Burgkunstadt
Gottesdiensttest

Kirche St. Heinrich und Kunigunde in Burgkunstadt: ein kleiner Moment der Hoffnung

Die Kirche St. Heinrich und Kunigunde in Burgkunstadt bräuchte ein bisschen mehr Aufmerksamkeit, hat aber durchaus Potenzial.
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Der viergeschossige Eingangsturm beherrscht die Fassade von St. Heinrich und Kunigunde. Maresa Schlemmer
Der viergeschossige Eingangsturm beherrscht die Fassade von St. Heinrich und Kunigunde. Maresa Schlemmer

Das Urteil unseres Testers:

Hier wird ganz klassisch Messe gefeiert. Es gibt kein Ausbrechen nach links oder rechts. Das katholische "Programm" wird ohne Unterbrechungen durchgezogen, fast abgespult. Keine Pausen zum Nachdenken oder nur zum Durchatmen. Fast fühlt man sich ein bisschen gehetzt als Gläubiger. Der Priester ist bemüht, vor allem deswegen weil er sich seiner sprachlichen Schwächen bewusst ist. Ganz am Ende des Gottesdienstes bricht er kurz aus dem Programm aus und erzählt kurz von seinem Urlaub bei seinen Eltern in Polen, nach dem er sich wieder an die deutsche Sprache gewöhnen muss. Ein Moment, in dem er merklich Pluspunkte bei den Besuchern macht. Gläubige finden sich wenige ein, was auch am guten Wetter liegen mag. Insgesamt handelt es sich eher um älteres Publikum und viel mehr Frauen als Männer. Man kennt und grüßt sich hier, macht ein Pläuschchen und setzt sich dann pflichtbewusst in seine Bank. Das Kirchengebäude ist in die Jahre gekommen und bräuchte dringend etwas Aufmerksamkeit in Form von kleineren Renovierungsarbeiten, besonders ein Eimer weiße Farbe würde gut tun. Mit ein bisschen mehr Liebe und Leben in allen Dingen könnte man hier wunderbare Gottesdienste feiern.

Die Bewertung im Einzelnen:

1. Einstieg

Der Gottesdienst beginnt ganz klassisch. Sofort werden die Namen der Verstorbenen verlesen, für die die Messe gelesen wird. Da gibts kein Herumgerede, keine Einleitung oder vielleicht ein Thema für den Gottesdienst. Der Pfarrer kommt gleich zum Punkt. Wohl auch, weil er gebrochen deutsch spricht und Notizen braucht. Bewertung Klassischer Start in einen klassischen katholischen Gottesdienst.

2. Musik

Das Spiel der Organistin ist solide, manchmal vielleicht ein bisschen schnell und gehetzt. Sie beherrscht aber auch die leisen und die lauten Töne. Die Liedauswahl ist so, dass alle Kirchenbesucher mitsingen können, was diese auch fleißig tun. Eher ungewöhnlich ist ein lateinisches Lied dazwischen und ein Marienlied am Ende. Und leider immer nur eine Strophe. Manches Mal hätte man sich eine zweite Strophe gewünscht.

Bewertung Bei dieser Liedauswahl kann man gut mitsingen.

3. Lesungen

Es gibt zwei Lesungen. Selbstverständlich klassisch eine aus dem Alten und eine aus dem Neuen Testament. Die Lesung aus Jesaja ist sehr kurz. Der Mesner liest selbst, deutlich und langsam. Thema: "Missionierung". Die zweite Lesung stammt aus dem Hebräerbrief und handelt von Züchtigung und die Lehren daraus. Bewertung Insgesamt sind diese beiden Lesungen trotz guten Vortrags schwere Kost.

4. Predigt

Die Predigt bezieht sich nicht auf eine der Lesungen, sondern auf das Evangelium. Auch hier ist das Thema äußerst schwierig. Endzeiterwartung, Erlösung aus diversen Nöten und die Gnade Gottes finden sich hier. Den Gläubigen Mut zu machen, gelingt dem Pfarrer dennoch. Der Vortrag ist etwas eintönig, wohl auch, weil er komplett abgelesen wird. Die Predigt findet einen abrupten Abschluss. Ohne jeglichen Übergang leitet der Pfarrer direkt das Glaubensbekenntnis ein. Bewertung Gerade nach einer so schwierigen Predigt wäre eine kurze meditative Pause gut gewesen.

5. Kommunion/ Abendmahl

Der Pfarrer verteilt die Kommunion alleine. Unterstützung wäre auch nicht nötig, da bei so wenigen Gottesdienstbesuchern alles ganz schnell geht. Hier gibts keinerlei Überraschungen. Das leise Orgelspiel währenddessen macht dies zum einzigen kontemplativen Moment während des Gottesdienstes. Bewertung Schöne meditative Stimmung durch leises Orgelspiel während der Kommunion.

6. Segen

Kurz nach dem klassischen Segen und den Vermeldungen für die kommende Woche durch den Mesner kommt die einzige Situation während der Messe, in der der Priester tatsächlich Kontakt zu den Gläubigen sucht und kurz von seinem Heimatbesuch in Polen erzählt. Die Zuhörer nehmen das dankbar an. Am Ende ein "Gegrüßet seist du, Maria". Ungewöhnlicher Abschluss. Bewertung Der Moment nach dem Segen ist der einzige, der eine persönliche Note in den Gottesdienst bringt.

7. Ambiente

Der Innenraum von St. Heinrich und Kunigunden hätte einen neuen Anstrich bitter nötig. Was zusätzlich irritiert ist der komplett ausgelegte Teppich in der ganzen Kirche. Ansonsten ist alles sehr sauber und gepflegt. Sowohl der Hauptaltar als auch die Seitenaltäre sind mit einfachen Blumen geschmückt. Es gibt allerdings wenig Anhaltspunkte für ein reges Gemeindeleben außer ein paar Fotos im Schaukasten.

Bewertung Hier ist alles ordentlich, aber ein bisschen in die Jahre gekommen.

8. Kirchenbänke

Die Kirchenbänke sind erstaunlich bequem. Das sind keine barock verschnörkselten Uralt-Bänke, deren Abschluss sich schön in den Rücken bohrt, sondern solche etwas neueren Datums, auf denen man gut gepolstert sitzen kann. Auch die Kniebänke sind einigermaßen bequem. Die paar Minuten, die man hier kniend verbringen soll, kann man gut aushalten. Bewertung Sitzen und Knien ist in diesem Gotteshaus kein Problem. Ganz anders als in vielen anderen Kirchen.

9. Beleuchtung

St. Heinrich und Kunigunde ist mit alten Kronleuchtern ausgestattet, die mit elektrischen Kerzen bestückt sind. Ein besonders schönes und großes Exemplar hängt vorne in der Mitte. Ansonsten gibt es nur Spots für die Altäre. Alles in allem könnte das im Winter etwas dunkel sein. Die lila Buntglasfenster im Altarraum zaubern zusätzlich schöne Lichtstimmung. Bewertung In Sachen Beleuchtung wird hier modern und alt gemixt. Das kann man mögen oder auch nicht.

10.Sinne

Vor Beginn des Gottesdienstes empfängt einen hier eine ruhige entspannende Kirche, die dem Besucher einiges zu bieten hat. Nicht nur der Hauptaltar, sondern auch die Seitenaltäre sind einer genaueren Betrachtung wert. Weihrauch gibt es keinen, allerdings sind alle Kerzen angezündet. Die modernen Buntglasfenster passen im Gesamteindruck nicht zum Rest der Kirche und stören das Bild. Bewertung Wenn man genau hinsieht, kann man einige Schätze finden.

Warum ein Gottesdiensttest?

Wir wollen mit unserem Gottesdienst-Test die Kirchen ein wenig mehr ins Blickfeld der Öffentlichkeit rücken. Unter Kirchgängern, Geistlichen und Lesern soll eine Diskussion darüber entstehen, was einen guten Gottesdienst ausmacht. Dieses in der Regel sonntägliche Treffen hat für evangelische wie katholische Christen ja bis heute eine große Bedeutung. Soll lebender Ausdruck des Christseins sein. Wir haben uns für eine Bewertung nach objektiven Kriterien theologische Hilfe geholt bei den Professoren Martin Stuflesser (Würzburg), er ist auch Berater der deutschen Bischofskonferenz, und Martin Nicol (Erlangen), der mit seinem Buch "Weg im Geheimnis" ein Plädoyer für den evangelischen Gottesdienst abgibt. Ergänzt werden objektive Kriterien um die subjektiven Eindrücke, die unsere Kollegen gewonnen haben. ang

Alle Berichte finden Sie auf unserer Übersichtsseite zum Gottesdiensttest. Dort finden Sie auch ausführliche Infos

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