Lichtenfels
Probleme

Das schwierige Leben als Linkshänder: Warum dem Gehirn die Überlastung droht

Unsere Gesellschaft ist für Rechtshänder ausgelegt. Menschen, die von Geburt an die linke Hand benutzen, müssen sich oft umstellen, müssen oft umdenken. Das kann problematisch werden - dann, wenn beide Hände ins Spiel kommen.
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Das Schreiben und Malen mit der linken Hand: Nicht nur eine Umschulung kann gefährlich werden. Symbolbild: rawpixels.com/pexels
Das Schreiben und Malen mit der linken Hand: Nicht nur eine Umschulung kann gefährlich werden. Symbolbild: rawpixels.com/pexels
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Drehknopf, Wasserkocher, Reißverschluss - Alltagsgegenstände, die Jana Stolle und etwa zwanzig bis dreißig Prozent aller Menschen in Deutschland Probleme bereiten. Als Linkshänder werden sie zum Umdenken gezwungen, ihr ganzes Leben lang.

"Linkshänder zu sein, ist keine Krankheit", betont Ergotherapeutin Uschi Maurer aus Lichtenfels. Sie hat sich auf die Linkshänderberatung spezialisiert und weiß: "Die deutsche Kultur ist auf Rechts ausgerichtet. Viele Linkshänder passen sich ihrer Umwelt an und arrangieren sich damit."

Problem bei Wechselkindern

Doch das gelingt nicht jedem. Manche Menschen schwanken zwischen linker und rechter Hand - doch das kann gefährlich werden. Bei Linkshändern arbeitet nämlich die rechte Gehirnhälfte und bei Rechtshändern ist es umgekehrt. "Das Gehirn ist bei einem ständigen Wechsel überlastet. Durch diese permanente Überlastung kann es zu Konzentrationsproblemen kommen", erklärt Uschi Maurer. Daher ist es wichtig, die Linkshändigkeit früh zu erkennen. In Bayern, so Maurer, sei diese Untersuchung in der U8 (46. bis 48. Lebensmonat) enthalten. Stellt der Arzt eine Tendenz der linken Hand fest, ist die Ergotherapeutin gefragt.

Großeltern verbieten ihren Enkeln die Linkshändigkeit

Mit Hilfe einer Videoauswertung testet sie die Kinder - schaut von welcher Hand der Impuls ausgeht. Die Handdominanz sollte bis zur Einschulung feststehen, denn dann beginnt das Kind zu schreiben und zu lesen. Es können schwerwiegende Probleme entstehen, ist die Frage der Händigkeit bis dahin nicht geklärt.

Denn: Linkshänder verspüren grundsätzlich den Drang, von rechts nach links zu lesen und zu schreiben, ausgeschnitten wird gegen den Uhrzeigersinn. Alles kein Problem, sagt Uschi Maurer, wenn die Kinder wissen wie sie vorgehen müssen. Doch die Linkshändigkeit, so Uschi Maurer, muss nicht nur erkannt, sondern auch akzeptiert werden. Und hier beginnt das Problem. Manchen Kindern wird die Linkshändigkeit verboten. Vor allem Großeltern versuchen sie ihren Enkeln auszutreiben, war es doch in der Vergangenheit üblich, die Betroffenen umzupolen.

Mit der Umschulung kämen die Probleme

"Zu meiner Zeit war es okay, ein Linkshänder zu sein, früher war die Rückbildung aber üblich", erinnert sich Jana Stolle. Und so fällt es bis heute vor allem älteren Menschen auf, wenn sie den Kugelschreiber in die linke Hand nimmt und schreibt. Die Ergotherapeutin aus Lichtenfels unterscheidet zwischen dem Umschulen und der Rückbildung. "Es gibt Kinder, die schulen sich von der dominanten Hand auf die nicht dominante Hand von alleine um." Warum? Weil sie beispielsweise so sein möchten wie andere Kinder. Kommt das Kind mit der "falschen" Schreibhand nicht zurecht oder wird zur Umschulung von der Familie gezwungen, kann es zu Problemen wie einer Lernschwäche kommen.

"Ich hatte mal einen Jungen, der war zu 100 Prozent ein Linkshänder, seine Großeltern haben ihn aber auf rechts umgeschult", erinnert sich Uschi Maurer. Das Fazit: Der Junge entwickelte eine Rechtschreibeschwäche und kam auf eine Förderschule. In solch einem Fall wird eine Rückschulung eingeleitet werden. Uschi Maurer bietet dies vereinzelt an - bringt den Linkshändern die Handhabung der unterschiedlichen Alltagsgegenständen bei wie zum Beispiel Flasche öffnen, links schreiben und schneiden.

Ist es zu viel des Guten?

Jana Stolle merkt in der zweiten Klasse, dass sie ihre linke Hand bevorzugt. "Ich musste mich damals für einen Füller entscheiden und habe ausprobiert, ob es mir mit dem Füller für Linkshänder leichter fällt." Und das tat es - an diesem Tag entschied sie sich für den Linkshänder-Füller und somit auch für ihre Linkshändigkeit. Ihre Eltern tolerieren ihre Entscheidung vollkommen. In der Schule wird sie ebenfalls nicht gehänselt. "Ich fand es cool etwas zu sein, was andere nicht sind." Etwas Besonderes sein, das möchte die 27-Jährige aber nicht. "Ich mag es nicht, dass man versucht daraus ein Geschäft zu machen."

Täglich mit Schwierigkeiten und Herausforderungen der Linkshändigkeit konfrontiert



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