Bad Staffelstein
Archäologie

Laserscans und Lesefunde

Die Anhaltspunkte verdichten sich, dass an der östlichen Kante des Staffelbergs ein zweites Zangentor gewesen sein muss. Der Hobbyarchäologe Bernhard Christoph erläutert bei einer Exkursion, welchen Zweck dieses Osttor hatte.
Artikel drucken Artikel einbetten
An dieser Stelle, wo der Staffelberg steil nach Osten, ins Löwental, abfällt, wird das zweite Zangentor verortet. Foto: Matthias Einwag
An dieser Stelle, wo der Staffelberg steil nach Osten, ins Löwental, abfällt, wird das zweite Zangentor verortet. Foto: Matthias Einwag
+8 Bilder

Der Ort ist von den Bewohnern des keltischen Oppidums gut gewählt: An dieser Stelle fällt das Hochplateau des Staffelbergs steil ab ins Löwental. Ein Erdwall riegelt die Hochfläche zur keltischen Stadt, dem Oppidum, hin ab. Der Weg, der heute größtenteils durch den erosionsbedingten Einsturz der Holz-Erde-Mauer überdeckt wird, war einst auf 80 Metern Länge eingekeilt zwischen keltischer Befestigungsmauer und Steilhang.

Der Beweis, dass sich an dieser Stelle ein zweites Zangentor befunden haben muss, sei durch wissenschaftliche Untersuchungen erbracht worden, sagt Bernhard Christoph - mit Laserscans und Magnetogrammen. Der Hobbyarchäologe aus Oberlangheim erforscht das Areal am Staffelberg seit etlichen Jahrzehnten. Unzählige Lesefunde hat er zusammengetragen. Gemeinsam mit anderen (Hobby-) Archäologen kann er aus den Erkenntnisse der Feldforschung inzwischen ein plastisches Bild der keltischen Siedlung auf dem Staffelberg zeichnen.

Das Oppidum war wohl zu spätkeltischer Zeit von rund 20 dörflichen Siedlungen umgeben, die fast alle in Sichtbeziehung zum Staffelberg lagen. Viele dieser keltischen Dörfer befinden sich in unmittelbarer Nähe heutiger Orte oder gar unter deren mittelalterlicher Bausubstanz.

Landwirtschaft und Verkehrsweg

Aus all diesen Mosaiksteinchen legt Bernhard Christoph ein vielschichtiges Bild des keltischen Lebens auf der Staffelberg-Alb. Bei einer Exkursion des Geschichtsvereins Colloquium Historicum Wirsbergense (CHW) skizziert er, in welcher Beziehung die keltische Stadt mit der Landzunge auf der Alb zwischen Altem Staffelberg, Spitzberg und Staffelberg gestanden haben muss. Diese Hochebene wurde sicher als Hochstraße genutzt. Zudem befanden sich hier die Felder, die von Bauern aus der keltischen Stadt kultiviert wurden.

Das Osttor des Oppidums bekommt hierdurch eine Bedeutung. "Es war tatsächlich ein Zangentor", sagt Bernhard Christoph, "das etwa fünf Meter breit war." Die Zange war jedoch nur zehn Meter lang, "also nicht so groß wie das Haupttor im Westen", das derzeit auf wissenschaftlicher Basis rekonstruiert wird. Über dieses Tor, das zum Areal zwischen Spitzberg, Löwental und Lärchenberg führt, konnten die Bauern ihre Felder erreichen, sagt Bernhard Christoph. Diese Pforte sei zudem von all den Dorfbewohnern aus dem Döberten- und Döritzengrund benutzt worden, die Handel mit den Menschen in der Keltenstadt trieben. Doch auch die Bewohner der Siedlungen im Maintal bei Romansthal und Wolfsdorf betraten die Stadt über das Osttor - genauso wie die Händler, die über die Straßen östlich des alten Staffelbergs kamen.

An der Geländeoberfläche ist das Osttor heute nicht mehr sichtbar. Die Erosion hat das Bauwerk aus Steinen, Erde und Holz in 2000 Jahren mit der Umgebung fast ganz verschliffen. Wer jedoch aufmerksam hinsieht, der kann die alten Strukturen in der Topographie erkennen.

Weitergehende Folgerungen ergeben sich aus Lesefunden, die Bernhard Christoph und viele andere Hobbyarchäologen in den vergangenen Jahrzehnten zusammengetragen haben. Den Teilnehmern der CHW-Exkursion wird das in einem Experiment deutlich: Auf einem abgeernteten Acker unweit des Spitzbergs dürfen die Exkursionsteilnehmer ausschwärmen. 15 Minuten lang sollen die Leute all das aufsammeln, was ihnen interessant erscheint. Angewandte Feldforschung ist das. Als 15 Minuten vorüber sind, ist nicht viel zusammengekommen außer einigen Ammoniten. Für Bernhard Christoph ist das nicht verwunderlich: "Ich habe hier auch nichts gefunden." Hier in dieser Kuppenlagen befanden sich ausschließlich Felder, hier gab es keine Siedlung.

Die antiken Dörfer lagen anderswo. "Im Umkreis des Staffelbergs haben wir rund 20 Punkte, die wir aufgrund keramischer Funde keltischen Siedlungen zuordnen können", sagt Bernhard Christoph und fügt an: "Es ist zu vermuten, dass unter den mittelalterlichen Dörfern noch Funde liegen." Die Scherben wurden in den vergangenen Jahren von ehrenamtlichen Mitarbeitern des Landesamts für Denkmalpflege gesammelt.

Wo die Feldforschung neue Funde brachte

Feldforschung Im Zug der Feldforschung wurden in den vergangenen Jahren unter anderem an rund 20 Plätzen im Umkreis des Staffelbergs - oft im Zusammenhang mit Bauarbeiten - Bodenfunde gemacht. Diese Funde bringen den jeweiligen Platz in Verbindung mit dem spätkeltischen Oppidum auf dem Staffelberg.

Fundorte Unterzettlitz, im Gleisdreieck, außerdem nahe dem Auwald (jeweils Funde aus der Laténezeit); Uetzing, nördlich des Königsbrunnens (aus der Laténezeit) sowie am Ortsrand an der Straße nach Serkendorf; Gößmitz, unmittelbar westlich der Mühle und südöstlich der Mühle; Serkendorf, 400 Meter westlich der Mühle; Romansthal, nordöstlich des Ortes, am Bühl; Wolfsdorf, im Ort an der Grundfelder Straße; Schönbrunn, am Baggersee; Bad Staffelstein, im Bereich des Kindergartens St. Anna, außerdem im Umfeld der Anger-, Jahn- und Unterzettlitzer Straße; Pferdsfeld, 700 Meter ostnordöstlich der Kirche; Kleukheim, nordwestlich der Trockenmühle; Ebing, am nördlichen Ortsrand; End, am östlichen und am nördlichen Ortsrand; Schwabthal, am östlichen Ortsrand und 400 Meter nordwestlich der Ortsmitte; Stublang, südöstlich dem Ortsrand.

Quelle: Denkmalatlas, Bodendenkmäler

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren