Lichtenfels
Vorlesetag

Leseförderung findet jeden Tag statt

Für Aktionen zur Leseförderung hat die Stadtbücherei Lichtenfels einen Preis bekommen. Wir sprachen aus Anlass des bundesweiten Vorlesetags am 16. November mit Leiterin Christine Wittenbauer über ihre Rolle als Vorleserin, neue Medien und die Liebe zu Büchern.
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Christine Wittenbauer liest aus einem aktuell sehr beliebten Kinderbuch: "Der Drache aus dem blauen Ei".
Christine Wittenbauer liest aus einem aktuell sehr beliebten Kinderbuch: "Der Drache aus dem blauen Ei".
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Am 16. November ist der bundesweite Vorlesetag. Kein besonderer Tag in der Stadtbücherei. Vorlesen, was erwiesenermaßen einen günstigen Einfluss auf die Entwicklung von Kindern hat, ist dort das ganze Jahr über ein Thema. Zu Aktionen wie "Büchereiführerschein" und "Lesekompass" kommen Kindergartenkinder sowie Erst- und Zweitklässler aus dem ganzen Landkreis nach Lichtenfels. Sie lernen die Bücherei und Bücher kennen, sollen dadurch Lust bekommen, selbst zum Buch zu greifen.

Der mit 5000 Euro dotierte Kinderbibliothekspreis für besondere Leistungen auf dem Gebiet der Leseförderung ist für Büchereileiterin Christine Wittenbauer ein Ansporn. Das Geld hat sie schon investiert - in Neuanschaffungen. Wenn vorgelesen wird, ist die Leiterin der Stadtbücherei in ihrem Element. Dazu reicht es nicht, sich den Text kurz vorher einmal anzuschauen.
Im Gespräch gibt sie einen Einblick in ihre Erfahrungen und Beobachtungen.

FT: Frau Wittenbauer, wie wird man ein guter Vorleser?
Christine Wittenbauer: Für mich persönlich ist das Wichtigste: Ich selbst muss die Geschichte gerne mögen, ich muss sie gerne erzählen.

Haben Sie Veränderungen beobachtet, was die Aufmerksamkeit der Kinder angeht?
Überhaupt nicht. Ich bin jetzt seit 22 Jahren in der Bücherei tätig und kann sagen: Die Aufmerksamkeit der Kinder ist immer gleich. Es kommt darauf an, was für eine Geschichte ich auswähle, wie ich sie den Kindern erzähle, was ich mir für Gedanken dazu mache.

Wie bereitet man sich vor?
Ich lese regelmäßig Kinderbücher und überlege mir, wie man typische Details einer Geschichte beim Vorlesen darstellen kann. Bei der Hexe Hatschi beispielsweise das Zaubern, immer wenn sie niest (Wittenbauer reibt links und rechts an der Nase, um das zu erklären): Es kribbelt und krabbelt, es zwickelt und zwackelt, dann sagt sie immer: zu spät, ha-ha hatschi! Mit solchen kleinen Aktionen, die Kinder sich einprägen, kann man sie begeistern. Oder wir lassen an einer bestimmten Stelle Gummibärchen aus dem Hexenhut purzeln und führen den Kindern den Zauber vor Augen - genauso, wie es im Buch erzählt wird.

Können Sie noch ein paar Tipps zum Vorlesen geben?
Ich will niemandem Tipps geben, da ist die Stiftung Lesen besser geeignet. Sie hat eine Broschüre herausgegeben, die sich an Vorlesepaten in Büchereien, Schulen und Kindergärten richtet. Die enthält wertvolle Tipps, ist auch sehr geeignet für Eltern zuhause.

Wird denn den Kindern, die hier bei Ihnen zuhören, auch Zuhause vorgelesen?
Wenn ich sie frage, sagen sie Ja, es wird vorgelesen, und zwar vor dem Schlafengehen. Nicht selten höre ich auch, dass große Geschwister vorlesen.

Was möchten Kinder denn vorgelesen bekommen?
In der Bücherei suchen sie sich die Bücher ganz gezielt selbst aus. Sie erkennen zum Beispiel Bücher aus dem Kindergarten wieder. Oder es gefällt ihnen ein Titelbild besonders gut, eine Fee, die schön glitzert, oder ein Bagger. Von Eltern höre ich, dass Kinder aus manchen Büchern immer und immer wieder vorgelesen bekommen möchten. Die können dann schon bestimmte kleine Passagen auswendig, obwohl sie noch gar nicht lesen können. Das ist erstaunlich.

Haben Sie derzeit besondere Favoriten?
Die Geschichte vom blauen Drachen Lawundel ("Der Drache aus dem blauen Ei") ist köstlich. Er erlebt das ganze Jahr hinweg lauter Geschichten. Egal, ob ich jetzt den Büchereiführerschein im Sommer, Herbst oder Winter mache, ich hab' immer entsprechende Geschichten.

Wie entdecken Sie gute Bücher?
Ich gucke, was es Neues auf dem Markt gibt, auf den Messen zum Beispiel. Mit dem örtlichen Buchhandel bin ich in gutem Kontakt, man tauscht sich aus, bekommt manchmal Tipps von Kolleginnen und Kollegen, aber in der Regel erarbeitet man sich das selber.

