Ebensfeld
Gemeinderat

Kutzenberger Altbauten erhitzen die Gemüter

Das Ebensfelder Gremium beschließt analysierende Schritte für ein "Kommunales Denkmalschutzkonzept".
Artikel drucken Artikel einbetten
Nach langer Diskussion hat das Gremium nun die Analyse- und Planungsebene eines "Kommunalen Denkmalschutzkonzepts" für Kutzenberg angestoßen. Den meisten ein Begriff sein dürfte das in diesem Zusammenhang natürlich auch relevante Haus 20 mit dem Kirchturm und dem vielgenutzten Festsaal. Foto: Mario Deller
Nach langer Diskussion hat das Gremium nun die Analyse- und Planungsebene eines "Kommunalen Denkmalschutzkonzepts" für Kutzenberg angestoßen. Den meisten ein Begriff sein dürfte das in diesem Zusammenhang natürlich auch relevante Haus 20 mit dem Kirchturm und dem vielgenutzten Festsaal. Foto: Mario Deller

Ganz schön emotional gestaltete sich die jüngste Sitzung des Ebensfelder Gemeinderates. Für eine Menge Zündstoff sorgte die Frage, ob das Gremium ein so genanntes "Kommunales Denkmalschutzkonzept" betreffend der historischen Gebäudestrukturen in Kutzenberg auf den Weg bringen soll oder nicht.

Wie ein "Kommunales Denkmalschutzkonzept" (KDK) aussehen könnte und welche Rahmenbedingungen im Falle einer Anwendung auf Kutzenberg gegeben wären, erläuterte als fachkundiger Gast Thomas Gunzelmann vom bei einer Umsetzung zuständigen bayerischen Landesamt für Denkmalpflege mit Sitz in Schloss Seehof. Gleich 25 in Kutzenberg befindliche, überwiegend in der Zeit zwischen 1906 bis 1914 errichtete Gebäude sind in der bayerischen Denkmalliste eingetragen, wie Gunzelmann anhand einer Grafik zeigte.

Weit sichtbarer Kirchturm

Prägenden Charakter weisen etwa das als Direktions- und Verwaltungsgebäude genutzte dreigeschossige Haus 19, Baujahr 1906, oder das Haus 20 mit dem weit sichtbaren Kirchturm und dem vielgenutzten Festsaal, Baujahr 1912 auf. Vor dem Hintergrund, dass der Bezirk Oberfranken in Kutzenberg eine Neugestaltung plant, sei ein Denkmalschutzkonzept sinnvoll, um zusammen mit allen Beteiligten die dortigen historischen Gebäudestrukturen zu erhalten, zu gestalten und zu entwickeln, benannte Gunzelmann zunächst die Ausgangslage.

"Der Bezirk hat signalisiert, sich mittelfristig von einem Großteil der historischen Substanz trennen zu wollen, weil diese nicht mehr den modernen Ansprüchen genügen" - mit diesem Satz verriet der Referent kein Geheimnis, schnitt aber unbewusst ein nach den Geschehnissen der jüngsten Vergangenheit schwieriges Thema an, was noch für erregte Gemüter sorgen sollte.

Ein KDK beinhaltet insgesamt drei Phasen, das Modul 1 beinhaltet die Erfassung, Analyse und Dokumentation der Denkmalwerte, Modul 2 die Planungsebene (also die Ausarbeitung des Handlungsbedarfs), Modul 3 schließlich auf Grundlage der Erkenntnisse dann Voruntersuchungen, Machbarkeitsstudien und die Erstellung von Nutzungskonzepten. Die Erstellung des KDK wird seitens des Landesamtes für Denkmalpflege zu 80 Prozent bezuschusst.

Wie weiter zu erfahren war, konnte man sich darauf einigen, dass bei Befürwortung durch den Gemeinderat von den übrigen 20 Prozent Eigenanteil der Markt Ebensfeld ein Viertel (fünf Prozent der Erstellungskosten) zu tragen hätte, der Bezirk Oberfranken übernähme den Rest (15 Prozent). Gunzelmann zufolge ist für die Module 1 und 2 mit Kosten von rund 50 000 Euro zu rechnen, mithin beliefe sich der Anteil des Marktes auf 2500 Euro.

Wo geht die Reise hin?

Im Anschluss entwickelte sich eine reges Hin und Her. Zweiter Bürgermeister Hauke Petersen (CSU) vertrat die Auffassung, dass der Bezirk als Eigentümer viel stärker in die Pflicht genommen werden sollte. Heinrich Kunzelmann (Freie Wähler) sah sich "nicht imstande, zum gegenwärtigen Zeitpunkt für das Denkmalschutzkonzept zu stimmen" und begründete seine Haltung mit deutlicher Worten: "Ich halte es für die Umsetzung als unverzichtbar, dass alle an einen Tisch kommen und erwarte, dass jemand vom Bezirk herkommt und uns vorstellt, was sie in Kutzenberg konkret vorhaben. Wir müssen erst wissen, wo die Reise hin geht in Kutzenberg, das wäre für mich der erste Schritt, bevor wir ein Denkmalschutzkonzept angehen." Ins gleiche Horn stieß Kunzelmanns Parteikollege Axel Hümmer: "Wir müssen das doch nicht heute entscheiden". An den zugesagten 15 Prozent Anteil an den Erstellungskosten ließe sich das Interesse des Bezirks schon erkennen, entgegnete Referent Gunzelmann und ergänzte beschwichtigend: "Ein Beschluss von Modul 1 und 2 - und darum geht es ja heute - würde ja noch keine Verpflichtungen mit sich bringen".

Die von einigen Gemeinderäten geäußerte Forderung, bei Entscheidungsprozessen wie diesen solle auch Bezirkstagspräsident Henry Schramm "mit am Tisch sitzen", sieht Gunzelmann als realisierbar an: "Ich denke, dass er da nichts dagegen hätte. Als Kulmbacher Oberbürgermeister ist er selbst Kommunalpolitiker und hat sich im Übrigen ja auch schon ausdrücklich für ein Denkmalschutzkonzept für Kutzenberg ausgesprochen."

Während manche Gemeinderäte das Ganze auf der Basis vorhandener Informationen noch skeptisch sehen, äußerten sich andere positiv: "Wir sollten nicht nur, wir müssen sogar das Denkmalschutzkonzept angehen, dies würde den bisher nicht stattgefundenen wichtigen Denkprozess anregen", meinte Peter Schmauser (CSU). Ein KDK stärke die Position der Marktgemeinde im Hinblick auf die Erhalt und Nutzung der historischen Bausubstanz in Kutzenberg, ergänzte er. Auch Bürgermeister Bernhard Storath, zeigte sich zuversichtlich. "Wir haben als Kommune doch auch eine Verantwortung dem Ortsteil Kutzenberg gegenüber und sollten hier Stärke zeigen." Im Übrigen habe er "keine Lust auf ein Kräftemessen" mit dem Bezirk. Nachdem zahlreiche Pro- und Kontrathesen ausgetauscht worden waren, fand dann die abschließende Akklamation statt, die Spannung war mit Händen zu greifen. Mit einem Abstimmungsergebnis von 12 zu fünf Stimmen wurden Modul 1 und 2 schließlich auf den Weg gebracht - mit der Ergänzung, dass der Bezirkstagspräsident hinzugezogen werden soll.

Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren