Burgkunstadt
Wirtschaft

Läuft: Forschung für den Handel

Der Wissenschaftscampus E-Commerce in Burgkunstadt vernetzt seit eineinhalb Jahren Wissenschaft und Praxis rund um den Online-Handel.
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Wie kann man den Online-Handel in Deutschland stärken? Im Wissenschaftscampus wird zu dieser Frage geforscht.  Fotos: Wissenschaftscampus E-Commerce
Wie kann man den Online-Handel in Deutschland stärken? Im Wissenschaftscampus wird zu dieser Frage geforscht.  Fotos: Wissenschaftscampus E-Commerce
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757 Millionen Euro Umsatz hat Baur im vergangenen Jahr gemacht. Eine Riesensumme? Gegenüber dem Marktführer des Handels im Internet nur ein ganz kleines Geschäft: Amazon gibt für 2018 einen Umsatz von 232,9 Milliarden US-Dollar an. Der Vergleich macht deutlich, was es bedeutet, sich auf diesem Markt behaupten zu wollen. Große, internationale Onlinehändler haben viel mehr Möglichkeiten, Prozesse zu verbessern, um attraktiver zu erscheinen.

Der vor gut einem Jahr in Burgkunstadt eingerichtete Wissenschaftscampus E-Commerce soll dem deutschen Versandhandel helfen, mithalten zu können. Für die Ausstattung gab es eine erhebliche finanzielle Förderung durch den Freistaat Bayern. Eine Million Euro floss in die Einrichtung von fünf Laboren zur Erforschung des Verhaltens von Kunden und der Kommunikation mit ihnen, logistischer Prozesse und moderner Technologien sowie zu Entwicklung und Anwendungsmöglichkeiten virtueller Darstellungsformen. Ein Gros der Arbeit findet an den eigentlichen Stützpunkten des Wissenschaftscampus' statt: an der Hochschule Coburg, der Universität Bayreuth sowie an den Fraunhofer-Instituten für Integrierte Schaltungen und angewandte Informationstechnik in Erlangen beziehungsweise Bayreuth. Vor Ort in Burgkunstadt gibt es regelmäßige offene und geschlossene Veranstaltungen.

Bei den öffentlichen sollen Einblicke in die Arbeit gegeben und erste Ergebnisse präsentiert werden. Etwa: Wie komme ich von 3D-Modellen eines Produkts zur ansprechenden Präsentation im Internet?

Erhard Ströhl, Bereichsleiter Informationsmanagement / Bau & Technik bei Baur, legt Wert auf die Feststellung, dass der Wissenschaftscampus kein spezifisches Baur-Thema sei - auch wenn er in Burgkunstadt in einem der Gebäude des Unternehmens angesiedelt ist und von dort die Initiative ausging.

"Jeder kann mitmachen, der möchte." Aktuell sei er dabei, weitere Partner zu gewinnen, und es gebe einige Anfragen. Mit der Dynamic Commerce GmbH aus Kulmbach sei bereits ein Unternehmen im Boot, das nichts mit der Baur- bzw. Otto-Gruppe zu tun habe. Diese Firma betreut Webshops für Mittelständler. Auch der Marketing-Club Oberfranken hat dem Campus schon einen Besuch abgestattet. Berührungsängste vor der Konkurrenz habe man nicht, sagt Erhard Ströhl. "Wir sind sowieso gemeinsam unterwegs." Auch der lokale Handel könne profitieren. Stationär oder online - das könne man doch gar nicht mehr trennen, findet Ströhl. Es gebe kleine Geschäfte mit eigenen Onlineshops, und Zalando habe vergangenes Jahr im Zentrum von Leipzig einen relativ großen Laden eröffnet.

Einblick ins VR-Labor

Die nächste Möglichkeit, Einblicke ins Labor für Virtuelle Realität zu bekommen, besteht am Donnerstag, 25. Juli. Auf die Frage, wie ich als Kunde, ohne VR-Brille auf der Nase, und ohne allzu viel persönliche Daten preisgeben zu müssen, von künftigen Forschungsergebnissen profitieren könnte, hat Erhard Ströhl ein Beispiel parat. Beim Schuhekaufen. Sowohl online als auch im Geschäft vor Ort gibt es da häufig Enttäuschungen, weil das ausgeguckte Modell nicht so bequem sitzt wie erwünscht. Wie wäre es also, wenn ein optisches Vermessen, ein Einscannen meiner Füße, mich irgendwann ausschließlich zu gut passenden Schuhen führen würde? So utopisch ist das nicht: "Eine Produktbeurteilung samt Erfassung von Länge, Breite, Höhe und Gewicht, findet jetzt schon statt", sagt Ströhl. Wenn irgendwann also Daten über die Form jedes Schuhs vorlägen, könnte wohl auch eine individuelle Auswahl für ein konkretes Paar Füße getroffen werden. Das nächste Ziel für den Wissenschaftscampus ist aber mehr Nutzer- und Selbstzweck. Strukturen und Führung dort sollen so aufgebaut werden, dass sich die Forschungsarbeit irgendwann eigenständig trägt.

Begriffe - Informationen

Virtual Reality (VR): die Wahrnehmung der Realität in einer computergenerierten und interaktiven Umgebung Augmented Reality (AR): die computergestützte Erweiterung der Realitätswahrnehmung

Labor Tech-Day VR/AR: Ein Abend (25. Juli, 17-21 Uhr) für alle Interessierten zum Zuhören und Ausprobieren der interaktiven Technik im Wissenschaftscampus (Bahnhofstraße 33, Burgkunstadt). Den Fachvortrag zum Thema "Virtuelle & Erweiterte Realität im Unternehmenskontext" hält Prof. Jens Grubert von der Hochschule Coburg, Leiter des Labors für Virtuelle und Erweiterte Realität. Die Teilnahme ist kostenfrei, doch sollte man sich online anmelden über die Homepage www.wissenschaftscampus.net Ausbildung: An der Staatlichen Berufsschule Lichtenfels läuft seit 2018 die Ausbildung für den Beruf des E-Commerce-Kaufmanns.red

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