Laden...
Bad Staffelstein
Natur

Kreis Lichtenfels: Radfahren trotz Ausgangsbeschränkungen?

Wer sich während der Ausgangsbeschränkungen bewegen möchte, kann dies auf dem Fahrrad tun. Doch wo trifft man auf wenige andere im Kreis Lichtenfels?
Artikel drucken Artikel einbetten
Die Bewegung an der frischen Luft ist von den Ausgangsbeschränkungen ausgenommen. Foto: Matthias Einwag
Die Bewegung an der frischen Luft ist von den Ausgangsbeschränkungen ausgenommen. Foto: Matthias Einwag

Ein Großteil der Freizeitbeschäftigungen fällt wegen der Ausgangsbeschränkungen für die kommenden Wochen weg. Spazierengehen oder Sport an der frischen Luft - alleine oder mit Personen, die im selben Haushalt wohnen - ist das aber möglich. Armin Lieb ist Sprecher der ADFC-Kreisgruppe Obermain und hat während seiner Fahrradtouren schon viel gesehen. Trotz Einschränkungen und niedriger Temperaturen Ende März erhält er sich sein Hobby. Dabei fährt er am liebsten einfach drauflos, erzählt er.

Ihm fehle zurzeit vor allem die Gemeinschaft, sich während einer Radtour unterhalten zu können oder sich einfach nur mit Bekannten zu treffen. "Ich bin ein Typ, der gerne unter Leuten ist", sagt er über sich selbst. Unabhängig, ob Wanderung oder Radfahren, eine anschließende Einkehr nach der Bewegung, das vermisse er ebenso. Aber all das nehme er in Kauf, sagt Armin Lieb, es sei der aktuellen Situation geschuldet.

Allein auf weiter Flur

Um den Kontakt zu anderen Personen beim Radfahren zu vermeiden, bietet es sich an, wenig frequentierte Strecken zu fahren. Tendenziell sei in den Tälern und auf den ausgeschilderten Radwegen mehr los, ist es Armin Liebs Erfahrung. Wo es dann hingegen steiler wird, seien weniger Leute anzutreffen, sagt er. Doch das nehme leicht zu, seit die E-Bikes mit Motorantrieb aufgekommen sind.

Vor zwölf Jahren, als er in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt Beschilderungen für Radwege aufgestellt habe, sei das noch anders gewesen. "Da sind wir noch davon ausgegangen, die Strecken möglichst leicht zu halten", erinnert er sich. Inzwischen besitzt Armin Lieb aber neben seinem Mountainbike auch ein Pedelec, um nach einer Verletzung an der Achillessehne die Steigungen leichter zu bewältigen.

Radeln seit der Kindheit

Die Neigung zum Radfahren sei im Kern aus einer Notwendigkeit entstanden, erzählt der 71-Jährige. Als Kind sei er viel mit dem Fahrrad gefahren, es war das primäre Fortbewegungsmittel. Zwar wurde in den 1970er Jahren das Auto populär, doch ein paar Jahre später, in den 1980ern, sei das Radfahren doch wieder aufgekommen.

Bei der Laufgruppe des TSV 1860 Staffelstein habe er damals mit dem Radeln in der Gruppe angefangen, später über den ADFC und die Kultur-Initiative Staffelstein (KIS) Wochentouren mit übernommen. Diese Touren erstreckten sich nicht nur über den Landkreis, sondern führten die Gruppen unter anderem an die Mosel, den Neckar, in die Oberlausitz oder nach Fulda. "Wir haben einiges gesehen", sagt er.

Der ADFC ist von Grund auf ein Verkehrsclub, sozusagen der Lobbyist der Radfahrer, sagt Armin Lieb. Laut eigenen Angaben sind derzeit an die 190.000 Mitglieder dabei. Als verkehrspolitischer Verein setze man sich für die konsequente Förderung des Fahrradverkehrs ein, arbeite mit Vereinen, Organisationen und Institutionen zusammen, die sich für mehr Radverkehr, Sicherheit und Umweltschutz im Verkehr stark machen, heißt es in der Beschreibung. Mit diesen Anregungen trete man an die Politik heran.

Kontakt zu den Gemeinden

Als Sprecher der Kreisgruppe hat Lieb inzwischen auch einen guten Kontakt zu den Bürgermeistern der Städte und Gemeinden in der Umgebung, er bespricht mit diesen, wo sich etwas verbessern lasse. Viel sei aber in diesem Bereich schon passiert. "Die Beleuchtung der Radwege ist schon besser geworden", sagt der Staffelsteiner.

Er als Radfahrer erachte es zum Beispiel als wichtig, die Radwege an den Seiten mit einem weißen Streifen zu markieren, damit man im Dunklen die Außenbegrenzung besser sehe. Im Raum Forchheim sei das schon der Fall, dort seien bei vielen Wegen solche Markierungen nachträglich dazugekommen, sagt Armin Lieb.

Damit das Radfahren sicherer wird, gebe es auch im Stadtkern in der Bamberger Straße Veränderungsbedarf. Die vielen Ausfahrten machen die Straße für die Radler gefährlich. "Da kann es zu Problemen kommen", sagt Lieb. Das Gespräch, das er darüber erneut mit dem Bürgermeister suchen wollte, werde nun erst einmal hinten angestellt. Überhaupt stelle sich die Frage, welcher Finanzierungsbetrag dafür nach der Corona-Krise überhaupt übrig bleibe, so Armin Lieb.

"Wir wissen natürlich auch noch nicht, wann wir wieder mit den Tagestouren anfangen können", sagt er, erst einmal werde man bis nach Ostern abwarten müssen. Programmhefte gebe es deshalb noch nicht, mögliche Termine würde die Ortsgruppe dann zusätzlich über die Zeitung bekanntgeben.

Ob wandern, spazierengehen oder eben radeln: Trotz der Ausgangsbeschränkungen hält Armin Lieb das Radfahren oder die Bewegung an der Luft für wichtig. Man müsse mal aus den eigenen vier Wänden raus, um dem Lagerkoller zu entfliehen, sagt er, und das lieber früher als später. "Ich fühle mich wohl beim Radfahren, ich kann das genießen", gilt für Armin Lieb.

Deshalb möchte er sich am Nachmittag wieder alleine in die Natur begeben. "Ich setze mich einfach aufs Rad, irgendwann komme ich an." Das Radeln bleibt für Armin Lieb erst einmal nicht auf der Strecke,