Lichtenfels
Neujahrsempfang

Lichtenfels ehrt zwei couragierte Persönlichkeiten

Lichtenfels bedankt sich bei einem hilfsbereiten Mädchen und ehrt eine mutige Frau - Pfarrerin Anne Salzbrenner.
Artikel drucken Artikel einbetten
Bürgermeister Andreas Hügerich bedankt sich bei Johanna Guerrero Peralta. Die Achtjährige hat einer alten Dame geholfen, die im Sommer bei großer Hitze einen Schwächeanfall erlitten hatte.Popp
Bürgermeister Andreas Hügerich bedankt sich bei Johanna Guerrero Peralta. Die Achtjährige hat einer alten Dame geholfen, die im Sommer bei großer Hitze einen Schwächeanfall erlitten hatte.Popp
+5 Bilder

Wirtschaftliche Erfolge, Wachstum, geleistete Arbeit: Ja, auch das fand Erwähnung beim Neujahrsempfang der Stadt. In den Mittelpunkt seiner Ansprache aber hatte Bürgermeister Andreas Hügerich (SPD) nicht-materielle Werte gerückt. Mitmenschlichkeit, Solidarität und Verantwortungsbereitschaft. Viele Organisationen hätten sich in diesem Sinne für die Gemeinschaft eingesetzt, aber auch Einzelpersonen. Ihnen allen gebühre Respekt und Dankbarkeit. Ein kleines Mädchen war dann die Erste, die er auf die Bühne holte, um der zuvor genannten selbstlosen Hilfsbereitschaft ein Gesicht zu geben. Johanna Guerrero Peralta sei durch ihr schnelles Eingreifen zu einem Vorbild geworden. Sie hatte an einem der heißen Tage des vergangenen Sommers auf dem Heimweg von der Schule eine alte Dame bemerkt, der die Hitze offenbar zu schaffen machte. Johanna half der Seniorin beim Einsteigen in den Bus, hob noch deren Rollator hinein und führte sie zu einem Sitzplatz. Die Achtjährige hatte weiter ein Auge auf die Frau und informierte sofort den Busfahrer, als diese einen Schwächeanfall bekam und vom Sitz rutschte. So verging keine kostbare Zeit und der herbeigerufene Notarzt konnte gleich helfen. Für sein beherztes Handeln erhielt das Mädchen, übrigens Mitglied der Seubelsdorfer Jugendfeuerwehr, nun ein Geschenk.

Eine der höchsten Auszeichnungen, die die Stadt Lichtenfels zu vergeben hat, wurde danach Anne Salzbrenner verliehen. Seit über 20 Jahren ist sie Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde, arbeitet bei Stadtentwicklungsthemen mit, ist verantwortlich für die Trägerschaft der Kindertagesstätten "Vogelnest" und "Körbla" und wirkt als stellvertretende Dekanin im Dekanatsbereich Michelau. Doch es ist vor allem ihr Einsatz für Menschlichkeit, Frieden, Freiheit, Toleranz und Integration, der mit der Ehrenmedaille gewürdigt wurde. "Anne Salzbrenner gibt denen eine Stimme, die selbst keine haben", sagte der Bürgermeister. Sie sei bekannt für ihr Engagement in der Flüchtlingshilfe und gegen Rechtsextremismus. Als sie Flüchtlinge im Pfarrhaus aufnahm, als deren Abschiebung drohte, sei sie ihrem Gewissen gefolgt. Sie rede Klartext und lasse sich nicht einschüchtern. "Zu sehr liegen ihr die Menschen am Herzen", so der Bürgermeister.

Dass sie nicht trennen könne zwischen Christin sein und Pfarrerin, räumte die Geehrte anschließend selbst ein. Sie ging auch auf einen familiären Hintergrund ein: Ihr Großvater Georg Seiß war Pfarrer in der Schney, gehörte der Bekennenden Kirche, einer Oppositionsbewegung im Dritten Reich, an. Er wurde zwangseingezogen und ließ im Krieg sein Leben.

"Ich kann nicht anders"

Nicht in erster Linie für große Baumaßnahmen oder große Ziele ausgezeichnet zu werden, sondern für die Menschlichkeit - das gefiel Anne Salzbrenner. Es sei ihr Beruf und Berufung, die Menschen zu sehen, sie wahrzunehmen mit ihren Sorgen und Nöten, sie anzunehmen, wie sie sind, auch wenn sie vom Rande der Gesellschaft kommen, weil sie genauso Geschöpfe Gottes sind.

Dafür geehrt zu werden, sei eine Ehre. "Ich darf in einer Stadt leben und arbeiten, die das positiv sieht. Das ist für mich das Große an dieser Ehrung." Für sie sei ihr Tun selbstverständlich. "Ich kann nicht anders." Die Ehrung aber sei nicht selbstverständlich.

Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren