnte der Arzt auch vorlegen. Was allerdings wiederum nicht stimmte, war die Höhe die Rechnung. Sie lag mit 1124 Euro um 279 Euro niedriger als vom Gericht angenommen. Einen Unterschied für den Arzt machte das nicht. "Bis heute habe ich keinen Pfennig bekommen." Mit Verweis auf die unterschiedlichen Sichten und darauf, dass seine Mandantin noch nie strafrechtlich in Erscheinung getreten ist, regte von Imhoff eine Verfahrenseinstellung an. Auch darum, weil der Zahnarzt keinerlei Belastungseifer an den Tag legte und versicherte, der Sache nach Begleichung der Rechnung wirklich nicht weiter nachgehen zu wollen.

Diesbezüglich signalisierte Staatsanwalt Geyer eine gewisse Bereitschaft für einen Kompromiss. Zwar sehe er "den Tatnachweis schon erbracht", aber man könne die Strafe auf 750 Euro vermindern. In seinem Urteil erließ Richter Zenefels eine Abänderung der Rechtsfolge des Einspruchs, nahm also eine Verminderung der 1050 Euro vor. Allerdings ging er noch weiter als Geyer und verhängte 400 Euro. Doch er verfügte auch, dass nun Vermögensgegenstände der Hausfrau zum Wertersatz für die 1124 Euro eingezogen werden.

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