Lichtenfels
Sauberkeit

Lichtenfels: Unkraut zupfen, Stromkästen anmalen, Müll aufheben - Einwohnerin animiert zum Mitmachen

Annelore Dentsch liebt Lichtenfels und tut alles dafür, dass ihre Stadt sauber und gepflegt aussieht. Und so zupft sie in ihrer freien Zeit das Unkraut auf den Bürgersteigen - auch bei Fremden. Nun appelliert sie an ihrer Mitbürger.
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Sieht Annelore Dentsch Unkraut auf dem Gehweg, entfernt sie dieses sofort - auch wenn es nicht vor ihrem eigenen Haus wächst.  Foto: Sarah Stieranka
Sieht Annelore Dentsch Unkraut auf dem Gehweg, entfernt sie dieses sofort - auch wenn es nicht vor ihrem eigenen Haus wächst. Foto: Sarah Stieranka
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Annelore Dentsch sitzt mit ihrem Mann Hans-Peter auf der Terrasse ihres Hauses. Ihr Garten ist sehr gepflegt - man könnte meinen jeder Grashalm sei gleich lang. Auch vo der Haustür ist es ordentlich - kein Unkraut, Müll oder Laub.

"Ich liebe diese Stadt. Es ist eine schöne Stadt und ich möchte dazu beitragen, dass sie schön ist", sagt die 70-Jährige, während sie mit einem Eimer durch die Bambergerstraße spaziert. Sieht sie Unkraut oder Müll, zückt sie Fugenkratzer, Hacke oder Jäter und macht es weg. Sie erwartet dafür keinen Dank. Sie macht es gerne für ihre Stadt und auch fremde Menschen - denn oftmals jätet sie Unkraut vor fremden Türen. Die Bewohner bittet sie in solchen Fällen um Erlaubnis.


Ehepaar erwartet keinen Dank

Auch auf der Ringgasse in Lichtenfels macht sie zusammen mit ihrem Mann sauber. Sogar Rosen hat das Ehepaar dort gepflanzt. Bei der Stadt Lichtenfels wisse man noch nicht einmal, dass das Paar ihre Freizeit dafür aufopfere, erzählt die Rentnerin. Sogar Stromkästen streicht sie in ihrer Freizeit - alles damit die Stadt für die Bürger und Touristen attraktiv bleibt.


Doch Annelore Dentsch ist sich ihrer Grenzen bewusst: "Ich kann nicht die ganze Stadt sauber machen." Und das will auch ein Teil ihrer Mitmenschen nicht. "Warum machst du das, das ist doch Aufgabe der Stadt", bekommt sie immer wieder zu hören. "Aber die Stadt kann das nicht alleine schaffen", sagt Annelore Dentsch. Anstatt sich also darüber aufzuregen, packt sie lieber mit an. "Wenn jeder vor seiner Tür kehren würde, hätten wir eine saubere Stadt."


Was muss ein Anlieger?

Die Lichtenfelserin handelt richtig, bestätigt Sebastian Müller, Pressesprecher der Stadt. Er beruft sich auf eine Satzung, die besagt: "Zur Erfüllung ihrer Reinigungspflicht haben die Vorder- und Hinterlieger innerhalb ihrer Reinigungsfläche die öffentlichen Straßen zu reinigen." Gemeint sind damit auch Gehwege und Fahrradwege.

Und das ist auch nötig, werden Hauptstraßen im Rhythmus von einem Monat und Nebenstraßen im Rhythmus von einem Quartal mit einer Kehrmaschine gereinigt. Warum so selten? Die Stadt Lichtenfels verfügt nur über eine Kehrmaschine. "Die Diskussion gab es schon öfter. Man könnte den Kehrrhythmus schon verkürzen, aber dann bräuchte man eine zweite Kehrmaschine und mehr Personal."


Für die Bürger der Stadt Lichtenfels würde dies konkret bedeuten: Kein Unkraut und Schmutz mehr vor den Häusern, dafür aber eine Straßenreinigungsgebühr. Denn die müsste die Stadt in einem solchen Fall erheben. "In Lichtenfels versuchen wir in einem vertretbaren Ausmaß das durch die Stadt zu machen. Es muss aber auch jeder mithelfen", fordert Müller.


Schreiben bei Missachtung

Wer dazu nicht bereit ist, wird prompt angeschrieben. "Wir schreiben die Eigentümer an, wenn beispielsweise Hecken oder Ähnliches in den Gehweg ragen", erklärt der Pressesprecher die Vorgehensweise. In manchen Teilen von Lichtenfels funktioniere das System sehr gut - das sieht auch Annelore Dentsch so, die bei jedem Spaziergang ein besonderes Augenmerk darauf legt. Doch vor allem bei Gaststätten oder am Bahnhof gäbe es noch Verbesserungsbedarf, sagt die 70-Jährige.

Eine Verbesserung sieht sie zumindest immer, wenn ein Leserbrief von ihr in der Zeitung erscheint. Dann wird fleißig vor den Häusern gekehrt, freut sich die Lichtenfelserin. "Ich möchte niemandem einen Vorwurf machen. Ich möchte zum gemeinsamen Anpacken animieren." Denn Böswilligkeit möchte sie nicht unterstellen: "Ich glaube, die Menschen achten nicht darauf."

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