Lichtenfels

Landratsamt Lichtenfels: "Hier gilt nicht nur das Gesetzbuch, sondern auch Humor."

Im Landratsamt Lichtenfels wird nicht gelacht, sondern nur Bürokratie betrieben - dieses Vorurteil kann Landrat Christian Meißner widerlegen.
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Der bayerische Landtagsabgeordnete Franz Josef Pschierer (links) und Landrat Christian Meißne. Fotos: Simone Bastian, Nadine Nüsslein / Montage: Dagmar Klumb
Der bayerische Landtagsabgeordnete Franz Josef Pschierer (links) und Landrat Christian Meißne. Fotos: Simone Bastian, Nadine Nüsslein / Montage: Dagmar Klumb

Ein paar Wochen sind bereits ins Land gezogen, seit Landrat Christian Meißner (CSU) den bayerischen Landtagsabgeordneten Franz Josef Pschierer (CSU) mit einem Eintrag auf der Onlineplattform Facebook zu einem Praktikum im Landratsamt Lichtenfels eingeladen hat. "Noch hat er aber nicht zugesagt", sagt Meißner lachend über seinen Politik-Kollegen, den er schon seit Jahren kennt und schätzt.

Das Angebot kam so zustande: Pschierer hatte sich Anfang des Jahres zu der Frage, ob im bayerischen Landtag überhaupt noch gelacht werde, folgendermaßen geäußert: "Hier gibt's nichts Lustiges. Wir haben hier schon seit Jahren nicht mehr gelacht. Hier herrscht eine Stimmung wie in einem Landratsamt." Leider konnten wir Franz Josef Pschierer nicht erreichen, um ihn zu fragen, was ihn zu dieser Aussage bewogen hatte.

Landrat Meißner reagierte mit seinem Vorschlag für ein Praktikum umgehend auf ebenso ironische Art, damit Franz Josef Pschierer auch mal wieder was zu lachen habe. "Es mag ja sein, dass Ihr im bayerischen Landtag schon seit Jahren nicht mehr gelacht habt, aber von Landratsämtern hast Du offensichtlich keine Ahnung. Wir haben Freude, trotz einer Flut von Gesetzen, Verordnungen und Ministerialschreiben, die uns jede Woche erreichen - und wir verlieren unseren Humor selbst dann nicht, wenn in Sonntagsreden die nächste Welle in Sachen Bürokratieabbau angekündigt wird", schrieb er.

Denn am Landratsamt gebe es wie überall etwas zu lachen. "Hier gilt nicht nur das Gesetzbuch, sondern auch Humor", sagt Meißner im Hinblick auf eine gute Zusammenarbeit zwischen den Kollegen.

Humor kann motivieren

Dass Humor am Arbeitsplatz eine förderliche Rolle zukommt, bestätigt die Diplom-Psychologin Sandra Jankowski, Mitglied im Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen. Man müsse aber unterscheiden zwischen dem Lachen als menschliche Fähigkeit, für das es keinen Anlass bedarf, und dem Humor mit seinen Stilen wie Sarkasmus oder Ironie. Am Arbeitsplatz sollte der Humor auf jeden Fall positiv sein, dürfe also nicht auf Spott, Hohn oder Abwertung fußen. Humoristische Momente könnten dann dabei helfen, Stress abzubauen und die Zusammenarbeit innerhalb eines Teams zu verbessern. "Es wird Nähe geschaffen", so die Psychologin, dadurch steige auch die Motivation.

Trotzdem sei es wichtig, gleichzeitig ernsthaft bleiben zu können, um sich Kollegen anvertrauen und schwierigere Themen überhaupt erst ansprechen zu können, sagt Psychologin Sandra Jankowski. "Diese Momente braucht es auch."

Wie an jedem Arbeitsplatz "herrscht zwar nicht immer Sonne", sagt Landrat Meißner. Die Mitarbeiter am Landratsamt müssten schließlich auch schwierige Themen bearbeiten, beispielsweise Anträge ablehnen oder negative Bescheide vermitteln. Gerade deswegen rät der Landrat dazu, den Humor auch in schwierigen Angelegenheiten stets zu bewahren. Das strahle man dann auch gegenüber den Bürgern aus, die das Amt besuchen. "Ich hoffe mal, wir sind ein angenehmer Arbeitsplatz."

Den Humor immer bewahren

Doch diesbezüglich ist Meißner eher sorglos, beantwortet die Frage gleich selbst: "Ich habe schon den Eindruck, dass das bei uns so ist." Worüber am Landratsamt Lichtenfels zuletzt gelacht wurde? Christian Meißner überlegt nicht lange. "Letztens hat mir ein Reichsbürger zu acht Jahren Amtszeit als Landrat gratuliert", erzählt er. "Es ist ja schön, dass er mir trotzdem gratuliert, obwohl es den Staat laut Reichsbürgern ja gar nicht gibt", amüsiert er sich über die gegensätzliche Kuriosität aus seinem Berufsalltag.

Wer nun Interesse an einem Praktikum am Landratsamt bekommen haben sollte: Am fröhlichsten, verrät Landrat Meißner, soll es im Übrigen im Bauamt und in der Kämmerei zugehen.

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