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Tourismus

Lichtenfels: Rückabwicklungen sind das größte Problem

Noch immer besteht eine weltweite Reisewarnung. Neue Buchungen bleiben weiterhin aus, nur vereinzelt entscheiden sich Kunden derzeit für eine Reise innerhalb Deutschlands oder nach Österreich. Das ist nicht das einzige Problem, mit dem Reisebüros derzeit konfrontiert sind.
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Bis mindestens Mitte Juni eine weltweite Reisewarnung. Adobe Stock
Bis mindestens Mitte Juni eine weltweite Reisewarnung. Adobe Stock

Mit dem Lockdown im März wurden über Wochen keine Reisen mehr gebucht. "Wir waren die Ersten, die von der Corona-Krise betroffen waren. Und wir sind die Letzten, die wieder rauskommen", bedauert Mario Kragler. Der Büroleiter des Thüringisch-Fränkischen Reisebüros in Lichtenfels ist bereits seit über 20 Jahren in der Touristik tätig. Erst in den vergangenen Tagen konnten er wieder vereinzelt Reisen verkaufen - innerhalb Deutschlands oder nach Österreich.

An eine Krise mit ähnlichen Auswirkungen für die Branche kann er sich nicht erinnern: "Es gab schwere Situationen, wie Vulkanausbrüche, den 11. September oder die Pleiten von Airlines." Weil bislang immer nur einzelne Gebiete betroffen waren, sei es möglich gewesen, den Krisen aus dem Weg zu gehen. "Die Reisen konnten umgebucht oder auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden - das hat immer gut funktioniert." Wie Kragler berichtet, sei dies aktuell nicht möglich, weil die ganze Welt von den Auswirkungen der Pandemie betroffen ist.

"In den letzten Wochen hatten wir mehr zu tun denn je. Wir mussten unzählige gebuchte Reisen rückabwickeln", sagt Kragler. Auch in der Krise seien er und sein Team dauerhaft für die Kunden da gewesen, "ohne einen Euro einzunehmen". Während viele Kunden gleich stornieren oder weiter abwarten mussten, konnten Studienfahrten und Kreuzfahrten häufig umgebucht werden. "Teilweise stehen die Termine bereits bis Anfang 2022 fest."

Provision zurückbezahlen

Nicht nur wegen der ausbleibenden Neubuchungen, sondern vor allem wegen der Rückabwicklung bereits gebuchter Reisen, haben Reisebüros derzeit zu kämpfen. "Normalerweise bekommen wir für jede gebuchte Reise von den Veranstaltern eine Provision. Die Provision für die stornierten Reisen müssen wir jetzt an die Veranstalter zurückzahlen", berichtet Kragler. Die Reisebüros würden dieselben Hilfen bekommen, wie alle anderen kleinen und mittelständischen Unternehmen. "Das Problem, eingenommenes Geld wieder zurückbezahlen zu müssen, hat allerdings keine andere Branche."

Mit den Lockerungen der Ausgangsbeschränkungen wurden laut Kragler wieder einzelne Reisen innerhalb Deutschlands oder nach Österreich gebucht. "Trotzdem ist es nicht so, dass wir die Türen wieder öffnen und die Leute wieder einfach Reisen buchen. Es gibt viele Regularien und Vorschriften, die zu beachten sind", schildert Kragler die momentane Situation.

Weltweite Reisewarnung

Der Leiter des Lichtenfelser Reisebüros hofft, dass die weltweite Reisewarnung für touristische Reisen, die vorerst bis zum 14. Juni gilt, zeitnah aufgehoben werden kann. "Es wäre ein positiver Anfang, wenn Reisen ab dem 15. Juni wieder sukzessive in andere Länder möglich wären", sagt Kragler. Derzeit werde mit vielen Staaten darüber gesprochen, wie die Sicherheitsmaßnahmen in der Touristik umgesetzt werden können.

Kragler vermutet, dass Kreuzfahrtanbieter die Folgen von Corona noch deutlich länger spüren werden als normale Hotels. "In Hotels können die Abstands- und Hygienemaßnahmen eher eingehalten werden. Dennoch wird es bestimmt auch im Pauschaltourismus noch länger Einschränkungen geben", sagt er.

Reisen an und nach Pfingsten: Was ist erlaubt? Was ist möglich?

Die Corona-Pandemie hat das öffentliche Leben in den vergangenen Wochen größtenteils lahm gelegt. Nach und nach treten die ersten Lockerungen in Kraft. Anfang Juni stehen in Bayern die Pfingstferien an. Kann man da schon wieder in Urlaub fahren? Julia Zeller, Referentin für Verbraucherrecht bei der Verbraucherzentrale Bayern, beantwortet grundlegende Fragen zum Thema (Pfingst-) Urlaub und erklärt, worauf Urlauber unbedingt achten sollten.

Darf man an Pfingsten verreisen?

"Das kommt darauf an, wo man hinfahren möchte. In Deutschland lockern die Behörden die Beschränkungen Schritt für Schritt. Touristische Übernachtungen werden in den meisten Bundesländern in nächster Zeit wieder erlaubt sein. In vielen anderen Ländern gelten hingegen noch strenge Beschränkungen und teilweise bestehen auch Einreiseverbote. Ein Urlaub im Ausland zu Pfingsten ist wenig realistisch, zumal auch die amtliche weltweite Reisewarnung bis Mitte Juni besteht."

Wohin darf man nach derzeitigem Stand fahren?

"Soweit in den einzelnen Bundesländern touristische Übernachtungen wieder möglich sind, kann dorthin auch gereist werden. Die Grenzen zu einigen Nachbarländern werden jetzt bis zum 15. Juni stückchenweise geöffnet. Jedoch ist zum Beispiel nach Österreich aktuell noch kein Ausflugsverkehr möglich."

Mit wem darf man verreisen?

"Da in Deutschland aktuell nach wie vor Kontaktbeschränkungen bestehen, sollte dies auch bei der Reiseplanung bedacht werden. In Bayern etwa ist es seit dem 8. Mai erlaubt, neben der engeren Familie - das heißt neben Ehegatten, Lebenspartnern und Partnern einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft - außerhalb des eigenen Hausstands auch Verwandte in gerader Linie (Großeltern, Eltern, Kinder) und Geschwister sowie die Angehörigen eines weiteren Hausstands zu treffen."

Welche Ferien-Einrichtungen haben wieder geöffnet?

"Das ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. In den ersten haben Hotels und Restaurants bereits geöffnet. In Bayern sind touristische Übernachtungen in Hotels voraussichtlich ab dem Pfingstwochenende wieder möglich. Darunter fallen auch Ferienwohnungen und Campingplätze."

Welche Verkehrsmittel kann man nutzen?

"Die Deutsche Bahn hat während der Ausgangsbeschränkungen ihr Angebot weitgehend aufrechterhalten und kann auch weiterhin genutzt werden. Wann der reguläre inländische Bus- oder auch Flugverkehr wieder aufgenommen wird, ist derzeit noch nicht bekannt."

Was sollte man bei der Reiseplanung beachten?

"Wer bereits seine Reise gebucht hat, sollte die aktuelle Situation genau verfolgen und sich darüber informieren, was am geplanten Urlaubsort erlaubt ist. Zudem empfiehlt es sich, mit dem Betreiber der Unterkunft Kontakt aufzunehmen und Unklarheiten vorab zu klären."

Welche Reise-Utensilien braucht man in Corona-Zeiten unbedingt?

"Das ist letztendlich vom geplanten Reiseziel und den vorliegenden Bestimmungen abhängig. Beispielsweise sollen in öffentlichen Verkehrsmitteln Mund-Nase-Bedeckungen getragen werden. Unter Umständen kann das auch im Frühstücksraum im Hotel nötig sein. Hier sollten sich die Reisenden im Vorfeld informieren."

Besteht die Gefahr, dass die Reise kurzfristig storniert wird? Wenn ja, welche Rechte hat man als Verbraucher?

"Es besteht grundsätzlich die Gefahr, dass die Reise aufgrund der Pandemie nicht stattfinden kann. Welche Rechte dem Reisenden dann zustehen, hängt davon ab, ob es sich um eine Pauschalreise handelt oder die einzelnen Reisebausteine individuell gebucht wurden. Sagt zum Beispiel der Reiseveranstalter die Reise ab, bekommt der Reisende den bereits gezahlten Reisepreis zurück. Aber auch wenn die gebuchte Ferienwohnung beispielsweise aufgrund einer behördlichen Beschränkung nicht mehr zu erreichen sein sollte, hat der Reisende Anspruch auf Rückerstattung."

Welche Rechte hat man, wenn man selbst die Reise stornieren muss oder möchte?

"Das kommt jeweils auf die Situation und den Grund der Stornierung an. Wäre die geplante Reise zu dem gebuchten Hotel an sich möglich, möchte man aber aus Angst vor Ansteckung nicht reisen, fallen die vertraglich vereinbarten Stornokosten an. Ist dagegen die Unterkunft aufgrund der behördlichen Anordnungen noch für touristische Übernachtungen geschlossen, sollte eine kostenfreie Stornierung möglich sein."

Kann es passieren, dass im Urlaub plötzlich die Ausgangsbeschränkungen wieder aufgenommen werden und man am Urlaubsort festsitzt?

"Es ist nicht auszuschließen, dass sich die Lage wieder zuspitzt und erneut Ausgangsbeschränkungen ausgesprochen werden. Wenn das passiert, sollten sich die Urlauber mit den jeweils zuständigen Behörden in Verbindung setzen und klären, wie weiter vorzugehen ist."

Was würden Sie Urlaubern generell für eine Reise in den Pfingstferien empfehlen?

"Vor Antritt der Reise sollten Urlauber sich informieren, ob die Reise zum geplanten Ziel überhaupt möglich ist. Ist die gebuchte Ferienwohnung wieder benutzbar oder das gebuchte Hotel wieder geöffnet? Oder: Wird der Ort auch tatsächlich von der Deutschen Bahn angefahren? Zudem sollten sich Reisende danach erkundigen, welche Beschränkungen vor Ort gelten. So kann eine Enttäuschung vermieden werden."

Mit Blick auf den Sommer: Lohnt es sich jetzt schon, eine Reise in den Sommerferien zu buchen oder sollte man damit noch warten?

"Niemand kann vorhersagen, wie sich die Pandemie weiter entwickeln wird. Daher lässt sich auch keine Empfehlung für den Sommerurlaub aussprechen. Wer jetzt trotzdem buchen möchte, sollte im Vorfeld das (finanzielle) Risiko abwägen, das auf einen zukommt, falls der Urlaub coronabedingt doch nicht stattfinden kann. Bei der Buchung sollte genau darauf geachtet werden, welche Rechte im Fall der Fälle gelten."

Die Fragen stellte Rebecca Vogt.