Lichtenfels
Filmbühne-Jubiläum

Kino, Kino - ein Lebensbegleiter

Vor 20 Jahren feierte die Neue Filmbühne Lichtenfels Eröffnung in einem Neubau. Inhaberin Carmen Ulbrich und Theaterleiter Bernd Hidding blicken zurück.
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Carmen Ulbrich in "ihrem" Kino, der Neuen Filmbühne in Lichtenfels. Foto: Popp
Carmen Ulbrich in "ihrem" Kino, der Neuen Filmbühne in Lichtenfels. Foto: Popp

Ein neues Kino wird eingeweiht: Das war 1999 ein Anlass, den viele Leute im Landkreis interessiert mitverfolgten. Nun würde die "Neue Filmbühne" wirklich neu und modern sein, in drei Sälen mehr Auswahl bieten können. Manch einer mag vielleicht auch dem alten Kinobau ein wenig nachgetrauert haben, hatte man dorthin die Jugendliebe einst das erste Mal eingeladen oder mit Schulfreunden bei einem besonders beliebten Film in einer langen Schlange angestanden, die sich bis vor die gläserne Eingangstür und weiter auf dem Gehsteig hinzog. An Filmen und Erlebnissen, die zu ihrer Zeit wichtig waren, hängen Erinnerungen, deshalb war und ist Kino für viele ein Lebensbegleiter. Für Carmen Ulbrich sowieso. "Ich bin dort aufgewachsen", sagt die Inhaberin der Neuen Filmbühne Lichtenfels. Ihrem Onkel Erich Günther gehörte das Lichtenfelser Kino. Bei ihm und seiner Frau Katharina wurde das Mädchen Carmen groß. Als jungverheiratete Frau verließ sie dann aber die Region aus beruflichen Gründen. Bis heute lebt sie mit ihrer Familie im Raum Hanau. Zunächst hatte ihr Bruder Peter Günther das Erbe angetreten, das Kino an einen Betreiber verpachtet, und schließlich, als das gesamte Areal umstrukturiert werden sollte, gemeinsam mit dem Architekten noch den Neubau auf der Basis eines Grundstückstausches mitorganisiert. Das alte Kino mit fast 500 Plätzen in einem Saal (in den 1950er-Jahren war es kein Problem, den zu füllen) wurde 1998 abgerissen. Stattdessen entstand der Gebäudekomplex mit dem Kaufhaus Weka, einer Gaststätte und dem neuen Kino.

Mehr Säle mit weniger Plätzen

Drei unterschiedlich große Säle für um die 50, 90 beziehungsweise 120 Besucher wurden eingerichtet. Peter Günther war schwer krank und erlebte die Eröffnungsfeier nicht mehr. Carmen Ulbrich, seine Schwester, stand damit in der Verantwortung. "Ich hatte 20 Jahre nichts mehr mit dem Kino zu tun gehabt", berichtet sie. Gemeinsam mit ihrem Mann studierte sie eine Branchenzeitung und fand das Inserat eines jungen Mannes, der gerne ein Kino führen wollte. Das war Bernd Hidding. Schon beim ersten Treffen, das in Frankfurt stattfand, sei ihr klar gewesen, dass sie "ihren" Theaterleiter für Lichtenfels gefunden hatte. Wenige Monate später hatte er seinen Wohnsitz von Lindau nach Oberfranken verlegt und die Arbeit aufgenommen. 20 Jahre ist die Neueröffnung nun her, und das soll im Mai mit verschiedenen Aktion und einer Verlosung gefeiert werden.

Carmen Ulbrich hat das Kino nie losgelassen. Sie müsse sich nicht alles anschauen, sagt sie, aber wenn sie in Lichtenfels ist, nutzt sie die Gelegenheit, selbst in den Zuschauerreihen Platz zu nehmen, gern. Als Rentnerin nimmt sie sich die Zeit, sich um das Kino zu kümmern, ist fast monatlich einmal in Lichtenfels, wo sie noch ein Ein-Zimmer-Apartment hat. Das Geschäft sei nicht leicht, sagt sie. "Wir wollen die Filme mit Bundesstart", allerdings könne man sich als kleines Kino nicht die Rosinen rauspicken. Ein Film, der nicht so gut ankommt, müsse trotzdem, notfalls in einem fast leeren Saal, so lange laufen, wie die Verleiher das vorgegeben haben. Da habe der Betreiber vor Ort keine freie Hand. Das Internet sei zudem inzwischen eine große Konkurrenz. Aber das Erlebnis Kino könne man dennoch nicht mit dem heimischen Bildschirm vergleichen, wie groß er auch sei, findet Carmen Ulbrich. Dass die neue Filmbühne Freunde hat, freut sie natürlich, auch für ihr Team hier, mit dem sie sehr zufrieden ist. Es gibt gute Bewertungen auf der Facebook-Seite, und im vergangenen Jahr durfte sich das Lichtenfelser zu den 100 beliebtesten Kinos im Land zählen.

Kino ist längst nicht mehr nur Filme zeigen. Firmen nutzen die Einrichtung, Kindergeburtstage finden dort statt. Und als Rahmen für einen ganz besonderen Heiratsantrag diente einer der Säle auch schon.

Interview mit Theaterleiter Bernd Hidding: "Das mögen unsere Gäste"

Herr Hidding, wenn Sie auf die vergangenen 20 Jahre zurück schauen - was waren die gravierendsten Veränderungen?

Bernd Hidding: Das war die Umstellung weg von der alten Filmrolle hin zur digitalen Projektion, die wir 2005 als eines der ersten Kinos in Deutschland vollzogen haben.

Was war der beliebteste Film in dieser Zeit?

Die meisten Besucher seit Eröffnung 1999 hatten wir im Jahre 2001 beim "Schuh des Manitu". Da waren fast 10 000 Gäste bei uns. Das Jahr 2001 war im Ganzen auch das erfolgreichste, mit fast 100 000 Gästen. Da liefen auch Knaller wie Harry Potter 1 und Herr der Ringe 1.

Wie kann sich ein Kino heute behaupten?

Ich denke, man muss Qualität liefern. Sowohl im Bereich Bild- und Tontechnik als auch beim Komfort der Bestuhlung. Außerdem im Service und bei der Sauberkeit.

2018 wurde die Neue Filmbühne Lichtenfels zu den 100 beliebtesten Kinos in Deutschland gewählt. Das macht Sie sicher stolz. Dazu ist aber mehr nötig, als nur die aktuellen Filme zu zeigen...

Wie schon gesagt, man muss Qualität liefern in sämtlichen Bereichen. Das versuchen wir ständig einzuhalten, und das mögen unsere Gäste an uns und haben deswegen für uns abgestimmt.

Sehen Sie das Kino auch als Ort gesellschaftlicher Diskussion?

Mit Sicherheit auch das, aber in erster Linie ist Kino ein Ort der Entspannung und Unterhaltung. Schadet natürlich nicht, wenn auch mal etwas zum Diskutieren und Nachdenken dazu kommt.

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