Lesen Sie alle neuen Kinderbücher, die die Bücherei erwirbt?
Das schaffe ich zeitlich nicht. Ich lese vieles quer - vorn, Mitte, Schluss - dann mach' ich mir ein Bild von der Sprache. Wenn es mir gefällt, lese ich das Ganze noch einmal und überlege mir, wie ich das in einer Vorlesestunde erzählen kann.

Aber das geht doch nur nach Feierabend...
Am Wochenende oder nachts. Ich liebe es, Kinderbücher zu lesen. Für mich ist das Entspannung. Ich lese natürlich auch gerne Romane. Wenn mich ein Buch packt, die Sprache stimmt, der Inhalt stimmt, dann muss ich es durchlesen bis zum Schluss.

Die Stadtbücherei bietet ja längst auch neue Medien in großer Auswahl an. Sehen Sie die als Konkurrenz zum Buch?
Nein. Wir hier sehen die neuen Medien - Konsolenspiele, CDs, Zeitschriften, alles, was kein Buch ist, sind für uns neue Medien - nur als Ergänzung zum Buch. Das ist ganz wichtig. Ich sehe darin auch eine Möglichkeit, Kinder zum Lesen zu bringen.

Wie das?
Ein Kind nimmt ein NintendoDS-Spiel mit, zum Beispiel Geolino. Das gefällt dem Kind. Das Kind möchte jetzt mehr Informationen haben. Dann haben wir die Zeitschrift. Das ist schon mal ein Printmedium. Die Zeitschrift reißt aber auch nur bestimmte Sachen an. Jetzt will das Kind über irgendein Thema aus der Zeitschrift mehr wissen. Dann greift es zum Buch. Das ist eine Variante.

Wenn ein Kind sich schwertut mit dem Lesen, kann ich den Einstieg mit einer CD machen. Heike Makatsch zum Beispiel liest Ottfried Preußlers "Kleine Hexe". Irgendwann hört das Kind nicht mehr Heike Makatsch zu, sondern liest selber. Das Buch wird geliebt, es ist ein Klassiker, ein ganz hervorragender. Es gibt auch CDs, die nur einige Episoden bieten. Dann will man mehr von der kleinen Hexe wissen, und das kriegt man aber nur, wenn man es selber liest. Oder Jungs, die meist weniger lesefreudig sind als Mädchen: Die lieben die "Wilden Kerle" und schauen die Filme. Aber da ist nicht alles drin. Mehr Abenteuer der "Wilden Kerle" gibt es nur im Buch. Das gleiche gilt für "Das Sams" von Paul Maar, auch ein ganz gutes Beispiel dafür, wie man vom Film zum Buch findet.

Überlegen Sie vor Neuanschaffungen solche Kombinationen?
Natürlich.

Und wie stellen sich die Verleihzahlen im Vergleich Bücher und neue Medien dar?
Konsolenspiele gehen sehr gut, das ist kein Geheimnis. Aber immer noch gilt: Unser absoluter Ausleihrenner in der Stadtbücherei Lichtenfels sind die Kinderbücher.

Zum Vorlesetag wird es in der Stadtbücherei keine spezielle Aktion geben, ist aber eventuell in den nächsten Monaten etwas geplant, worauf sich die jüngeren Kunden der Bücherei heute schon freuen dürfen?
Am 20. Dezember beginnt das Gebrüder-Grimm-Jahr. An diesem Tag vor 200 Jahren ist die Erstausgabe der Kinder- und Hausmärchen von Jacob und Wilhelm Grimm erschienen. Im nächsten Jahr jähren sich zudem die Todestage von Jacob Grimm und dem jüngeren Bruder Ludwig zum 150. Mal. Warum also nicht mal wieder ein Märchen hernehmen? Mit unseren zwei Lesepatinnen wird es zu diesen Jubiläen Aktionen in der Bücherei geben.

Auch Erwachsene hören gern zu, wenn jemand liest...
Die Lesungen in der Bücherei werden gut angenommen. Auch die Bücherhäppchen zur Mittagszeit mit Snacks und Novitäten von der Buchmesse. Im nächsten Jahr, nach der Leipziger Buchmesse im März, will ich sie wieder anbieten, heuer war das leider zeitlich nicht machbar. Am 22. November haben wir eine Krimilesung mit Andreas Föhr. Ab 19.30 Uhr bei uns in der Bücherei. Er liest aus seinem neuesten Buch "Schwarze Piste".


Vorlesetag Die bundesweite Aktion, unterstützt durch die Stiftung Lesen, Verbände, Unternehmen und Prominente, findet am 16. November 2012 zum 9. Mal statt. Vergangenes Jahr hatte er den Anstoß zu über 12.000 Vorleseaktionen gegeben. In Weismain gab es heuer bereits im Sommer einen Vorlesetag, mit Geschichten an 13 verschiedenen Orten.

Lesepaten sind im Landkreis Lichtenfels in Schulen und Kitas im Einsatz, weitere werden noch gesucht. Wer Interesse an dieser ehrenamtlichen Aufgabe hat, kann sich an die "Aktiven Bürger" in Lichtenfels wenden, die bei der Organisation mithelfen: Tel. 09571/1699330, www.aktive-buerger-lichtenfels.de

Tipps gibt die Stiftung Lesen (Mainz) in Broschüren oder unter www.stiftunglesen.de
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