Ebensfeld
Personalie

Kutzenberg: Chefarzt in Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik eingeführt

Nach 762 Tagen ohne Chefarzt übernimmt Nedal Al-Khatib in der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Kutzenberg diese Position und spricht über die Herausforderungen.
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Dr. Nedal Al-Khatib, Foto: Sarah Stieranka
Dr. Nedal Al-Khatib, Foto: Sarah Stieranka
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30 Minuten sind im Vorstellungsgespräch vonnöten und der leitende Direktor der Gesundheitseinrichtungen Bezirk Oberfranken (GeBO), Prof. Dr. med. Thomas Kallert, ist sich sicher, in Dr. Nedal Al-Khatib den neuen Chefarzt der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Kutzenberg gefunden zu haben.


"Entscheidungssicherheit, Respekt vor der Aufgabe und den Mitarbeitern, Geduld, Durchsetzungsfähigkeit, die Klinik nach außen repräsentieren und die Letztverantwortung tragen" sind Eigenschaften, die laut Prof. Dr. Kallert ein Chefarzt besitzen muss. All diese Eigenschaften sieht er bei Dr. Nedal Al-Khatib nach einer halben Stunde - die Stelle wird nach 762 Tagen endlich wieder besetzt.


Kutzenberg als Chance

Und auch Dr. Al-Khatib sieht in Kutzenberg eine Chance. "Ich habe mir die Frage gestellt: Möchtest du so weitermachen wie bisher, oder etwas suchen, wo du deine Qualifikationen anwenden kannst - eine neue Herausforderung?" Der 46-Jährige entscheidet sich für die Herausforderung und findet diese in Ebensfeld. Dafür verlässt er Dortmund, wo er 14 Jahre als Assistenzarzt und später als Oberarzt gearbeitet hat.


"Das Ruhrgebiet und Franken haben Gemeinsamkeiten. Die Bierkultur zum Beispiel. Früher wurden die Zechenarbeiter auch mit Kohle und Bier bezahlt", erzählt der 46-Jährige, der stets ein Lächeln auf den Lippen hat. Mit seinen kurzen Haaren und zusammengefalteten Händen bedankt er sich schüchtern für die vielen Komplimente - mit der großen Aufmerksamkeit hatte er nicht gerechnet. "Wir sind froh, dass Sie da sind", lauten die ersten Worte, die er von seinen Mitarbeitern zu hören bekommt. Über zwei Jahre fehlte ein Chefarzt in der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik.
Warum so lange? "Die Bedeutung der Position war uns bewusst. Wir wollten den Richtigen oder keinen", lobt Katja Bittner, Vorstand der GeBO, den neuen Chefarzt. Womit Nedal Al-Khatib sie überzeugt habe: "Für sie ist das Glas immer halbvoll. Sie sehen hier eine Chance auf einen Neubau."


Erste Pläne des Mediziners

Doch über die künftigen Veränderungen kann sich der 46-Jährige noch nicht äußern. Dazu müsse er erstmal den Ist-Zustand eruieren. Die größte Herausforderung für ihn werde aber der Ärztemangel sein. "Die Arbeit lastet auf wenig Schultern. Dadurch wird Unzufriedenheit geschürt. Ich werde also Personalakquise betreiben", legt der Mediziner seine ersten Pläne dar.

Sein Plan von einer Karriere als Mediziner wäre fast nicht zustande gekommen. "Als Kind wollte ich immer Arzt werden", erinnert sich der Neu-Ebensfelder. Doch: Nach dem Abitur ist ein Medizinertest Pflicht. Den ersten Termin verpasst er, beim zweiten bereitet er sich nicht gründlich vor und schneidet schlecht ab. Plan B muss her und das ist eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann. Doch durch ein Auswahlverfahren schafft er es doch noch zum Medizin-Studium. Eine Erfolgsgeschichte nimmt ihren Lauf. Als Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und Neurologie verfügt er über einen großen Erfahrungsschatz, den Dr. Günther Denzler, der Bezirkstagspräsident Oberfrankens, besonders schätzt. Außerdem spricht er Deutsch, Englisch, Französisch und Arabisch - Al-Kathibs Eltern kommen aus Palästina.


Prozess des Klinikneubaus

Seine Aufgabe werde nun unter anderem sein, den Prozess des Klinikneubaus zu begleiten. Seit dem 1. August ist er als Chefarzt in der Klinik tätig. In Ebensfeld angekommen ist er mit seiner Frau aber bereits vor Wochen. Dort mietet das Paar eine Wohnung.
Die fränkischen Menschen seien zwar etwas schüchterner als die aus dem Ruhrgebiet, aber dafür sehr "freundlich" und "familiär" - so sein erster Eindruck. Al-Khatib hegt nun vor allem einen Wunsch: sich heimisch fühlen.

Patienten sollen per Anruf zum passenden Arzt


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