Lichtenfels
Bestattung

Lichtenfels: Stadt bietet Baumbestattungen an und bedient damit aktuellen Trend

Die Stadt Lichtenfels bietet ab sofort Baumbestattungen im Friedhof an. Damit bedient sie den Trend hin zu Feuerbestattungen. 109 Grabstellen liegen unterhalb von zwei Buchen.
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109 Grabstellen unter zwei Buchen, Foto: Sarah Stieranka
109 Grabstellen unter zwei Buchen, Foto: Sarah Stieranka
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Die Stadt Lichtenfels bietet ab sofort Baumbestattungen im Friedhof an. Damit bedient sie den Trend hin zu Feuerbestattungen. 109 Grabstellen liegen unterhalb von zwei BuchenDie Zeiten, in denen Angehörige ihre Verstorbenen selbst gewaschen und daheim verabschiedet haben, sind vorbei. Der Trend geht zu Feuerbestattungen. Der Grund: Junge Menschen zieht es aus der Region und die pflegeintensiven Gräber verwahrlosen.

Diese Entwicklung hat auch die Stadt Lichtenfels erkannt und bietet ab August Baumbestattungen an. "Die Bestattungskultur hat sich verändert, von Erdbegräbnissen hin zu Urnengräbern. Die Friedhofsverwaltung muss darauf reagieren, um viele Möglichkeiten anzubieten", sagt Angelika Seidel von der Stadt Lichtenfels.


Und die Möglichkeiten in der Stadt Lichtenfels sind vielfältig. Von pflegeintensiven über pflegeleichte bis hin zu pflegelosen Gräbern wird vieles angeboten - nun kommen 109 Urnen-Gräber unter zwei Buchen hinzu. Diese Grabstellen sind völlig pflegelos, da lediglich Pultsteine auf das Grab gelegt werden dürfen, aber nicht müssen.

Denn: Die Kunden können ihre Verstorbenen auch "anonym" bestatten lassen. Dann blicken die Hinterbliebenen lediglich auf eine Rasenfläche - können aber noch beim Friedhofswärter Cord Eckel die Stelle erfragen, an der der Verstorbene bestattet wurde. "Die Rasengrabfelder, also Gräber ohne Pflege, werden sehr gut angenommen", bestätigt Ingrid Heinel, Bestattungsfachberaterin bei Pietät Dinkel in Lichtenfels.


Bestattungskultur verändert sich

Sie beobachtet die Entwicklung der Bestattungskultur seit Jahren und merkt an: "Früher hat man eine Bestattung bewusster erlebt und sich daheim verabschiedet. Aber heute haben die Menschen Berührungsängste. Sie wollen die Menschen so in Erinnerung behalten, wie sie waren."


Das bedeutet: Viele Hinterbliebene bitten darum, dass die verstorbene Person nach dem Eintreten des Todes schnell abgeholt wird und beharren nicht darauf, den geliebten Menschen noch einmal zu erblicken. Ein Fehler, findet die Expertin. Sie erachtet das Abschiednehmen vom Toten für wichtig, da so Verwechslungen ausgeschlossen und letzte Zweifel am Tod der Person aus dem Weg geräumt werden. "Das ist zum Beispiel der Fall, wenn Kinder Verkehrsopfer werden und die Eltern den Umstand bis zum Schluss nicht wahrhaben wollen", erklärt Ingrid Heinel. "Außerdem", fügt sie an, "haben wir viele Bilder vom Verstorbenen im Kopf, es kommt halt eins dazu".

Mit ihren 60 Jahren hat sie schon viele Bestattungen organisiert und weiß: "Die Kinder ziehen weg und es ist keiner mehr da, der sich um die Gräber kümmert." Dadurch erkenne auch sie den Trend hin zu Feuerbestattungen. "Erdbestattungen sind gravierend rückläufig." Etwa die Hälfte ihrer Kunden entscheidet sich mittlerweile für eine Feuerbestattung, bei der die Asche der verstorbenen Person in einer Urne beigesetzt wird.

"Damit man nicht eine Feier mit Sarg und dann noch einmal mit Urne veranstalten muss, werden die Särge oft direkt ins Krematorium geschickt. So sparen sich die Kunden das Geld." Und dies werde, so Heinel weiter, von vielen Angehörigen gewünscht.


Doch ab und an gibt es auch Familienmitglieder, die ihre Toten auf eine besondere Weise verabschieden möchten, indem sie den Sarg bemalen oder persönliche Gegenstände in den Sarg hineinlegen. Dabei muss nur beachtet werden: "Bei Erdbestattungen müssen diese Gegenstände vergänglich sein, also so etwas wie Schokolade oder ein gemaltes Bild der Kinder."

Doch manche Wünsche kann selbst Ingrid Heinel nicht erfüllen. "Muslime bestatten ihre Toten in Leinentüchern. Man kommt mit nichts auf die Welt und geht so zurück." Das Problem: In Bayern gibt es aber einen Sargzwang. Die Angehörigen müssen ihren Toten also ins Ausland ausfliegen, damit er dort auf muslimische Weise bestattet werden kann.


Die Kosten für Urne und Sarg

Durch den Sargzwang gleichen sich auch die Kosten für eine Urne und einen Sarg in etwa aus. Denn: Eine Urne bekommen Kunden bei Pietät Dinkel in Lichtenfels schon ab 95 Euro. Die Kosten für einen Sarg beginnen bei 600 Euro und können bei Eichensärgen bis über 1500 Euro und ansteigen.

Die Kostenersparnis wirkt auf den ersten Blick enorm. Wegen des Sargzwangs muss der Verstorbene im Sarg ins Krematorium gefahren und dort eingeäschert werden. Ein Feuerbestattungssarg ist ab 500 Euro zu haben. Hinzu kommen die Kosten fürs Grab. Auf dem Lichtenfelser Friedhof kostet eine Grabstelle unter Bäumen 600 Euro für 30 Jahre - an diesem Ort können finden bis zu zwei Urnen Platz.


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